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Der Zoll deckt Verstöße auf. In einer Bar beschlagnahmten die Ermittler rund 30 Kilo unversteuerten Shisha-Tabak. Foto: Michael Behns

Nun beginnen die nächsten Shisha-Ermittlungen

Lüneburg. Vor fünf Monaten hatte der Betreiber der Shisha-Bar an der Grapengießerstraße gegenüber der LZ seine gute Lüftung gelobt. Der Rauch der Wasserpfeifen verschwände sofort. Offenbar nicht immer: Bei einer Kontrolle der Behörden am Mittwochabend wurden im Lokal „lebensbedrohliche Konzentrationen“ von Kohlenmonoxid gemessen. Erlaubt seien laut Polizei 30 ppm, das steht für parts per Million, im Lokal waren es 80 ppm, am Ofen für die Kohle gut 160 ppm. Kohlenmonoxid kann zu Bewusstlosigkeit führen, bei einer hochgradigen Vergiftung wacht man im Zweifel nicht mehr auf. Vor Ort hatte der Wirt erklärt, da kaum ein Gast im Lokal gewesen sei, habe man die Lüftung nicht eingeschaltet, man wolle „Strom sparen“.

Es war nicht der einzige Verstoß, den 80 Beamte von Zoll, Polizei und Stadt bei ihrer Kontrolle in vier Lokalen an der Neuen Sülze, an der Wittenberger Bahn, der Schützen- und der Grapengießerstraße feststellten. So beschlagnahmte der Zoll an der Neuen Sülze 30 Kilo unversteuerten Tabak.

„Ein gravierender Verstoß“

Schwarzarbeit stand ebenfalls im Fokus der Ermittler: Bei 19 überprüften Personen gab es neun Verstöße. „Da werden entsprechende Strafverfahren eingeleitet“, sagt Polizeisprecher Kai Richter. Hinzu kämen zwei illegal beschäftigte Asylbewerber. Laut Zoll, der regelmäßig an solchen Kontrollen beteiligt ist, sei dies eine „sehr hohe Quote, ein gravierender Verstoß“. Und der kann teuer werden: Das Bußgeld könne bei 750 Euro pro Person und Tag liegen.

Bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz hoffen die Behörden auf Abschreckung. Zwar nahmen die Kontrolleure von 17 jungen Männern und Frauen die Personalien auf, doch das war‘s. Denn keiner der Jugendlichen wurde dabei ertappt, wie er an einem Mundstück der Pfeife nuckelte. Im Rathaus sagt Sprecherin Suzanne Moenck, dass man beim Jugendschutz am Ball bleibe: „In Raucherlokalen dürfen sich Personen unter 18 Jahren nicht aufhalten.“

„Wir waren nicht zum letzten Mal da“

Die Bar an der Grapengießerstraße darf laut Suzanne Moenck in den Räumen zunächst keine Pfeifen mehr anzünden: „Der Betreiber muss uns nachweisen, dass er eine funktionierende Lüftung hat und sie auch einschaltet.“ Man werde sich die Lokale durch Mitarbeiter von Ordnungsamt und Bauamt anschauen. Zudem wolle man Gewerbeaufsicht und Lebensmittelkontrolle einschalten.

Für die Polizei ist nach der Aktion Wasserpfeife klar: „Wir waren nicht zum letzten Mal da.“ Vor allem in der kühleren Jahreszeit, wenn die Gäste in den Lokalen sitzen, werde man im Blick haben, wie es um die Luft bestellt sei.

Von Carlo Eggeling

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Kein gesundes Rauchen

Wasserpfeifen stellen keine harmlose Alternative zur Zigarette dar, sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Studien zufolge soll es möglich sein, dass größere Mengen Teer und Kohlenmonoxid über den Rauch einer Wasserpfeife aufgenommen werden als über filterlose Zigaretten. Zudem wurden im Shisha-Rauch krebsauslösende Substanzen wie Arsen, Chrom und Nickel in zum Teil hohen Konzentrationen nachgewiesen. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland immer mehr Menschen Shisha rauchen, empfiehlt das BfR dringend Messungen des Kohlenmonoxidgehalts in der Raumluft von Shisha-Cafés. Denn: Gefährdet sind nicht nur die Gäste, sondern auch die Mitarbeiter.