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Das gleiche Modell hätte Michael Bähr als Diesel kaufen können, sogar mit einem Jahr weniger auf der Uhr. Doch er entschied sich stattdessen für den Erdgas-Opel. Jetzt kann er den in Lüneburg nicht mehr auftanken. Foto: t&w

Tanken ist wieder möglich

UPDATE 11. Juli, 15.30 Uhr:

++++++++ Lüneburgs einzige Erdgas-Tankstelle ist wieder im Betrieb +++++++++

Lüneburg. Vor zweieinhalb Jahren hatte sich Michael Bähr gegen ein Dieselfahrzeug entschieden und eines gekauft, das mit Erdgas angetrieben wird. Bereut hat er das schon so manches Mal. Vor allem zurzeit. Denn die einzige Erdgas-Tankstelle in Stadt und Landkreis Lüneburg ist defekt. „Mal wieder“, schimpft der 63-Jährige, der nun nach Winsen fahren müsste, um aufzutanken. Und das sieht er nicht ein. „Vor 14 Tagen war die Tanksäule Auf den Blöcken schon mal außer Betrieb, jetzt sagte man mir, dass es bis zu drei Monate dauern kann.“ Nicht nur aufgrund der regelmäßigen Ausfälle hält es Bähr für sinnvoll, die Erdgas-Versorgung in der Region zu überdenken. „Das ist ja für die Umwelt nun wirklich nicht das Schlechteste.“ Eine zweite Tankstelle aber ist in Lüneburg nicht in Sicht, vermutlich auch, weil zu wenige auf den Antrieb setzen.

Mit der Meinung ist er nicht allein, auch Petra Kruse-Runge zählt zu den Besitzern eines Erdgas-Autos. „Ich hatte das Auto vor sieben Jahren gekauft in der Erwartung, dass es mit den erneuerbaren Energien endlich Fahrt aufnehmen würde – denkste!“ Die Kreissprecherin der Grünen weist darauf hin, dass es in Dannenberg schon lange eine Biogas-Tankstelle gibt. Die sei bei ihren Besuchen noch nie kaputt gewesen. „Bei uns Fehlanzeige, dabei gibt es genug Biogas-Anlagen.“

Immer wieder Probleme mit der Zapfsäule

Die defekte Säule steht auf dem Gelände der Star-Tankstelle, betrieben wird sie jedoch von der Firma PitPoint, der deutschlandweit 27 Erdgas-Tanksäulen gehören. Ein integrierter Störungsmelder informiert das Unternehmen, wenn ein Defekt vorliegt. Dass das nicht selten vorkommt, bestätigt auch eine Mitarbeiterin der Tankstelle. „Wir haben regelmäßig Probleme damit“, sagt sie. Doch ihr seien die Hände gebunden – nichts anderes könne sie genervten Kunden mitteilen, die sich bei ihr nach der defekten Säule erkundigen.

Bei PitPoint bestätigt Iman Gähwiler, dass es sich beim aktuellen Problem um ein langfristiges handeln könnte. Ein Defekt an einem Kompressor sei ursächlich dafür. Die Dauer der Behebung hänge „sehr stark davon ab, wie schnell die Komponenten geliefert werden können“, sagt er. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das Problem schnellstmöglich zu beheben.“ Als Zwischenlösung müsse die Station in Winsen dienen. Auch diese wird von dem Unternehmen betrieben.

Die nächsten Wochen werden ins Geld gehen

Michael Bähr hat in den zweieinhalb Jahren, in denen er den erdgasbetriebenen Opel Zafira fährt, zehn Ausfälle gezählt. „Das ist echt ein Witz“, sagt er. Der Rentner ist regelmäßig mit seiner Frau bei den Schwiegereltern im Osten Deutschlands, „dort gibt es an jeder Ecke eine Erdgas-Tankstelle, und es ist deutlich günstiger“. In Lüneburg zahle er mittlerweile 1,22 Euro pro Kilo, sogar in Ostfriesland habe der Preis zuletzt zehn Cent darunter gelegen.

200 bis 350 Kilometer schafft Bähr mit einer Tankfüllung, je nach Fahrweise. Dann kann er manuell umschalten und auf den 10-Liter-Benzintank zurückgreifen. „Das werde ich jetzt erstmal machen müssen, solange die Tanksäule hier defekt ist.“ Doch das dürfte ins Geld gehen: „Ich fahre meist Kurzstrecke, da liegt der Verbrauch bei zwölf Litern.“ Ein Bekannter, der ihn zum Fahren mit Erdgas animiert hatte, habe sich aufgrund der Versorgungsprobleme in Lüneburg bereits entschieden, demnächst umzusteigen. Bähr hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass vielleicht doch wenigstens eine zweite Zapfsäule kommt.

