Donnerstag , 15. November 2018
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Spieß Andreas Schlicht (l.) und Hauptmann Martin Kayenburg vor der angetretenen Kompanie. Foto: phs

Auf dem Weg zum Offizier

Lüneburg. „Mehr Soldaten“ hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der Bundeswehr versprochen: In Lüneburg wird die angekündigte Trendwende beim P ersonal jetzt sichtbar: 157 Offizieranwärter (OA) haben Anfang der Woche in der 4. Kompanie des Offizieranwärter-Bataillon 1 ihren Dienst angetreten. Stationiert ist das Bataillon zwar in Munster. Dass die 4. Kompanie aber nicht am Sitz des Stabes, sondern in Lüneburg in der Theodor-Körner-Kaserne aufgestellt wurde, ist dem Platzmangel in Munster geschuldet. 2,5 Millionen Euro hat der Bund deshalb in die Komplettsanierung von zwei Unterkunftsgebäuden der Lüneburger Kaserne investiert, die am Donnerstag mit einem Appell offiziell an die Kompanie übergeben wurden.

Genau genommen zu spät: Denn die Ausbildung soll bald nicht mehr in den OA-Bataillonen stattfinden, sondern wieder dezentralisiert werden und näher an den späteren Einsatzorten der Soldaten stattfinden. Allerdings greift die Neuerung erst ab 2020, und Hauptmann Martin Kayenburg, Chef der 4. Kompanie sagt: „Die Ausbildungseinrichtungen werden dann auch nicht aufgelöst, sondern bekommen neue Aufgaben.“

Forderndes Programm für die Offizieranwärter

Untergebracht sind die 157 Offizieranwärter – 135 Männer und 22 Frauen – in Zwei-, beziehungsweise Vierbettstuben. Alle mit „Flat-Screen-TV“ mit Wandhalterung, Stehlampe mit Leseleuchte und Kühlschrank. Auf einen gewissen Komfort müssen die Soldaten also nicht verzichten. Lüneburgs Bürgermeister Eduard Kolle (SPD) jedenfalls zeigte sich beeindruckt von den frisch sanierten Unterkünften. Der ehemalige Berufssoldat war 1965 nach Lüneburg gekommen – und musste noch mit einer Sechs-Mann-Stube Vorlieb nehmen.

Die 4. Kompanie des OA-Bataillons ist für die jungen Soldaten die erste Station auf ihrem Weg zum Offizier. In sechs Monaten erhalten sie hier ihr erstes militärisches Rüstzeug. Danach folgen jeweils dreimonatige Lehrgänge an der Offizierschule des Heeres (OSH) in Dresden, der Sprachen-Lehrgang und schließlich das Truppen-Praktikum. Anschließend steht das Studium an einer der beiden Bundeswehr-Hochschulen in Hamburg oder München an.

Polizeibeamter oder Offizier

Ein forderndes Programm. Doch das schreckt weder Marvin Regenthal (25), noch Aylin Erol (18) oder den Stabsgefreiten (OA) Haidar El Azem (24). Die drei sind Offizieranwärter und haben sich nach eigenem Bekunden ganz bewusst für eine Karriere bei der Bundeswehr entschieden. „Mein Vater war lange Jahre beim Militär“, sagt Aylin Erol. Das hat offenbar auf den Berufswunsch der 18-Jährigen abgefärbt. „Ich bin froh, das es nun auch geklappt hat“, sagt sie stolz.

Polizeibeamter oder Offizier: Das waren die beiden Optionen, zwischen denen sich Marvin Regenthal entscheiden musste. Die Wahl zugunsten der Bundeswehr sei ihm aber nicht schwergefallen, sagt er. „Hier komme ich schnell in die Verantwortung für Mensch und Material.“ Und genau das sei es, was ihn an seinem neuen Beruf reize.

Militärisches Rüstzeug und körperliche Fitness

Dass die Bundeswehr und der Beruf des Offiziers in Teilen der Gesellschaft durchaus kritisch gesehen wird, weiß Regenthal. „Leider werden nur die Probleme der Bundeswehr in der Öffentlichkeit thematisiert, selten das, was die Bundeswehr leistet.“

Was die Bundeswehr leistet und bereits geleistet hat, weiß Haidar El Azim aus eigenem Erleben. Seit vier Jahren ist der 24-Jährige Soldat, war bereits im Afghanistan-Einsatz. Jetzt hat sich der Stabsgefreite zum Laufbahnwechsel entschlossen und will Offizier werden. Dazu nimmt er auch gerne in Kauf, noch einmal die Grundausbildung in der OA-Kompanie zu durchlaufen. Der 24-jährige Panzergrenadier ist übrigens nicht der einzige mit Bundeswehrerfahrung: „Etwa ein Drittel meiner Soldaten kann bereits Vordienstzeiten vorweisen“, sagt Kompaniechef Martin Kayenburg.

Marsch-, Waffen- und Schießausbildung

In den nächsten sechs Monaten werden er und die Ausbilder der 4. Kompanie den jungen Soldaten erstes militärisches Rüstzeug beibringen. Marsch-, Waffen- und Schießausbildung gehören ebenso dazu wie die Grundlagen des Soldatengesetzes und der Inneren Führung. Dass die allgemeine körperliche Fitness bei den Soldaten gesunken ist „so wie in der Gesellschaft insgesamt“ – das wissen Oberstleutnant Lars Persikowski, Kommandeur des Offizieranwärterbataillons 1 und Kompaniechef Kayenburg: Deshalb stehe in den ersten drei Monaten vor allem auch die „Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit“ auf dem Dienstplan durch das Programm „Fit in den Tag“. Kayenburg ergänzt: Natürlich sei man durch die jüngsten Vorfälle in der Truppe sensibilisiert, was Menschenführung betreffe. Auf die Soldaten eingehen, sie pausieren lassen, oder wenn nötig, sie auch zum Arzt zu schicken. Für den Kompaniechef zählt das zur Fürsorge der Ausbilder gegenüber ihren Soldaten.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Auf dem Weg zum Offizier
    diesen weg habe ich aus überzeugung abgelehnt. kann ich nur empfehlen. um irrtümer auszuschalten, ich war zeitsoldat und hätte bei dem club der zehntausend verarschungen die offizierslaufbahn einschlagen können.