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Claudia Fischer (vorne) leitet das Angebot „Turnen 50plus“ beim FC Echem. Nachdem die Schulsporthalle im April 2017 abgebrannt ist, treiben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Schützenhaus Sport. Foto: t&w

Turnen auf der Diele

Echem. Das mit der Entspannung ist derzeit so eine Sache. „Wenn wir zum ruhigen Teil der Sportstunde kommen und abschalten wollen, hören wir entweder die Marder über unseren Köpfen trappeln oder die Mücken um unsere Ohren surren“, sagt Claudia Fischer und lacht. Ansonsten ist die Situation beim FC Echem aber eher zum Heulen: Insgesamt 52 Mitglieder haben den Verein allein 2017 verlassen, die Zahl der Austritte seit Jahresbeginn beläuft sich auf 20 – und dabei wird es wohl nicht bleiben. Bei rund 300 zahlenden Sporttreibenden ein hoher Prozentsatz. „Wenn die Halle nicht bald wieder steht, können wir den Laden zumachen“, fürchtet die Übungsleiterin.

Seitdem im April vergangenen Jahres die Echemer Grundschule mit angeschlossener Sportstätte abgebrannt ist, waren nicht nur die Kinder im Dorf gezwungen, sich umzuorientieren: Betroffen waren auch die zahlreichen Mitglieder des örtlichen Sportvereins, die plötzlich keine Turnhalle mehr hatten, auf die Nachbarn hoffen und dort nach Unterschlupf suchen mussten – mit mäßigem Erfolg, wie Jörg Fischer erklärt: „Natürlich waren die Hohnstorfer und Artlenburger sofort bereit, uns zu helfen“, sagt der 2. Vorsitzende, „Hallenzeiten sind aber rar und für unsere Mitglieder nicht immer einzuhalten.“

Ersatztermine zu Zeiten, die nur wenigen passen

Spät am Abend, kurz nach Mittag oder aber mal am Wochenende: Was frei war, wurde getestet. Claudia Fischer erzählt: „Das sind aber natürlich Momente im Tagesablauf, die nur wenigen passen.“ So hat sich mittlerweile die Badminton-Gruppe aufgelöst, die Volleyballer gibt es in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung nicht mehr, und der Kinder-Rehasport – im gesamten Umkreis das einzige Angebot dieser Art – findet ebenfalls nicht mehr statt. „Das ist echt bitter“, sagt die Übungsleiterin betrübt.

Andere haben in den sauren Apfel gebissen und stellen sich der Situation: Jeden Montag treffen sich beispielsweise die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Turnen 50plus im örtlichen Schützenhaus. „Das ist eine sehr stark frequentierte Gruppe“, freut sich Claudia Fischer, „die zum Glück auch die weniger angenehmen Umstände an der neuen Sportstätte akzeptiert.“ Zwei große Teppiche, gestiftet von einem Einrichtungshaus, werden über die nackten Holzplanken gelegt, sorgen dadurch für etwas Komfort. „Letztlich ist der Untergrund aber ziemlich kühl, von einem Schwingboden kann natürlich ohnehin nicht die Rede sein“, so die Echemerin.

Volleyballer sind nach Brietlingen gegangen

Letztlich ist das aber nicht entscheidend – wichtig ist, dass das Angebot erhalten bleibt, und da werden Unannehmlichkeiten in Kauf genommen: „Im Winter bin ich immer sechs Stunden vor Beginn der Stunde gekommen, um die Heizung anzuwerfen“ erzählt Claudia Fischer, „und wenn hier eine Feier stattfindet, fällt unser Sportkursus natürlich aus.“ Grundsätzlich sei der FC Echem aber allen unterstützenden Vereinen unglaublich dankbar für ihre Kooperation: „So hat sich unsere Tischtennisgruppe mit den Artlenburgern zusammengetan“, berichtet Claudia Fischer, „und die Volleyballer sind nach Brietlingen gegangen.“ Mitglieder sind sie auch weiterhin in Echem – und das ist für den Erhalt des Vereins unglaublich wichtig.

Noch essenzieller ist aber der Wiederaufbau der örtlichen Grundschule. Doch das kann dauern: In drei Phasen ist das völlig niedergebrannte Gebäude abgerissen worden – immer unter der Prämisse, zu erhalten, was zu erhalten ist. Das war aber nicht viel. Mittlerweile hat sich der Bautrupp bis auf die Bodenplatte vorgearbeitet, und auch hier will die Versicherung noch deren Zustand überprüfen, die Samtgemeinde nun aber nicht mehr warten.

Rechnungsprüfer wollen, dass Neubau ausgeschrieben wird

Eine Architektin hat bereits erste Pläne erstellt und Varianten gezeichnet. „Über die müsste dann aber noch im Bauausschuss entschieden werden“, sagt Laars Gerstenkorn, Bürgermeister der zuständigen Samtgemeinde Scharnebeck. Doch nicht nur das nimmt Zeit in Anspruch – nun tritt auch noch das Rechnungsprüfungsamt auf den Plan: „Das will offenbar nicht mehr akzeptieren, dass wir uns ein Büro ausgesucht haben, wir sollen das Projekt jetzt öffentlich ausschreiben“, sagt der Verwaltungschef. „Dabei haben wir auch in der Vergangenheit immer darauf geachtet, dass wir verschiedene Architekten beauftragen.“ Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Von Ute Lühr