Donnerstag , 20. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Elbe ist weiter auf dem Rückzug
Das Niedrigwasser der Elbe bei Bleckede könnte auch der Fähre „Amt Neuhaus“ Probleme bereiten. Foto: phs

Elbe ist weiter auf dem Rückzug

Lüneburg/Bleckede. Freud und Leid liegen eng beieinander: Für Sonnenanbeter legt das zurückweichende Wasser ansehnliche, kleine Sandstrände entlang der Elbe fre i. Dafür bekommt nicht nur die Schifffahrt Probleme. Ungewöhnlich früh im Jahr herrscht an der Elbe und ihren Nebenflüssen derzeit teilweise extremes Niedrigwasser. Die Binnenschifffahrt nutzt früher als üblich den Bypass über den Elbe-Seitenkanal. Derweil sind die Wasserstände derart tief abgesunken, dass es sogar zu Einschränkungen beim Fährbetrieb im Landkreis Lüneburg kommt.

Wochenlange Trockenheit zeigt Wirkung

„Eigentlich erwarten wir Niedrigwasser eher später im Jahr“, sagt Carsten Lippe vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Im August und September. Doch die wochenlange Trockenheit zeigt Wirkung: Am Donnerstag registrierte das Lauenburger Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in der Elbe bei Neu Darchau einen Abfluss von lediglich 220 Kubikmetern pro Sekunde. Zum Vergleich: Bei normalem Wasserstand flossen dort im Schnitt der letzten zehn Jahre 674 Kubikmeter pro Sekunde durch das Flussbett.

In Neu Darchau lag der Elbe-Pegel am Donnerstag zwischenzeitlich bei nur 97 Zentimetern, soll nächste Woche nach den aktuellen Prognosen auf gerade mal 80 Zentimeter sinken. Das entspräche einem Abfluss von nur noch 191 Kubikmetern pro Sekunde. Der historisch niedrigste Wert wurde mit 128 Kubikmetern am 1. September 1904 gemessen, der niedrigste Pegelstand lag bei 67 Zentimetern, gemessen am 2. Oktober 1947.

Seit Mittwoch werden keine Lkw mehr mitgenommen

Die Fährbetreiber im Kreis Lüneburg bringt das Niedrigwasser schon jetzt in die Bredouille. Der Neu Darchauer Fährmann Andreas Kampka sagt: „Wir nehmen seit Mittwoch schon keine Lkw mehr mit.“ Beladen habe die Fähre „Tanja“ einen Tiefgang von 1,35 Meter. Die Fahrrinne hatte am Donnerstag aber nur noch eine Tiefe von 1,40 Meter. „Wenn die Pegelstände in den nächsten Tagen weiter fallen“, sagt Kampka, „dann war‘s das erstmal.“ Noch nicht ganz so kritisch sieht es beim Fährbetrieb „Amt Neuhaus“ zwischen Bleckede und Neu Bleckede aus. Fährmann Mario Vogt sagt zum Niedrigwasser und der aktuellen Situation: „Zum Blumengießen und für die Fähre reicht es noch.“ Betriebsleiter Jörg Wilhelm ergänzt: „In den nächsten Tagen müssen wir mal gucken, ob wir noch vollbeladenen Schwerverkehr mitnehmen können.“ Sollten die Landwirte mit ihrer Wintergerste ankommen, müsse man gegebenenfalls „nach Kompromissen suchen“. Die Fähre „Amt Neuhaus“ hat einen Tiefgang von 60 Zentimetern, vollbeladen seien es 80 Zentimeter. Gemessen am Pegelstand sei da trotz niedrigen Niveaus dort noch eine Menge Wasser unterm Kiel, erklärt Wilhelm. Allerdings könnten durch das Niedrigwasser Sandbänke früher zu einem Hindernis werden.

Auswirkung auf die übrige Schifffahrt

Auswirkungen hat das Niedrigwasser zudem auf die übrige Schifffahrt. Tilmann Treber, kommissarischer Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg, sagt: „Wir haben für den Elbe-Bereich oberhalb der Einmündung zum Elbe-Seitenkanal starke Einschränkungen der Fahrrinnentiefen. Da liegen wir teilweise auf einigen Streckenabschnitten schon bei unter einem Meter.“ Das behindere die gewerbliche Schifffahrt. Das sei allerdings ein Ereignis, das in den Sommermonaten alle paar Jahre mal vorkommen kann. Besondere Bedeutung für die Binnenschifffahrt hat vor allem dann der Elbe-Seitenkanal. Er hält das gesamte Jahr einen stabilen Wasserstand vor – und ist damit immer schiffbar.

Von Dennis Thomas

Flora und Fauna

An der Ilmenau

Mit den beiden Quellflüssen Stederau und Gerdau sind in der Ilmenau bei der gegenwärtigen Wetterlage derzeit keine gravierenden Probleme für die Tier- und Pflanzenwelt zu erwarten, sagt Carsten Lippe vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Bei einer Wassertiefe auch bei den jetzigen niedrigen Wasserständen von immer noch größer 0,5 Meter werden die Witterungseinflüsse weitgehend abgepuffert. Dort würden die Gewässer noch ausreichend von Grundwasser gespeist. Deshalb seien „bisher Probleme im Hinblick auf Sauerstoffmangel und überhöhter Wassertemperaturen nicht aufgetreten“, erklärt der ­NLWKN-Sprecher.

One comment

  1. Andreas Janowitz

    Sehr guter Beitrag auch in der Printausgabe mit einem Interview von Herrn Lühr (?), allerdings hätte ich mir dazu Beispiele gewünscht. Etwa den Wolkenbruch an Himmelfahrt und wie einzelne Gewitterzellen als Extremereignis häufiger werden, was lokal zu Überflutungen führt obwohl es wenig weiter kaum oder gar nicht regnet.
    Dementsprechend hätte ich mir eine präzisere Antwort als “ Das sei allerdings ein Ereignis, das in den Sommermonaten alle paar Jahre mal vorkommen kann.“ gewünscht. Ja wie oft denn? Etwa: In den letzten X Jahren ist es Y mal vorgekommen. So ist es irgendwie schon normal, ist es ja auch … irgendwie. Nur die Staffelung häuft sich. Die Intervalle werden kürzer.