Aktuell
Home | Lokales | Ein fliegender Lebensretter
Ann-Kathrin Nies (v.l.), Kathrin Kramer, Anna Viebahn und Silke Fischer gehören zu den Studentinnen, die jetzt bei der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs „Landlust“ überzeugen konnten. Die Broschüren sind Teil ihrer Prüfungsleistung, die sie im dazugehörigen Seminar ablegen müssen. (Foto: phs)

Ein fliegender Lebensretter

Lüneburg. In Städten dauert es zwischen 7 und 10 Minuten, bis der Notarzt den Unfallort erreicht. In ländlichen Regionen ist der Rettungswagen häufig länger unterwegs. Das ist ein großes Problem: Denn bei einem Herzstillstand ist das sofortige Handeln entscheidend. Es heißt, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute um zehn Prozent sinkt. Abhilfe schaffen soll eine Erste-Hilfe-Drohne, die mit einem integrierten Defibrillator von einer geschulten Kraft zum Ort des Geschehens gesteuert wird und per Funk und Video Anweisungen gibt.

Diese Idee wurde jetzt bei der Preisverleihung des studentischen Ideenwettbewerbs „Landlust“ mit dem 1. Platz versehen. Insgesamt 45 Masterstudenten präsentierten im Behördenzen­trum einer Jury Projekte, die zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums in der Region Lüneburg beitragen sollen. Sie reichen von neuen Lebens- und Wohnkonzepten über gemeinschaftliche Büroflächen bis hin zu Bauernhof-Kindergärten.

Lebensrettende Drohne begeistert

Für Dr. Jens Schmidt war es bereits die 10. Auflage, jährlich bietet er im Sommersemester an der Leuphana das Projektseminar „Innovationsmanagement“ an. Im aktuellen Durchgang konnte er das Amt für regionale Landesentwicklung als Auftraggeber gewinnen. 200 Studenten meldeten sich für den Kurs an, im April fiel der Startschuss. In einer ersten Runde wurden aus 57 eingereichten Projekten elf ausgewählt. „Für die Studenten geht es darum, eine Idee verkaufsfertig zu machen. Die Akteure entscheiden am Ende, was ihnen gefällt“, sagt Schmidt, der im Wintersemester ein Nachfolgeseminar mit einzelnen Kommunen plant, um zu besprechen, welche Vorschläge realisiert werden können. In Frage kommen auch Projekte, die es jetzt nicht in die engere Auswahl geschafft haben. So hat zum Beispiel die Idee eines Rollatorparks mit der Diana-Klinik in Bad Bevensen schon einen potenziellen Inte­ressenten gefunden.

Die achtköpfige Jury, der unter anderem die Landesbeauftragte Monika Scherf, Landrat Manfred Nahrstedt sowie Vertreter aus Uelzen und Harburg angehören, zeigte sich vor allem von der lebensrettenden Drohne begeistert. „Es geht um Menschen im ländlichen Raum, die Idee lässt sich auf alle Landkreise ausweiten“, sagt Scherf. Andere Projekte hätten im Vergleich eher einen sehr lokalen und einmaligen Fokus gesetzt. „Wir werden auch bei der Frage nach Fördermitteln unterstützen, da gibt es durchaus Möglichkeiten, wenn sich ein Träger findet.“

In Holland und Schweden laufen schon die Tests

Bei Anna Viebahn (24) und Kathrin Kramer (27) war die Freude groß. Beide waren aber auch so ehrlich, zuzugeben, dass die Idee eines fliegenden Defibrillators in Holland und Schweden entwickelt wurde. „Dort wird das Projekt jetzt an echten Fällen getestet.“ Die beiden angehenden Wirtschaftsingenieurinnen haben für die Region Lüneburg eine Rechnung angefertigt: So soll es rund 18 000 Euro kosten, eine Drohne zu kaufen und drei Personen entsprechend zu schulen. „Die Wartung ist nicht teuer“, sagt Kramer, die die Anschaffung von 80 Drohnen für sinnvoll hält. „Es gibt 77 Rettungswachen im Lüneburger Raum.“

Mit einem zweiten Platz wurde das Projekt „Landwärts“ ausgezeichnet: Es setzt sich mit typischen Problemen einer ländlich-peripheren Region auseinander, nämlich der Abwanderung in die Stadt und dem Mangel junger Kräfte. Ein dreitägiger Workshop im Landkreis Lüchow-Dannenberg soll junge Unternehmer und Familien zusammenbringen und ihnen das Potenzial des Landlebens vermitteln. Aber auch die Idee mit dem Namen „Zukunft gestalten“ fand viel Anklang bei der Jury, vier Studentinnen aus dem Bereich Personalwesen haben ein Projekt ausgearbeitet, das die Handwerksbetriebe als Arbeitgeber stärken soll. Die Idee ist ein Angebot, das eine handwerkliche Ausbildung und ein Kunststudium verzahnt.

▶ Die einzelnen Projekte sollen zeitnah mit entsprechenden Kontaktangaben auf der Internetseite des Amts für regionale Landesentwicklung veröffentlicht werden.

Von Anna Paarmann