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So hätte er aussehen können: der Ilmenausee am Uelzener Herzogenplatz. Visualisierung: Ilmenaustadt Uelzen e.V.

Der geplatzte Traum vom See in der Innenstadt

Uelzen. Alles sollte anders werden in der Nachbarstadt Uelzen: grüner, blauer, schöner. Ein See mitten im Zentrum, 2600 Quadratmeter groß – umsäumt von Cafés und Geschäften. Das war die große Vision des Vereins „Ilmenaustadt Uelzen“. Vor zirka fünf Jahren begannen dessen Mitglieder Maßnahmen zur Belebung der Stadt zu erarbeiten, darunter die viel diskutierte Idee, die Ilmenau zum Rathaus hin zu öffnen. Doch jetzt ist klar: Daraus wird erst einmal nichts. Der Stadtrat hat sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen.

Die Enttäuschung ist groß

Um ein Konzept für das Gesamtprojekt zur Wiederbelebung des „Grüngürtels Ilmenau-Aue“ mit möglichem See am Herzogenplatz in Auftrag zu geben, wäre die Freigabe von rund 35 000 Euro notwendig gewesen. Damit sollten Fördermittel für das millionenschwere Projekt aus dem Programm „Zukunft Stadtgrün“ beantragt werden. Uelzen hätte vermutlich einen Eigenanteil in Höhe von etwa 2,6 Millionen Euro für den See aufbringen müssen.

Bei Henning Tiedge ist die Enttäuschung groß. „Es ist deutlich weniger Leben in der Stadt im Vergleich zu der Zeit, als ich aus Uelzen weggegangen bin“, beklagt der Vorsitzende des Vereins Ilmenaustadt Uelzen das Scheitern eines Versuchs, dem etwas entgegenzusetzen. Fortgezogen ist er 1984. In den vergangenen Wochen waren viele seiner Abende für die Bewerbung des Projektes bei den Parteien im Stadtrat draufgegangen – letzten Endes umsonst. Mit dem „Nein“ zum See sei ein wesentlicher „Impuls“ zur Verbesserung der Lebensqualität und des Images Uelzens gestorben, so Tiedge. Und damit auch der Traum der rund 128 Mitglieder des Vereins.

Alternativideen für Uelzen

Leerstand, demografischer Wandel, Fachkräftemangel: „Was können wir tun, um den Niedergang zu stoppen?“, fragt der Verein auf seiner Internetseite. Als Antwort auf diese und weitere vermeintliche Laster der Kreisstadt wird ein Sechs-Punkte-Plan vorgeschlagen, der vor allem die Entwicklung des Zentrums vorsieht. Punkt sechs: Aufweitung der Ilmenau zu einem See. „Die Planung ist so weit fortgeschritten, dass wir sofort loslegen können“, sagte Tiedge mit einem Rest Optimismus noch einige Tage vor der politischen Absage. Dazu hatte der Verein auf Kompetenzen aus eigenen Reihen zurückgegriffen – Kosten durch lokale Firmen schätzen lassen und einen Architekten mit ins Boot geholt. Auch Bedenken hinsichtlich des Natur- und Denkmalschutzes wurden bereits im Rahmen entsprechender Gutachten berücksichtigt.

Und nun? Tiedge will die Flinte nicht ins Korn werfen, hofft auf weitere Ideen vonseiten der Politik, wie es mit Uelzen weitergehen könnte. Denkbar wäre etwa ein Veranstaltungsraum der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Uelzen, um mehr Suderburger Studenten in die Stadt zu ziehen. Ob nun künftig ein Verein der Motor für solche Vorschläge sein werde, sei aber zu hinterfragen. Doch egal wessen Initiative den Anstoß gibt: „Unsere Hoffnung ist, dass Uelzen als Mittelzentrum wieder mehr aufs Umland ausstrahlt“, sagt Tiedge. Und die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

von Anna Petersen