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Meteorologe Reinhard Zakrzweski aus Deutsch Evern. (Foto: Mahler)

Der längste Sommer seit 450 Jahren?

Lüneburg. Wird dies der längste Sommer aller Zeiten? Diese Frage stellt sich beim Blick auf die aktuellen Wetterkarten, die auch in den nächsten zwei Wochen Sommerfeeling und Trockenheit ohne Ende verheißen. Äußerst bemerkenswert: Lüneburg hat mit 29 Sommer- und sechs heißen Tagen (25 bzw. 30 Grad und mehr) sein normales Sommersoll schon jetzt erfüllt.

Schaut man auf die Großwetterlage und die langfristigen Trends der Wettermodelle geht es anscheinend immer so weiter. Im Sinne der Siebenschläferregel wird der Sommer wohl auch im August voll durchziehen. Nach dem schon sehr warmen und trockenen Frühjahr und Frühsommer wäre das die längste Sommerperiode seit mindestens 450 Jahren. Der Grund: Mehr oder weniger konstant hält sich seit Mitte April ein Hochdruckgürtel von Großbritannien über Skandinavien bis ins Baltikum. Tiefdruckgebiete aus Westen müssen entweder in Richtung Island oder Portugal ausweichen.

Und an dieser Konstellation dürfte sich auf absehbare Zeit grundsätzlich kaum etwas ändern. So sieht es für Sonnenanbeter und Urlauber in Norddeutschland bestens aus, für die Natur und Landwirtschaft immer katastrophaler. Dabei drehen die Temperaturen, nach einer kurzen Erfrischung von 21 bis 23 Grad am Mittwoch und Donnerstag, zum Wochenende erneut auf sonnige 27 bis 30 Grad auf. Nach Lage der Dinge bleibt uns das strahlend schöne und knüppeltrockene Hochsommerwetter auch in der kommenden Woche erhalten. Nur in den zumeist frischen Nächten können wir die Tageshitze loswerden.

Der Juni verabschiedete sich als dritter Monat in Folge erheblich zu warm, sehr trocken und durchschnittlich sonnig. Gegen das Dauerhoch über Skandinavien hatten Gewittergüsse bestenfalls punktuell am 8. Juni eine Chance (Privatstation Garlsdorf/Elbe 22 Liter/qm). Erst die verspätet einsetzende Schafskälte brachte eine leichte Linderung der großen Trockenheit. Ausgerechnet zum kalendarischen Sommeranfang (21. Juni) sorgte eine Polarfront für ergiebigen Landregen (Wendisch Evern 12 Liter/qm) sowie für einige feuchtkühle und geradezu herbstliche anmutende Tage mit deutlich unter 20 Grad. Obwohl der enorme Wärmeüberschuss des ersten Monatsdrittels von über fünf Grad im Verlauf erheblich abgebaut wurde, erlebten wird, nach 1992 und 2003 – den Drittwärmsten Juni seit Messbeginn.

Der Juni in Lüneburg/Wendisch Evern im Vergleich zum Klimamittel (1981-2010)

Monatsmittel 18,0°C (Abw. 2,4°C)
Maximum 31,6°C (9. Juni)
Minimum 8,8°C (22. Juni)
Sommertage (Max. mind. 25°C) 12 (normal 7)
Heiße Tage (Max. mind. 30°C) 2 (normal 1)
Niederschlag 25 mm (37% v. Soll)
Sonnenschein 200 Std. (99% v. Soll)

Von Reinhard Zakrzewski

One comment

  1. Andreas Janowitz

    Ab wann wird eigentlich von einer Dürre gesprochen? Bisher ist nur ein fünftel des normalen Niederschlages herrunter gekommen. Auch der Frühling im letzten Jahr war extrem trocken. Ab wann also würde Herr Zakrzewski von einer Dürre schreiben?
    Könnte er auch gleich mit ausführen, das die Klimamodelle eher „konservativ“ gewichtet sind, also eher günstige Entwicklungen veröffentlicht wurden? Soweit mir bekannt entwickelt sich die Klimaanomalie aber weitaus schneller, als aus den Modelvorhersagen erwartet. Die recht grobe Dreiteilung der IPCC Szenarien sollte jedem Leser geläufig sein. Dort treten erste gravierende Effekte erst in 70 Jahren auf und nicht jetzt…