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Vor allem alte Heidebestände, wie hier in der Oldendorfer Totenstatt, können noch etwas von einem unterirdischen Feuchtigkeitsspeicher zehren. (Foto: t&w)

Sorge um die Heideblüte

Niederhaverbeck. Freud und Leid liegen in der Kulturlandschaft Lüneburger Heide eng beieinander: Die extreme Trockenheit der vergangenen Wochen stresst die Heidepflanzen im gleichnamigen Naturschutzgebiet rund um den Wilseder Berg mehr als üblich. Das Gute aber daran ist, dass der Fraßfeind Heideblattkäfer noch eher dran krepiert. „Man darf nicht vergessen, dass wir im vergangenen Jahr hingegen sehr hohe Niederschläge hatten“, sagt Mathias Zimmermann, Geschäftsführer der Stiftung des Vereins Naturschutzpark (VNP) Lüneburger Heide in Niederhaverbeck. Die seinerzeit hohe Luftfeuchtigkeit hatte den schädlichen Käfer- und Larvenbefall stark befördert. Jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Die Folge für die Pflanzen: Die Besenheide Calluna Vulgaris treibt noch nicht so stark aus. Befürchtungen von Touristikern, die Heideblüte könnte dieses Jahr sogar ausfallen, widerspricht Zimmermann.

„Die Heide ist keine Mimose, sondern eine robuste und dauerhafte Pflanze.“
Mathias Zimmermann, VNP-Geschäftsführer

Aber: „Es kann sein, dass es später nicht überall flächig lila blüht, sondern hier und dort auch mal ein paar Streifen zu sehen sind, die eher bronzefarben sind“, sagt Zimmermann, „aber das ist alles nicht dramatisch.“ In den vergangenen Jahren war dann immer wieder von einer „Mosaikblüte“ die Rede.

Triebe waren vor einem Jahr dreimal so lang

Die Besenheide ist eine „xeromorphe Pflanze“, sagt Zimmermann, oder mit anderen Worten: „Die Heide ist keine Mimose, sondern eine robuste und dauerhafte Pflanze, die mit Trockenheit noch am besten fertig wird.“ Gleichwohl leidet Calluna vielerorts noch unter den Vorschädigungen durch den Käferbefall des vergangenen Jahres. Und wegen der nun ausgebliebenen Niederschläge kommt nun der Trockenstress hinzu, hätten sich die Triebe noch nicht so stark ausgebildet.

Vergangenes Jahr um diese Zeit waren die Triebe bis zu 15 Zentimeter lang, derzeit seien es meist fünf bis sechs Zentimeter. Doch Zimmermann hofft noch: „Die neun Millimeter Niederschlag am Wochenende waren schon ein guter Anfang. Noch befinden wir uns in der Vegetationsphase. Wenn es weiteren Regen gibt, werden die Pflanzen auch weiter austreiben.“

Herbstlicher Anblick

Sollte es aber weiter trocken bleiben, hätten vor allem die Heidepflanzen auf den ehemaligen „Roten Flächen“ einen Standortnachteil. Die später renaturierten Areale, auf denen noch bis Anfang der 90er Jahre die Briten mit ihren Panzern übten, hätten „Bodenstörungen“, die bis heute nachwirkten. Dort sei die Humusschicht nicht so stark ausgeprägt, wie unter den Altheiden. Damit fehlt dort auch ein wichtiger Feuchtigkeitsspeicher.

Zimmermann: „Auf den ehemaligen Roten Flächen sieht man jetzt schon, wie die flachwurzelnden Birken gelbe Blätter bekommen. Es sieht dort schon ein bisschen herbstlich aus.“ Anders bei den Altheiden, wo die Pflanzen noch etwas länger von der Feuchtigkeit im Humus zehren können. Die Altheiden machten rund 4000 Hektar der insgesamt 6000 Hektar Heideflächen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide aus, die vom VNP gepflegt werden.

Von Dennis Thomas