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Maria Frese leidet und freut sich auf Plattdeutsch: Sie spricht im Chaussee-Tonstudio gefühlvoll einen Text für den Film Ritter Trenk ein. Neben an sitzen (v.l) ihr Vater und Initiator des Projekts, Heiko Frese, und die Techniker Reemt Meyer und Torben Seemann. (Foto: t&w)

Plattdeutsche Abenteuer des Ritters Trenk

Lüneburg. Zu Hause spricht ihr Vater nur Platt mit ihr. „Das ist seit kleinauf so“, sagt Maria Frese. Doch in der Wilhelm-Raabe-Schule sei sie die einzige, die es so gut könne. Bis auf ihren Vater, Heiko Frese, der dort unterrichtet. Maria, die heute ihren 14. Geburtstag feiert, ist es wichtig, dass die niederdeutsche Sprache erhalten bleibt. Dazu kann sie einen Teil beitragen – mit einem Film.
Am Wochenende war die Achtklässlerin zum Casting für den Film „Ritter Trenk“ in die Goseburg gefahren. Das Buch der Jugendschriftstellerin Kirsten Boie ist zwar lange abgedreht, doch nun soll der Streifen neu synchronisiert werden – auf Platt. Maria gehörte zu den 16 Teenagern, die zum Vorsprechen in das „Chaussee Medienzen­trum“ eingeladen wurden. Im Herbst kommt der Film ins Kino.

Hinter der Idee stecken der ehemalige Nordholzer Schulleiter Georg Schillmöller und der Lüneburger Lehrer Heiko Frese, der zudem bei der Landesschulbehörde als Berater für die plattdeutsche Sprache im Unterricht arbeitet. Beide engagieren sich im Verein „Platt und Friesisch in der Schule“. „Die Idee hatte ich lange“, erzählt Frese. „In der Schule mangelt es an plattdeutschen Medien. Es gibt keine Filme für Kinder.“ Und dann: „Wenn en Spraak lebennig blieven schall, denn mutt düsse Spraak ok in de Medien vörkamen, de för de jungen Lüüd interessant sünd.“

Ein Projekt für 85 000 Euro

Die LZ hatte kürzlich über das Projekt berichtet: Erst wollten die Sprachen-Fans eine DVD produzieren, doch damit ließen sich keine Fördermittel gewinnen. Die Gesellschaft Nordmedia, die über das Land Zuschüsse gewährt, dachte größer: Ein Film sollte es sein. Dass damit alles viel teurer würde, lag auf der Hand. Frese und Schillmöller fragten weitere Sponsoren an. Stiftungen sagten Bares zu, DIE auch Filmförderung Hamburg- Schleswig-Holstein beteiligt sich. Alles in allem kamen 85 000 Euro zusammen.

Frese wandte sich an die gern gelesene Jugendbuchautorin Kirsten Boie. „Die war begeistert und unterstützt unser Projekt“, sagt Frese. Dieser Rückenwind und der Ritter Trenk öffneten sozusagen Türen.

Die Geschichte: Trenk Tausendschlag ist der Sohn eines unschuldig eingekerkerten Bauern. Er will gegen einen bösen Drachen kämpfen. Schafft er es, ihn zu besiegen, hat er einen Wunsch beim Fürsten frei und kann damit seinen Vater nach Hause holen. Allerdings muss er zuvor in die Garde des Herrschers aufgenommen werden, ein langer Weg. Bei seinen Abenteuern findet er Freunde wie Ferkelchen, Gaukler Momme Mumm und Burgfräulein Thekla.

Im Lüneburger Chaussee-Tonstudio soll die Synchronisation laufen. Torben Seemann, Reemt Meyer und ihre Kollegen haben reiche Erfahrung im Filmgeschäft, regelmäßig arbeiten sie für Fernsehsender und Filmproduktionen, gerade auch im Kinder- und Jugendbereich. Namhafte Schauspieler hatten sie bereits zu Gast, Charly Hübner etwa, der regelmäßig als Kommissar im Polizeiruf 110 zu sehen ist.

150 Kinder wollen mitmachen

Nun also der Ritter Trenk. Maria Frese nimmt ihr Casting locker: „Ich habe den Text ein paarmal gelesen.“ Ein bisschen Erfahrung habe sie, als Kind habe sie eine Rolle bei der niederdeutschen Bühne Sülfmeister gehabt, auch bei einer Theater-AG mitgemacht, die ihr Vater geleitet habe. Einen Vorteil gegenüber den anderen Interessenten habe sie nicht gehabt: „Ich musste wie die anderen bei Herrn Schillmöller am Telefon vorsprechen.“ Sprachen zu lernen, fällt ihr leicht, ihre Mutter kommt aus Estland: „Mit ihr sprechen wir zu Hause Estnisch.“

Ob es am Ende klappt mit der Rolle, entscheidet sich in den nächsten Tagen. 150 Kinder aus Norddeutschland hatten sich beworben, 16 wurden eingeladen, die Hälfte wird genommen. Frese sagt: „Das liegt aber nicht nur an der Fähigkeit des Sprechens, auch die Stimme muss passen, beispielsweise vom Alter.“ Schillmöller ergänzt, dass für das Einsprechen der Stimmen etwa zwei Tage im Tonstudio angesetzt sind. Mitte Oktober soll der Film dann in Kinos zu sehen sein. Doch vorher stehen drei Premieren an: im Hamburger Ohnsorg-Theater, in Norderstedt und in Lüneburg. Maria Frese und ihre Familie wollen den Film up Plattdüütsch sehen.

Von Carlo Eggeling