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Großes Interesse fand auch der Besuch bei den Ferkeln. Damit keine Keime eingeschleppt werden, mussten die Besucher Schutzanzüge tragen. Foto: kre

Landwirtschaft zum Anfassen

Ventschau. Seit 14 Jahren wohnen Rolf Ritter und seine Frau Christel in Ventschau. Der Besuch bei Bauer Krüger war für die beiden damit fast so etwas wie ein Tr effen bei guten Nachbarn. Und doch etwas besonderes: Denn die Familie Krüger öffnete ganz bewusst anlässlich des „Tags des offenen Hofes“ ihren Betrieb für Interessierte. Wer wollte, konnte sich informieren, wie die Krügers Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide und Raps anbauen, aber auch, wie sie ihre Schweine halten und aufziehen. Dass das Interesse an Landwirtschaft groß ist, das bewies einmal mehr die jetzige Veranstaltung: Bereits zum Hofgottesdienst um 10 Uhr waren weit mehr als 100 Besucher erschienen, die anschließend ihren Wissensdurst beim Hofrundgang stillen konnten.

Bäuerin mit Leib und Seele

Und davon machten auch viele Besucher ausgiebig Gebrauch: Denn wann hat man schon mal die Gelegenheit, einen Ferkelstall von innen zu sehen? Gekleidet in einen weißen Schutzanzug und mit Gamaschen über den eigenen Schuhen. Hygienisch einwandfrei also. Weniger, um die eigene Kleidung zu schonen, als vielmehr, um keine gefährlichen Keime in den Stall zu bringen.

Familie Krüger bewirtschaftet den Hof in Ventschau bereits in dritter Generation. Und so, wie es jetzt so manchem Besucher aus der Stadt ging, erging es Bäuerin Andrea Krüger. Damals, vor 27 Jahren, als sie auf den Hof in Ventschau kam. Aus der Großstadt Berlin, „keine Ahnung von Schweinehaltung und schwer beeindruckt von den großen Maschinen“, wie sie einräumt. Längst ist sie Bäuerin mit Leib und Seele. Warum sie trotz der vielen Arbeit auf dem Hof auch noch bereit ist, den Familienbetrieb an einem Sonntag für Besucher zu öffnen? „Mir ist es wichtig zu zeigen, dass wir schonend mit unserem Boden umgehen, dass wir stolz sind auf das, was wir tun“, erklärt sie. Schließlich seien es die Landwirte, die die Nahrungsmittel produzieren, die die Menschen ernähren.

Lange Trockenheit sorgt für zusätzliche Arbeit

Dass die Arbeit der Landwirte ein Thema ist, das die Menschen interessiert, bestätigt Jeannine Gatzert. Die Lüneburgerin nutzt mit ihren beiden Kindern Jonne und Linn sowie deren Freundin Frederike den Tag des offenen Hofes, um einen Blick hinter die Kulissen der Landwirtschaft werfen zu können. Ställe zu besichtigen, Trecker zu fahren und sich darüber hinaus auch noch an den verschiedenen Info-Ständen zu informieren.

Dass Bauer sein wenig bis gar nichts mit Urlaub auf dem Bauernhof zu tun hat, machte Hubertus Meyer, Vorstandsmitglied im Bauernverband Nordostniedersachsen in seinen Grußworten deutlich: „Zurzeit plagt uns die langanhaltende Trockenheit, die für zusätzliche Arbeit auf den Höfen sorgt.“ Dass Familie Krüge trotz alledem noch die Zeit gefunden habe, ihren Hof für die Öffentlichkeit zu öffnen, ist für Meyer daher umso bemerkenswerter.

Feldrundfahrt wurde stündlich angeboten

„60 Prozent des Landkreises wird landwirtschaftlich genutzt“, erinnerte der stellvertretende Landrat Norbert Thiemann (CDU) in seinen Grußworten. Auch er ist der Meinung: „Der ‚Tag des offenen Hofes‘ ist eine prima Gelegenheit, sich kennenzulernen und Landluft zu schnuppern.“

Das taten die vielen Besucher dann ausführlich – schauten sich das Deckzentrum, den Abferkel- und den Sauenstall ebenso an, wie die Ferkelaufzucht und den Mastschweinestall. Wer wollte, konnte zudem an einer Feldrundfahrt teilnehmen, die stündlich angeboten wurde. Informationen rund um die Landwirtschaft und den Beruf des Landwirtes gab es zudem an den zahlreichen Info-Ständen. Angefangen von den Berufsbildenden Schulen III, die Landwirtschaftskammer und den Kreislandfrauen bis hin zur LBZ und dem Schubz. Landwirtschaft zum Anfassen eben.

Von Klaus Reschke