Von Anna Paarmann

Das sagt der Landkreis

Sauber, aber eben kein nachwachsender Rohstoff

In der Erdgas-Technologie sieht der Landkreis Lüneburg keine Zukunft, Fahrzeuge und Tankstellen sind sowohl im Mobilitätskonzept als auch im regionalen Raumordnungsprogramm nicht vorgesehen. „Das liegt daran, dass Erdgasfahrzeuge einen Verbrennungsmotor haben, der mit fossilen Brennstoffen angetrieben wird“, begründet Pressesprecherin Kathrin Holzmann. „Erdgas ist wie Erdöl kein nachwachsender Rohstoff.“ Demnach dürften diese Antriebsarten künftig hauptsächlich durch Elektromobilität ersetzt werden.

Als saubere Alternative werden Erdgas-Fahrzeuge aber immer noch angesehen. Das liegt an dem Rohstoff CNG, Compresses Natural Gas. Die Emissionen enthalten bis zu 25 Prozent weniger Kohlendioxid und fast 96 Prozent weniger Stickoxide als Dieselabgase. Außerdem gilt der Treibstoff Erdgas an sich als effizienter, die alte und simple Technologie dahinter soll bis zu 40 Prozent günstiger sein als Diesel oder Benzin.

141

Erdgas-Fahrzeuge sind im Landkreis Lüneburg gemeldet (insgesamt: 143 732). Dazu kommen 925 Autos, die über einen bivalenten Antrieb verfügen, also entweder mit Benzin, Flüssiggas oder komprimiertem Erdgas funktionieren.

8 Kommentare

  1. Was für ein pauschaler Unsinn! CNG gibt es sehr wohl zunehmend als nachwachsenden Rohstoff (Biogas … und Elektromobilität ist unter dem Strich nicht sauberer als das Fahren mit CNG. Wie wird der Strom denn erzeugt? Bis wir alle mit Ökostrom fahren können, wird es noch Jahrzehnte brauchen. Bei Biogas vielleicht auch, aber dafür ist das fossile Erdgas schon heute sauberer als Benzin, Diesel oder Elektro.

    • Kann da Eduardo nur zustimmen… Dass Landesbeamte so dem Elektro-Hype erlegen sind ist schwer zu verstehen. Ein Verbrennungsmotor ist per se nicht schlecht. Ist es denn besser, Kobalt unter fragwürdigen Bedingungen zu gewinnen? Welches Elektroauto fährt schon mit Ökostrom? Wenn dann nur mit bilanziellem Ökostrom, also wird einfach der Ökoanteil bei den restlichen Kunden geringer. Ob das zielführend ist? Ein Normalverdiener kann sich vielleicht den Aufpreis zum CNG-Fahrzeug leisten (2000-3000€) die +10.000€ und mehr die ein Elektroauto mehr kostet sind nur für Geschäftsleute interessant -höhere Abschreibung, weniger Steuern für den Staat, doppelt weniger Einnahmen, da Mineralölsteuer auch nicht anfällt…

  2. Die verehrte Frau Pressesprecherin ist offenbar nur unzureichend informiert: „„Erdgas ist wie Erdöl kein nachwachsender Rohstoff.““ Nein, Erdgas nicht, aber Erdgas ist hauptsächlich Methan. Und Methan kann man aus überschüssigem Strom herstellen, der sonst einfach nur ungenutzt bliebe. Ob der Strom dann aus Windkraft, Solarenergie oder Wasserkraft erzeugt wird oder aus sonstigen Stromüberschüssen, ist völlig egal: Er kann endlich nach Umwandlung in Methan im Erdgasnetz gespeichert werden, Verteilung inclusive, da muss man auch keine teuren Stromtrassen planen. Das Erdgasnetz ist ein riesiger Energiespeicher, da passt noch einiges hinein. Und aus Biogasanlagen kann man nach etwas Nachbehandlung eben auch direkt ins Netz einspeichern, siehe das bereits erwähnte Dannenberg. In Jameln war es zuvor ebenso. (Gruß an Herrn Seide!)
    Und vor allem: Erdgasfahrzeuge sind in wenigen Minuten betankt, versuchen Sie das mal mit einem Elektrokarren. Da müssten die Versorgungsleitungen schon armdick sein, damit das klappen kann, an der Spannung kann man ja kaum was ändern (Höhere Spannung=kürzere Ladezeit, salopp gesprochen).

