Dienstag , 25. September 2018
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Anwohner Christian Kleister ist verärgert: Auf der Kreisstraße zwischen Velgen und Bornsen wird gerast - und zwar bis in den Ort hinein. Er plädiert für eine Verkehrsinsel. Foto: ape

„Die absolute Super-GAU-Katastrophe“

Bienenbüttel. „Das ist wirklich lebensgefährlich und bedrohlich.“ Christian Kleister ist noch immer sichtlich aufgewühlt, als die Tür zum Mühlenbachzentrum hint er ihm ins Schloss fällt. Drinnen tagt der Rat der Gemeinde Bienenbüttel, dem er gerade noch seine Sorgen zur Verkehrssituation in Bornsen kundgetan hatte. Vor seinem Elternhaus an der Kreisstraße Richtung Velgen „ballern alle rein in den Ort“. Alle. „Einfach so, ohne nachzudenken“, beklagt er, nicht selten mit 120 Stundenkilometern. „Keiner geht mehr auf den Bürgersteig, weil es schon passiert ist, dass durch den Fahrtwind eines Treckers eine ältere Dame umgefallen ist.“ Sein Vorwurf: „Das Problem wurde immer wieder nach hinten gestellt – aufgrund irgendwelcher Dinge, die hier wohl wichtiger waren.“

Wunsch nach Verkehrsberuhigung

Von Bürgermeister Dr. Merlin Franke wollte er wissen, wann sich in Sachen Verkehrsberuhigung in Bornsen etwas bewegt. „Heute“, antwortet Franke mit Blick auf den nächsten Tagesordnungspunkt: die Anmeldung von Maßnahmen in Bornsen und Varendorf für das Dorferneuerungsprogramm. In beiden Orten besteht seit längerem der Wunsch nach Verkehrsberuhigung. „Um an den Ortseingängen von Bornsen die Geschwindigkeit herauszunehmen, wird der Wunsch nach einer Pflasterung oder die Herstellung so genannter Nasen geäußert“, heißt es dazu in der Vorlage.

Das habe auch die Dorfgemeinschaft als Wunsch formuliert, sagt Franke. Außerdem soll im Kreuzungsbereich des Ortskerns eine veränderte Pflasterung vorgenommen werden, damit die Fahrzeuge langsamer fahren. Kleister hält das für „Quatsch“, plädiert für eine Verkehrsinsel im Ortseingang, um die Raser zu stoppen. „Gibt es eine Verkehrs-Analyse, die aussagekräftig ist, bevor hier bewertet wird, ob überhaupt etwas geschieht“, will er wissen. Franke verneint. Kleister: „Gut, dann sollte man das vielleicht mal tun.“

Bürgermeister verweist auf Vorgaben des Verkehrsrechts

Der Bürgermeister erinnert auch daran, dass sämtliche Maßnahmen genehmigungsfähig sein müssten: „Da sind uns doch enge Korridore vorgegeben nach Verkehrsrecht. Das können wir nicht beeinflussen.“ Die Dorfgemeinschaft in Varendorf wünscht sich Verschwenkungen in den Ortseingängen. Die Straße aus Asphalt soll verjüngt, der neu entstandene Fahrbahnstreifen entsiegelt und der Untergrund mit bienenfreundlichen Gewächsen bepflanzt werden, heißt es von der Verwaltung. Auch die zwei Bushaltebuchten könnten aufgelöst werden, denn: „Die haltenden Busse auf der Fahrbahn sollen ebenfalls zu einer Verkehrsberuhigung beitragen.“ Die Halbschale, auch „Betongosse“ genannt, in der Straße Am Brückenkamp soll ausgepflastert und die Straßenbeleuchtung im Ort erneuert werden.

Die Projekte, die den Vorgaben der Dorferneuerung entsprechen, sollen aus Bornsen und Varendorf als fünfte Priorität zusammengefasst und beantragt werden. Das hat der Rat nun einstimmig beschlossen. Allerdings: Die Entscheidung der Umsetzung fällt erst, wenn konkrete Kostenschätzungen vorliegen und ausreichend Haushaltsmittel zur Verfügung stehen. Der Mindestzuschuss für öffentliche Antragsteller beträgt 10.000 Euro. Der Satz der Gemeinde Bienenbüttel für Vorhaben der Dorfentwicklung beträgt 53 Prozent, sodass insgesamt 18.900 Euro investiert werden müssten, um eine Förderung zu erhalten.

Einwand sorgt für Verwunderung

Da zu befürchten war, dass die Maßnahmen im Ortsteil Bornsen dafür nicht ausreichen, stand eine gemeinsame Beantragung mit Varendorf im Raum. Christopher Tieding hat da jedoch Bedenken: „Selbst wenn dann das Signal kommt, dass der Antrag als ein Antrag Erfolgsaussichten hat, dann besteht aus unserer Sicht die Gefahr, dass wir im Rahmen der Haushaltsberatungen nicht die Gesamtsumme dieser einen Dorferneuerungsmaßnahme aufbringen können“, so der CDU-Mann. „Dann ist es so, dass gar nichts umgesetzt werden darf.“

Der Einwand sorgt für Verwunderung bei Varendorfs Ortsvorsteherin und Grünen-Ratsfrau Renate Niemann. Immerhin gebe es gute Gründe für den gemeinsamen Antrag. Im Sinne der Gerechtigkeit dürfe es auf keinen Fall passieren, dass ein Ort von der Förderung profitiere und der andere nicht. Im Zweifel könne man in beiden Dörfern das Paket abspecken.

Beschluss nach Gesprächen mit Förderern und Planern

Letztlich einigte man sich darauf, die Verwaltung nach einem Gespräch mit Fördermittelgeber und Planern entscheiden zu lassen, ob die Maßnahmen getrennt oder zusammen zum 15. September beantragt werden sollen. Für Christian Kleister viel zu unsicher und viel zu spät. Schon als die Straße von Velgen nach Bornsen zugunsten der Raser vor einigen Jahren erneuert worden sei, hätte man eingreifen müssen. „Vorher war es schon eine Katastrophe, jetzt ist es die absolute Super-GAU-Katastrophe.“

Von Anna Petersen

One comment

  1. Ist leider nicht nur dort so.
    Auch Strecke Melbeck bis Ebstorf fahren die wie die Henker.
    Fahre die Strecke jeden Tag zur Arbeit.
    Großteils fährt viel zu schnell, überholt riskant vor Kurven und Hügeln…sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis des da wieder knallt.
    Da muss man echt Angst haben.