Donnerstag , 15. November 2018
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Das Lüneburger Frauenhaus, hier Mitarbeiterin Mira Lambertz, hat für Neuaufnahmen nicht immer Platz. Dann werden die Frauen aber nicht per se abgewiesen, sondern an andere Einrichtungen verwiesen, in denen noch Plätze frei sind. (Foto: A/t&w)

Keine Frau in Not wird allein gelassen

Lüneburg. „Frauen, die vor häuslicher Gewalt flüchten, werden nicht allein gelassen. Es bleibt keine Frau in Not auf gepackten Koffern sitzen. “ Das stellen Gu­drun Strötges, Mira Lambertz und Stefanie Bahr, Mitarbeiterinnen des Lüneburger Frauenhauses, klar. Sie reagieren damit auf die Formulierung von Andrea Amri-Henkel, stellvertretende Vorsitzende der Linken im Rat, dass 32 Frauen und ihre Kinder aus Platzmangel abgewiesen worden seien. Gleichzeitig hat die Fraktion den Ausbau des Frauenhauses und eine personelle Aufstockung gefordert. Adressat wäre da allerdings nicht die Kommune, sondern das Land.

Wie berichtet, hatte Amri-Henkel im Sozialausschuss der Stadt eine Anfrage gestellt bezüglich einer möglichen Überlastung des Lüneburger Frauenhauses. Grund waren Medienberichte, wonach es 2017 Überbelegungen in Niedersachsen gegeben habe. Die Lüneburger Einrichtung hatte Fakten für die Stadtverwaltung zusammengestellt, Jugendamtsleiterin Angela Lüt­johann unter anderem erläutert, dass das Frauenhaus 32 Frauen nicht aufnehmen konnte. Sie machte auch deutlich, dass die Frauen in andere Einrichtungen vermittelt wurden.

Förderung ist klar geregelt

„Wir sind irritiert darüber, wenn Frau Amri-Henkel sagt, die Frauen seien abgewiesen worden, und behauptet, die Stadtverwaltung wolle nicht zugeben, dass Frauen aufgrund mangelnder Kapazitäten ohne Begleitung wieder weggeschickt werden“, sagt Mira Lambertz. Zwar gebe es Zeiten, in denen alle Betten belegt seien, „aber dann schauen wir mit den Frauen, in welchen anderen Häusern eine Aufnahme möglich ist“. Dazu gebe es eine Liste mit Kontakten. Die Lüneburger Einrichtung habe auch nicht nur Anfragen von Betroffenen aus Stadt und Landkreis, sondern aus anderen Regionen, diese zählten auch zu den 32 Fällen. „Abgesehen davon vermitteln wir auch in andere Frauenhäuser, wenn die Gefahr zu groß ist, dass es zu Gewalt kommen könnte“, ergänzt Gudrun Strötges. Und: Jede Frau bekommt eine Beratung, das ist rund um die Uhr möglich.

Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses hätten sich gewünscht, dass die Linken direkt mit ihnen das Gespräch aufgenommen hätten. Auch mit Blick auf die Finanzierung der Frauenhäuser in Niedersachsen und der Forderung nach einer besseren Ausstattung. Stefanie Bahr erläutert: „Das Land fördert die Personalkosten der Einrichtung anteilsmäßig gemäß der ‚Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Maßnahmen für Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind‘.“ Die Lüneburger Einrichtung erhält zudem freiwillige Leistungen von Stadt, Kreis und der Gemeinde Adendorf. Außerdem müssen Frauen pro Tag 15 Euro quasi als Miete entrichten, das Jobcenter übernimmt dies bei Frauen, die auf Grundsicherung angewiesen sind. „Die Richtlinie läuft bis einschließlich 2021. Das heißt, es würde auch bei einem Ausbau des Frauenhauses, wie von der Linken gefordert, nicht mehr Geld vom Land geben.“ Auch die Zuschüsse von Stadt, Kreis und der Gemeinde seien bis 2021 verhandelt. Das sei auch so im Sozialausschuss im vergangenen November dargestellt worden. Sprich: Die Linke hätte eigentlich in Kenntnis sein müssen.

Wunsch nach mehr Familienplätzen

Die Mitarbeiterinnen der Einrichtung verweisen darauf, dass die autonomen Frauenhäuser seit Jahren bundesweit eine einheitliche Förderung verlangen, aber die Finanzierung sei immer noch Länderhoheit und es gebe unterschiedliche Bedingungen. In dem Zusammenhang gebe es die Forderung an die Landespolitik, die Istanbul-Konvention des Europarates „zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ umzusetzen. Dem Übereinkommen war Deutschland 2017 beigetreten. „Es empfiehlt pro 10 000 Einwohner einen Familienplatz in einem Frauenhaus. Bei 165 000 Einwohnern in Stadt und Landkreis wären das 16 Familienplätze, derzeit haben wir 12 Betten“, erläutert Strötges. Die Umsetzung wäre auch deshalb wichtig, weil es in vielen niedersächsischen Regionen noch kein Frauenhaus gibt, das heißt, von Gewalt Betroffene müssen an anderen Orten Unterkunft finden.

Von Antje Schäfer