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Bei der Stellprobe der Feuerwehr wurde es deutlich: Für das Ausfahren der Stützen für die Drehleiter würde der Platz im Brandfall nicht ausreichen, die Parkplätze müssen weichen. (Foto: t&w)

Linden ja, Parkplätze nein

Lüneburg. Die Bäume in der Salzstraße Am Wasser können stehenbleiben. Das ist die Hauptbotschaft, die Oberbürgermeister Ulrich Mädge jetzt nach einer Stellprobe der Lüneburger Feuerwehr im Wasserviertel aussendete. Anlass für die morgendliche Aktion war die Sorge von Anwohnern vor einer Fällung einzelner Linden im Zuge der geplanten Sanierung der Straße. Dazu wird es nun nicht kommen, vorerst jedenfalls.


„Wir müssen schauen, ob die Bäume nach dem Beschnitt noch ausreichend Standfestigkeit haben“, sagte Mädge nach dem Test mit einer Drehleiter der Feuerwehr. Dabei sollte sich zeigen, ob im Brandfall ausreichend Platz für das Befahren, Aufstellen und Abstützen des breiten Fahrzeugs vorhanden ist. Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft, der die Aktion begleitete, gab zwar grünes Licht für den Erhalt der Bäume, machte aber auch deutlich, dass an drei der insgesamt sieben Bäume weit in die Straße hineinragende Äste entfernt werden müssen. „Ansonsten bekommen wir Probleme beim Ausfahren der Leiter“, sagte er.

Mädge hatte die Stellprobe angeordnet, nachdem es Kritik von Anwohnern an Überlegungen der Verwaltung zur Fällung zweier Linden gegeben hatte. Hintergrund ist die geplante Sanierung der Salzstraße in Verbindung mit Arbeiten zur Erneuerung der Kanalisation in der Baumstraße. Dabei soll die Straße möglichst barrierefrei und für Radfahrer besser befahrbar werden. Nachdem die beiden Linden in der Baumfällliste der Stadt aufgetaucht waren, machten Anwohner sich mit einer Plakataktion und einer Unterschriftenliste für den Erhalt der Bäume stark und forderten stattdessen die Abschaffung des vorhandenen Parkstreifens (LZ berichtete).

Parkstreifen entfällt zum 1. August

Dem will sich auch die Stadt anschließen, wie Mädge am Mittwoch wiederholte: „Der Parkstreifen kommt weg, und zwar zum 1. August.“ Dann soll es dort ein absolutes Halteverbot geben. Der damit gewonnene Platz für die Feuerwehr wird aber ohne den Beschnitt einzelner Bäume nicht ausreichen, wie Diesterhöft am Morgen durch das Ausfahren der Drehleiter veranschaulichen ließ. Mädge sagte: „Wir versuchen, die Bäume zu erhalten. Aber der Brandschutz und die Rettung von Menschenleben hat Vorrang.“

Oberbürgermeister Ulrich Mädge (l.), Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft (2.v.r.) und Uta Hesebeck erläutern Anwohner Wilfried Baur das Vorgehen. (Foto: t&w)
Das sieht auch Anwohner Claus Carsten so. Der Initiator der Plakat- und Unterschriftenaktion zeigte sich dennoch skeptisch: „Warum haben wir die Stellprobe nicht nach dem 1. August gemacht, wenn die Autos weg sind? Dann könnten die Äste ja vielleicht dranbleiben?“ Doch das fruchtete weder beim Oberbürgermeister noch beim Stadtbrandmeister. Auch bei einem absoluten Halteverbot seien geparkte Autos nicht auszuschließen. „Die Feuerwehr muss aber im Brandfall schnell agieren und kann nicht lange hin- und herjonglieren“, sagte Mädge.
Positiv gestimmt war Anwohner Wilfried Baur nach der Aktion: „Ich finde es gut, dass hier alle zusammengekommen, nichts am grünen Tisch entschieden wurde und Kompromisse gefunden wurden.“

Die eigentlich für diesen Sommer geplanten Bauarbeiten in der Salzstraße Am Wasser und der Baumstraße werden nun wohl erst im kommenden Frühjahr starten. Die Verzögerung begründete Uta Hesebeck, Leiterin des städtischen Straßen- und Ingenieurbaus, mit laufenden Abstimmungen mit der Denkmalschutzbehörde. Denn das geschützte Kopfsteinpflaster der Straße soll zwar nach den Bauarbeiten wieder hergestellt werden, die Stadt möchte aber zwei Radlerfurten mit abgesägten Steinen anlegen.

Von Ulf Stüwe

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4 Kommentare

  1. Irgendwie ist es schon erschreckend, dass die Feuerwehr hier eher durch Zufall herausfindet, dass im Ernstfall nicht genügend Platz für ihren Drehleiterwagen ist. Kann man nicht einmal auf allen Straßen prüfen lassen, ob der Platz reicht? Und zur Durchsetzung von absoluten Halteverboten dürfen auch gerne Leute vom Ordnungsamt täglich durch die gefährdeten Staßen gehen und falsch parkenden Autofahrern Knöllchen verteilen.

  2. Zitat: „das geschützte Kopfsteinpflaster der Straße soll … nach den Bauarbeiten wieder hergestellt werden…“
    Wie? Exakt genau so holprig wie jetzt? Kannste dir gar nicht ausdenken.

    Und weiter: „…die Stadt möchte aber zwei Radlerfurten mit abgesägten Steinen anlegen.“
    Ja ne schon klar. Der neue rAdel ist wichtig.

    Wie wäre es mal mit dem Konzept der fussgängerfreundlichen Stadt, ohne knöchelbrechende Geröllhalden?

  3. radfahren und denkmalschutz passt wohl doch nicht so richtig zusammen, oder? kopfsteinpflaster sind bei denkmalschützer sehr beliebt.

  4. kopfsteinpflaster entschleunigt den verkehr. selbst rollatoren sind langsamer unterwegs. so hat der verkehr mehr zeit sich auf alte menschen einzustellen und die werden immer mehr.wo ist da also das problem? mountainbikes kommen locker mit kopfsteinpflaster klar. lastenfahrräder mit stoßdämpfer auch. schmunzel.