Mittwoch , 19. September 2018
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Der von ContiTech in Dannenberg produzierte Antriebsriemen, mit dem unter anderem das Ikea-Fahrrad „Sladda“ angetrieben wurde, ist mehrfach gerissen - und Ikea nahm das Rad vom Markt. (Foto: rg)

Probleme bei Ikea-Rad sind made in Dannenberg

Dannenberg. Man war schon ein wenig stolz im Dannenberger ContiTech-Werk, als der schwedische Möbel- und Einrichtungsriese Ikea sein erstes Fahrrad vorstellte. „Sladda“ nannten die Schweden das Rad, und ein wichtiger, weil innovativer Teil von „Sladda“ kam aus Dannenberg: der Antriebsriemen. Statt einer Kette überträgt ein solcher Riemen die Kraft von den Pedalen auf die Räder, ist leichter, wartungsfrei und – eigentlich – sogar reißfester. Doch die Freude über den namhaften Partner und das innovative Produkt ist mittlerweile verflogen. Ikea hat „Sladda“ zurückgerufen, erstattet allen Käufern den vollen Kaufpreis – weil der hochgelobte Antriebsriemen nicht hielt, was er versprach. Nämlich zu halten. Ein Sicherheitsrisiko für alle „Sladda“-Fahrer. Und ein Image-Schaden für Ikea und ContiTech.

„Qualitätstests haben ergeben, dass unsere Riemen alle geforderten Normen und Standards erfüllen. Marktbeobachtungen haben jedoch gezeigt, dass verschiedene Ursachen dazu führen können, dass das im Fahrrad verbaute System den Produktanforderungen nicht standhält“, heißt es dazu aus der ContiTech-Firmenzentrale in Hannover. Deshalb habe man von sich aus Ikea „den Austausch“ des Antriebsriemens „vorsichtshalber empfohlen, um potenzielle Risiken für Fahrradfahrer zu vermeiden“. Ikea selbst spricht sogar von Unfällen: Elf Antriebsriemen seien gerissen, es sei zu Stürzen gekommen, zwei „Sladda“-Fahrer hätten Verletzungen davon getragen. Auch austauschen will Ikea die Antriebsriemen nicht, alle Räder werden aus dem Verkehr gezogen – selbst das „Sladda“-spezifische Zubehör kann zurückgegeben werden. Wie es weitergeht? Unklar. Möglicherweise wird das Rad überarbeitet und kommt dann wieder in den Handel, wahrscheinlich mit einem neuen Antriebsriemen – und vielleicht stammt der dann von einem der ContiTech-Mitbewerber.

Mögliche Lösung ist noch unklar

Doch nicht nur „Sladda“ wird, oder wurde, von einem Riemen made in Dannenberg angetrieben: Auch in einigen Produktlinien des Fahrradherstellers Canyon sind die Riemen aus der Jeetzelstadt verbaut, und auch Canyon rät seinen Kunden, die Fahrräder der Serien „Commuter“ und „Urban Bikes“ aus den Modelljahren 2016 und 2017 „ab sofort nicht mehr zu nutzen“. Auch Canyon betont, ContiTech habe von sich aus auf das Problem aufmerksam gemacht, man stehe „im ständigen Austausch mit Continental und arbeite mit Hochdruck an einer sicheren Lösung“. Wie die aussehen könnte, dazu äußert sich Canyon öffentlich nicht. Man habe alle betroffenen Kunden angeschrieben, heißt es in einer Mitteilung auf der Internetseite des Fahrradherstellers.

Im Dannenberger Werk werde die „Rücknahme“ des betroffenen Conti CDS 8mm-Riemens keine „signifikanten Auswirkungen auf die Auslastung der Produktion oder die Belegschaft“ haben, stellt man in der Firmenzentrale heraus: „Hier zeigt sich einmal mehr unser großer Standortvorteil: Durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Produktlinien für unterschiedliche Industrien können wir potenzielle Schwankungen in einem Bereich durch erhöhte Nachfrage in anderen Bereichen gut ausbalancieren“, betont Pressesprecherin Antje Lewe. Derzeit verzeichne man etwa in Dannenberg „eine gute Nachfrage nach Aufzugsriemen“.

von Rouven Groß