Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Unter dem Motto "#freireden? #mitreden. #gegenreden" nahmen 30 Schüler aus verschiedenen Schulen der Stadt und des Landkreises an einem Workshop zum Thema richtiges Verhalten im Netz teil. Hier abgebildet sind (v.l.) Athina, Anton, Juri und Hanna. (Foto: t&w)

Hass ist nie okay

Lüneburg. Paul muss nicht lange nachdenken, wenn man ihn nach einem Beispiel für „Hate Speech“ (dt. „Hassrede“) im Netz fragt. „Auf Instagram und YouTube finden sich oft Kommentare, die Personengruppen wie etwa Ausländer beleidigen“, sagt der 15-jährige Schüler der IGS Embsen. Und auch in einem Online-Spiel, das er spielt, würden besonders französische Mitspieler übel angegangen. Seine Mitschülerin Marie kann Ähnliches berichten: „Ich spiele selbst Online-Spiele, weil ich ein Mädchen bin werde ich auch angefeindet.“ Schnell wird klar: Fast alle Teilnehmer des Workshops „#freireden? #mitreden. #gegenreden“ haben Erfahrungen mit „Hate Speech“, aber auch mit „Cyber-Mobbing“ und „Fake News“ im Netz. Darüber aufzuklären und Maßnahmen dagegen aufzuzeigen ist die Idee hinter dem Workshop, initiiert von der Deutschen Gesellschaft. Nach Lüneburg kam er auf Einladung des Kriminalpräventionsteams.

30 Schüler aus fünf Schulen in Stadt und Landkreis nahmen jetzt daran teil. Viele von ihnen sind Medien-Trainer an ihren Schulen: Ihr Job ist es, ihre Mitschüler beim verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet und ihren persönlichen Daten zu unterstützen. Für sie ist der Workshop quasi eine Fortbildung. Und dementsprechend wenig überraschend ist es, dass die Teilnehmer schon viele Vorkenntnisse haben. Facebook nutzen die wenigsten – „auch aus Datenschutzgründen“, wie die 16-jährige Lisa sagt. Instagram? Hat sie vor Monaten gelöscht. Und die Teilnehmer, die das soziale Netzwerk nutzen, surfen meistens auf einem nicht-öffentlichen Profil.

Smartphones zeichnen Bewegungsprofil auf

Trotzdem kann gerade beim Thema Datenschutz Workshop-Leiter Niels Dehmel den Jugendlichen noch Einiges beibringen. „Eure Smartphones zeichnen ein Bewegungsprofil von Euch auf, ohne dass ihr es merkt,“ sagt er. Das demonstriert er an der 16-jährigen Teilnehmerin Helene: In Windeseile konnte Dehmel ihren Wohnort, ihre Schule und sogar einen Urlaubsort auslesen. Die junge Frau ist sichtlich erschrocken über diese Funktion – und schaltet sie sofort aus (Eine Anleitung in der Info-Box). Was das Internet noch über sie weiß, erfährt sie in einem Stationenlauf. Und auch hier gibt es einige Überraschungen: „Wenn ich meinen Namen googele, finde ich mein WhatsApp-Profilfoto und auch Bilder von meinen Badminton-Turnieren.“ Sie ist nicht allein: Die Achtklässlerin Johanna stößt ebenfalls ihre Sportplatzierungen und einen Limousinen-Service unter ihrem Namen. „Der hat aber nichts mit mir zu tun“, sagt sie. Und ihr Mitschüler Juri ist verblüfft darüber, auf wie viele private Daten die 83 Apps auf seinem Smartphone Zugriff haben. Passwörter für seine verschiedenen Benutzerkonten hat er ebenfalls in einer App gespeichert. „Das war dumm von mir, das werde ich sofort ändern.“

Internet-Nachrichten hinterfragen und nachrecherchieren

Ein allzu sorgloser Umgang mit den eigenen Daten ist nicht nur ein profitables Geschäft für Datenverkäufer, erklärt Niels Dehmel. Welche Möglichkeiten Kriminelle mit persönlichen Informationen und Bildern haben, zeigt der Workshopleiter mithilfe eines Filmes. Darin wird auch die Geschichte der Amanda Todd erzählt – ein 15-jähriges Mädchen aus Kanada, das in einem Video-Chat sich vor einem fremden Mann entblößte und später von ihm mit den Bildern erpresst wurde. Daraufhin nahm sich Todd das Leben – der Fall fand weltweites Aufsehen. Trotzdem kennen einige Teilnehmer des Workshops ähnliche Fälle aus ihrem schulischen Umfeld: Jugendliche stellten aufreizende Bilder von sich ins Netz oder versendeten sie über WhatsApp. Daraufhin erfuhren sie Mobbing und Demütigungen. Deshalb appelliert Dehmel an die Jugendlichen: „Geht sparsam mit euren Daten um! Was einmal im Netz ist, ist kaum wieder rauszuholen.“

Das gilt auch für „Fake News“: „Diejenigen, die ‚Fake News‘ streuen, haben das Ziel, Meinungen zu manipulieren“, sagt Dehmel. Deswegen sein Rat an die Schüler: Hinterfragen, was im Netz steht, und zur Not selbst nachrecherchieren. Und auch zum Thema „Hate Speech“ gibt er den Teilnehmern wertvolle Tipps an die Hand. „Bleibt fair und versucht nicht, gegen jemanden anzureden“. Hilfsmittel sind etwa Ironie oder lustige, kreative Antworten den Hassrednern entgegenzusetzen. „Sie ebenfalls zu beleidigen, bringt nichts.“ Auch selbst nachzurecherchieren und Sachverhalte zu erklären wirke gegen „Hate Speech“. Denn häufig würden die Leute falsche Zahlen als Argument hinzuziehen. Dies sei dann leicht zu widerlegen. Abschließend gab Dehmel den Schülern auf den Weg: „Meinungen zu haben ist völlig ok. Aber Hass zu streuen, das ist nie ok.“

Ortung im Smartphone abschalten

iPhone: Öffnen Sie „Einstellungen“ und tippen auf den Button „Datenschutz.“ Dort gehen Sie auf „Ortungsdienste“, ganz unten befinden sich die „Systemdienste“. Im Ordner „Wichtige Orte“ wird auf einer Karte Ihr Verlaufsprofil gezeigt. Per Schalter knipst man dort das Speichern des Verlaufes aus; mit „Verlauf löschen“ wird man die Daten los.

Android: Öffnen Sie „Einstellungen“ und wählen Sie die Kategorie „Google“. Dort finden Sie den Punkt „Persönliche Daten & Privatsphäre“ oder Ähnliches. Unter dem Punkt „Sucheinstellungen“ können Sie die Tracking-Funktion „Letzte Standorte“ deaktivieren. Tippen Sie dazu auf „Löschen“ und wählen Sie die Option „Nicht Speichern“.

Mehr Informationen zu dem Thema gibt es auch unter www.freireden-mitreden-gegenreden.de.

von Robin Williamson

One comment

  1. Norbert Kasteinecke

    Tolle Sache das.

    Eine Frage bleibt mir :
    Wer definiert hier den Begriff „Hate-Speach“ ?