Donnerstag , 20. September 2018
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Jürgen Hempel versucht, das Zackenmuster wieder vom Asphalt zu schrubben. Foto: ca

Jürgen Hempel ist nicht auf Linie

Lüneburg. Für Jürgen Hempel ist es Nachbarschaftshilfe, für die Stadt schlicht nicht zulässig – und am Ende ein Problem, das es an vielen Stellen gibt. Hempel w ohnt an der Gerhart-Hauptmann-Straße im Moorfeld. Der Anwohner von gegenüber hat Probleme, auf beziehungsweise von seinem Grundstück zu kommen, wenn vis-à-vis der Einfahrt geparkt wird.

„Das passiert regelmäßig“, sagt Hempel. Zwei, manchmal drei Autos stehen da: „Der Nachbar muss dann ordentlich kurbeln, um wegfahren zu können.“ Hempel, vielen lange bekannt als fleißiger und meinungsstarker Leserbriefschreiber, wollte alles lösen. „Mit Brettern und Sprühfarbe“ markierte er über einen guten Meter eine Zickzack-Linie. Ein privates Parkverbot. Doch wie das so ist im Leben: Es passte nicht allen. Es gab eine Meldung im Rathaus, das Ordnungsamt reagierte quasi mit der Order „Radiergummi“ – Hempel möge seine ordnungspolitische Maßnahme entfernen.

„Es kann sich nicht jeder seine Verkehrszeichen malen“

Er und seine Frau Gudrun betonen: „Wir haben selbst nichts von der Aktion.“ Für sich und ihre Mieter hätten sie ausreichend Stellplätze auf eigenem Grund und Boden. „Uns ging es um ein freundliches Miteinander“, sagt Gudrun Hempel. Nachbarschaftshilfe. Es sei ein wachsendes Problem: Da inzwischen auch in der Dichtersiedlung in zweiter Reihe gebaut werde, kämen mehr Autos ins Viertel, nicht nur von den Bewohnern, auch von Gästen. Das führe dann zu Verstopfungen. Die Rezeptur des Hempelschen Zackenmusters hatte Erfolg, er sagt: „Die Straße war da frei, der Nachbar kam auf sein Grundstück.“

Trotzdem: Im Rathaus reagiert man irritiert. „Es kann sich natürlich nicht jeder seine eigenen Verkehrszeichen und -hinweise vor der Haustür auf die Straße malen, auch wenn er vermeintlich gute Gründe dafür hat“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck. Die Gesetzeslage sei da eindeutig.

Kopf ist gefragt und die Muskeln

Die Enge, die der Anwohner kritisiere, sei nach einem Blick in die Straßenverkehrsordnung nicht zu erkennen. Dort ist unter dem Stichwort „schmale Fahrbahnen“ auch das Halten und Parken gegenüber und vor Ausfahren geregelt. Suzanne Moenck erklärt es so: „Schmal bedeutet demnach, dass nur drei Meter Platz oder weniger bleiben. Die Gerhart-Hauptmann-Straße hat an dieser Stelle eine Breite von 5,10 Metern, außerdem einen Gehweg. Das heißt, auch wenn ein Fahrzeug gegenüber der Zufahrt parkt, blieben noch drei Meter oder mehr Platz.“

Reiche das nicht für ein Auto mit Anhänger, sei der Kopf gefragt und die Muskeln: „Gegebenenfalls muss man den Anhänger an- und abkoppeln und auf den Platz bringen, wo er stehen soll“, schlägt die Sprecherin vor. „Vielleicht hilft auch ein Schild mit der Vorgabe ‚Einfahrt bitte freihalten, auch gegenüber‘“.

Später soll ein Brenner folgen

Die Methode frei nach dem Charles-Bronson-Klassiker „Das Gesetz bin ich“ will die Verwaltung nicht hinnehmen. Suzanne Moenck: „Wir haben das Ehepaar Hempel aufgefordert, die Markierung kurzfristig zu entfernen und werden im Blick behalten, ob das auch passiert.“ Ansonsten komme ein Aufräumkommando und sorgt für das Verschwinden des Farbspiels auf dem Asphalt. Die Rechnung ginge an den Veruracher.

Jürgen Hempel erkennt die Macht des Gesetzes an. Mit Wasser und Schrubber rückte er den Linien jetzt zu Leibe, später soll wohl ein Brenner folgen: „Aber vorsichtig, damit der Asphalt nicht beschädigt wird.

Von Carlo Eggeling