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Gut geschützt in ihren Imker-Anzügen öffnen die kleinen „Umweltforscher“ den Kasten – und können so in das faszinierende Innenleben eines Bienenstocks blicken. Foto: kre

Ein Bienenvolk für die Schule

Adendorf. Es brummt und summt im grünen Klassenzimmer der Grundschule am Weinbergsweg. Angst vor Bienenstichen aber haben Laura und ihre Freunde nicht. Warum au ch: Gut geschützt in ihren weißen Imker-Anzügen lüften die Jungen und Mächen auf Geheiß ihrer Lehrerin vorsichtig den Deckel des Bienenstocks – und haben so freien Blick auf das faszinierende Leben in einem Bienenstaat. Seit Mitte Mai steht der Bienenstock im Schulgarten der Grundschule am Weinbergsweg, ist Teil eines Schulprojeks – der „Naturforscher AG“ – die sich immer Dienstag nachmittags trifft, um die Geheimnisse der Bienen zu erforschen.

Insektensterben und Insektenschutz, Nachhaltigkeit und Ökolgogie sind Themen, die auch in der Grundschule am Weinbergsweg auf dem Stundenplan stehen. Einen Schulgarten gibt es bereits, was fehlte, war ein Bienenvolk. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Volksbank Lüneburg und des Kinderladens konnte schließlich ein Bienenvolk sowie die entsprechende Ausrüstung für die „jungen Forscher“ angeschafft werden. Die beiden AG-Lehrerinnen Sarah Scholl und Sandra Heine besuchten vorab entsprechende Lehrgänge – aber wir sind noch stetig dabei zu lernen“, verrät Rektorin Gesa Johannsen schmunzelnd.

Warum sterben so viele Bienen?

Woher kommt der Honig auf dem Pausenbrot? Wie entwickeln sich Bienen und wie leben sie zusammen? Warum sterben so viele Bienen? Johannsen und ihre Kollegen sind überzeugt: Die fliegenden Honigsammler eignen sich prima, um bei Kinderm und Jugendlichen die Liebe zur Natur zu wecken. Schließlich übernehmen Bienen mit der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen eine wichtige Aufgabe. Insbesondere Wildbienen sind für den Erhalt der biologischen Vielfalt unerlässlich.

„Es ist schon erschreckend, wie wenig Umweltwissen manche Kinder haben“, stellt Schulleiterin Johannsen fest – das Bienenprojekt soll aktiv mit dazu beitragen, das zu ändern. Unterstützt werden die Lehrer dabei vom Schubz und vom Archepark Lüneburg. „Wir arbeiten mit beiden Institutionen eng zusammen“, berichtet die Schulleiterin. Und für fachliche Fragen steht auch Adendorfs Umweltbeauftrager Dennis Volland mit Rat und Tat zur Seite: „Er ist jetzt unser Schul-Imker“, sagt Gesa Johannson lachend.

„Flüssiges Gold“ wird es erst im nächsten Jahr geben

Und damit alles nicht nur seine biologische, sondern auch bürokratische Ordnung hat, „haben wir unser Imker-Projekt selbstverständlich auch beim Veterinäramt des Landkreises angemeldet, berichtet die Rektorin – „außerdem sind wir dem Imkerverein beigetreten.“

Honig wird es dieses Jahr allerdings noch nicht geben: „Wir haben ein Ablegervolk“, erklärt Sarah Scholl – „damit die Bienen gut über den Winter kommen wollen wir ihnen den Honig als Winterfuttter lassen.“ Im kommenden Jahr allerdings wollen die Adendorfer dann auch erstmals ihr „flüssiges Gold“ ernten.

Und wer weiß: Vielleicht ist das jetzige Ablegervolk dann auch stark genug, um selbst ein Ablegervolk zu bilden, das dann am Schulstandort an der Dorfstraße aufgestellt werden könnte“, hofft Sarah Scholl.

Saatgutmischungen kostenlos verteilt

Bis dahin können auch die Adendorfer einiges in ihren Gärten tun, damit die emsigen Bienen genügend Pollen und Nektar finden: Im März hatte der ehrenamtliche Umweltbeauftrage der Gemeinde, Dennis Volland, kostenlos Saatgutmischungen verteilt. Als Startschuss des Projekts „Adendorf blüht“. Ziel war es, „auf kommunaler Ebene Verantwortung für die Artenvielfalt zu übernehmen,“ erklärte Volland damals.

Die Adendorfer Aktion brachte viele Akteure im Dorf zusammen: die Gemeinde und den Bauhof, die Oberschule am Katzenberg, die Grundschule, den Bürgerverein, die Kita an der Feuerwehr, den örtlichen Hagebaumarkt und die Bibliothek am Rathausplatz. Alle arbeiteten mit eigenen Schwerpunkten mit – sei es durch das Anlegen eigener Blühflächen, das Aufstellen von Insektenhotels – oder eben den Einstieg in die Imkerei.

Von Klaus Reschke