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30 Jahre hat Friedrich Suhr am Johanneum unterrichtet, seit 2012 ist er Direktor. Er ist keiner, der die große Bühne braucht, sein freundlich-besonnener Ton zeichnet ihn aus. Das Leitmotiv am neuen Anbau hat er mit Leben zu füllen versucht. Foto: t&w

Nächstes Ziel: Bretagne

Lüneburg. So ruhig ist es für ihn bei der Arbeit selten. Die rund Tausend Schüler genießen längst ihre Ferien, nur vereinzelt sind Lehrer aus dem 90-köpfigen Kollegium in den Gängen zu sehen. Während draußen Bauarbeiter für die Vergrößerung der Mensa schwitzen, sitzt drinnen Friedrich Suhr im Direktorenzimmer an seinem Schreibtisch, der nicht mehr lange seiner bleiben wird, und bereitet das kommende Schuljahr vor. Es wird ohne ihn stattfinden, der Pädagoge verlässt das Johanneum. Knapp 30 Jahre hat er am ältesten Lüneburger Gymnasium unterrichtet, seit Februar 2012 leitet er es.

Suhr ist 64 Jahre alt, eigentlich könnte er noch eineinhalb Jahre im Schuldienst arbeiten, doch er hat sich für den vorgezogenen Ruhestand entschieden. Sein Entschluss sei in den Herbstferien des vergangenen Jahres gefallen. „Ich habe jetzt 40 Schuljahre voll, außerdem sind etliche Projekte zu einem guten Ende gekommen. Zum Beispiel unser Anbau, durch den wir im jetzt zu Ende gegangenen Schuljahr wieder alle Schüler hier am Hauptstandort unterbringen konnten“, begründet er.

Auch habe er die Hoffnung gehabt, durch seine rechtzeitige Ankündigung einen reibungslosen Übergang hinzubekommen. Eine lange Vakanz, wie vor seinem Dienstantritt, wollte er auch zum Wohle der Schule vermeiden. Allerdings sieht es nicht so aus, also ob ein Nachfolger, den das Kultusministerium aus drei Bewerbern auswählen kann, schon zum Schuljahresbeginn antreten könnte.

Sich stark machen für Schwächere

Der oder die Neue wird in jedem Fall eine wachsende Schule übernehmen, durch die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren wird bald wieder ein Jahrgang zusätzlich an der Theodor-Heuss-Straße untergebracht werden müssen, dafür soll der Anbau in Teilen aufgestockt werden.

Der Anbau ist für den Pädagogen auch ein Musterbeispiel dessen, was für ihn das Johanneum ausmacht. „Alle ziehen an einem Strang: Lehrer, Schüler und Eltern. Und gemeinsam haben wir gerade beim Anbau viel bewirkt, wo alle miteinander geplant haben. Das hat mir viel Freude bereitet.“ Darüber hinaus habe er stets das Leitmotiv der Schule „DOCTRINAE VIRTUTI HUMANITATI“ mit Leben zu füllen versucht. Übersetzt heißt es etwa: Das Johanneum diene der Lehre, der Tugend und der Menschlichkeit. „Schule darf in meiner Vorstellung nicht nur gute inhaltliche Bildung allein sein. Wir bereiten die Schüler auch vor, sich für andere einzusetzen, für Schwächere stark zu machen. Das Mitmenschliche darf nie verloren gehen.“

Ein gutes Beispiel dafür ist für ihn, dass seine Schule die meisten Geflüchteten unter den Lüneburger Gymnasien aufgenommen hat, etwa 30 seien es. „Der erste macht nächstes Jahr Abitur, das hätte ich anfangs nicht für möglich gehalten. Aber diese Entwicklung zu sehen und zu erleben, wie dankbar diese Schüler auch sind, das ist zutiefst befriedigend.“

Gute Jungforscher und tolle Musiker

Wenn Suhr davon erzählen soll, was seine Schule, die er 1979 als Referendar kennenlernte und an der er – unterbrochen nur von einem neunjährigen Intermezzo am Gymnasium Oedeme – seither Mathematik, Chemie und Informatik unterrichtete, ausmacht, nennt er auch die vielen erfolgreichen Teilnahmen am Wettbewerb „Jugend forscht“, die Möglichkeit, Latein schon ab Klasse 5 oder auch Altgriechisch zu lernen. „Und wir haben tolle Musiker, bei unseren Sommerkonzerten stehen 90 Akteure auf der Bühne, das sind fantastische Abende.“

Fantastische Abende will er künftig auch woanders erleben: Auf Reisen in die Bretagne mit seiner Frau, die passenderweise als Lehrerin am Gymnasium Oedeme jetzt ebenfalls in den Ruhestand geht, mit den inzwischen drei Enkelkindern, mit Freunden, mit einem guten Krimi. Genug Arbeit dürfte es aber weiter geben: „Wir haben Haus und Garten, da sind einige Stellen zu kurz gekommen. Und ich habe immer auch an Schulbüchern für Mathematik mitgeschrieben, das will ich auch noch weiterhin tun.“

von Alexander Hempelmann