  3. Gerd Kettmann

    Ich sehe es ähnlich wie die Kommentatoren vor mir. Bis Elektromobilität wirklich im Alltag ankommt wird noch einige Zeit vergehen. Außerdem ist die Erdgasgewinnung aus Ökostrom als Zwischenspeicher bereits erprobt und wird eingesetzt.
    Wie so oft gibt es immer einen Mix aus Möglichkeiten und mit Erdgas betriebene Fahrzeuge sind deutlich ökologischer als Diesel- oder Benzinfahrzeuge. Das ist hinreichend untersucht und nachgewiesen.
    Natürlich ist ein Elektrofahrzeug eine tolle Sache. Aber bei Kilometerleistungen von bis zu 400km am Tag ist ein solches bisher nur als sehr teures Fahrzeug verfügbar und unterm Strich bislang auch nicht günstiger.
    Daher werde ich weiterhin auf Erdgas setzen weil ich damit bislang im mehrfachen Sinne sehr gut gefahren bin. Ich hoffe, dass diese Art von Mobilität, solange es bei Elektrofahrzeugen keine entsprechende Alternative gibt, noch entsprechend unterstützt wird.

  4. Leider bin ich mit meinem Erdgas-Fahrzeug ebenfalls betroffen. Warum schafft es der Landkreis Lüchow Dannenberg diverse Erdgastankstellen vorzuhalten und der Landkreis Lüneburg hat nur diese eine Einzige.
    Bestätigen kann ich ebenfalls die sehr häufig defekte Erdgas-Zapfstelle in Lüneburg.
    Zum Schluss habe ich vorher schon immer angerufen, ob denn ein Tanken derzeit überhaupt möglich war.
    Ich frage mich, welche Lobby wohl dahinter steckt, ein Fahrzeug mit Erdgas-Antrieb auf den Seitenstreifen zu verbannen und E-Mobilität so in den Vordergrund zu stellen.
    Ich stelle mir gerade bildhaft vor in Hamburg hängen aus diversen Fenstern Verlängerungskabel um die Elektroautos zu betanken und Kinderwagen, Rollatoren, Fussgänger ect. fahren darüber. Eine überhaupt nicht ausgereifte Technik, zudem extrem ( das mag sich ja irgendwann ändern) umweltbelastend in der Herstellung und Entsorgung der Akkus.
    Geht uns erst ein Licht auf, wie bei der Energiesparlampe, wenn wir vor dem Großen Problem der Entsorgung stehen?
    Wasserstoff braucht noch seine Zeit aber ein Elektrofahrzeug ist für mich überhaupt keine umweltfreundliche Alternative.

    • Zitat: „Warum schafft es der Landkreis Lüchow Dannenberg diverse Erdgastankstellen vorzuhalten und der Landkreis Lüneburg hat nur diese eine Einzige.“
      Die Antwort könnte lauten, Nachfrage und (dem entsprechend) Angebot.

      Wobei ich denke es muss „im Landkreis“ und nicht „der Landkreis“ heissen. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass der Landkreis Tankstellen, für was auch immer. betreibt. Das sind sicherlich eigenständige Unternehmer, und dann sind wir wieder schnell bei Nachfrage und Angebot.

      Und es finden sich wahrscheinlich nicht genügend Unternehmer in Lüneburg (Stadt&Kreis), die im Glauben sind ihr eingesetztes Geld (für eine Tankstelle) wieder herein zu bekommen.

      Ich gebe ihnen Recht mit der Hype um E-Fahrzeuge – aber wahrscheinlich aus anderen Gründe als sie sie haben.
      Wahrscheinlich werden künftige Generationen in Bezug auf E-Fahrzeuge sagen „man, die müssen besoffen gewesen sein“, so wie die heutige Generation sagt „man, ist das bescheuert Benzin in einem Verbrennungsmotor zu vergeuden“.
      Spätere Generationen werden vermutlich sagen „Individualverkehr, was für eine Schnapsidee“, aber das ist ein anderes Thema.

  5. Schade, wie ignorant und schlecht informiert hier der Landkreis informiert. Gerade in Niedersachsen sind ja ausreichend Biogasanlagen verfügbar und auch die Windgas-Erzeugung ist ja bereits angelaufen. Ehe das ganze Land mit immer neuen Stromtrassen verschandelt wird sollten sich mal alle Verantwortlichen diese Technik mal genauer anschauen. Damit kann der Windstrom von der Küste ganz einfach ins deutsche Gasnetz eingespeist werden, das sind genau die Speichermedien, die der überschüssige Windstrom so braucht…
    Aber leider sind die Verantwortlichen immer noch nicht bereit, sich vernünftig zu informieren und springen einfach auf den E-Auto-Hype auf.

    • Das sehe ich genauso. Bei uns in Lippstadt in Westfalen ist man schon einen Schritt weiter: Die Stadt hat jetzt auch die Vorteile erkannt und bestellt das erste CNG-betriebene Nutzfahrzeug. Ich hoffe, dass Lüneburg bald nachziehen wird 😉