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Uni-Präsident Sascha Spoun (M.) mit Vertretern der Initiativen, die für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wurden: (v.l.) Paul Wunderlich und Julika Schlegel vom „Mosaique“ und Mia Marben und Conrad Borngässer vom Festival „Coraci“. Foto: t&w

Ringen um die Glaubwürdigkeit

Lüneburg. Wenn draußen der Grill brutzelt, im Foyer des Libeskind-Baus jede Menge Getränke über den Tresen wandern und eine lange Tafel mit weißer Tischdecke und Sonnenblumen zum Verweilen einlädt, dann feiert die Universität in aller Regel den Abschluss des akademischen Jahres. Für Präsident Sascha Spoun war der diesjährige „Dies Academicus“ ein besonderer: Die Feierstunde, die stets herausragende Leistungen in Forschung und Lehre, aber auch studentisches Engagement würdigt, hat zwar auch schon im vergangenen Jahr im Zentralgebäude stattgefunden, nur konnte der Neubau da noch kein Zeuge eines kompletten akademischen Jahres sein. Er hatte erst vier Monate zuvor Eröffnung gefeiert.

500 Gäste waren der Einladung der Uni gefolgt, um drei Ehrendoktoren und weitere zwölf Preisträger zu würdigen. Nicht zu vergessen die beiden Initiativen, die mit Preisen für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wurden. So hatte eine achtköpfige Jury aus insgesamt acht Einreichungen die neue Begegnungsstätte an der Katzenstraße, das „Mosaique“, und das Coraci-Festival ausgewählt.

Die Zahl der Absolventen steigt stetig

Dem Gremium gehörte auch eine der Vertreterinnen des Vorjahressiegers an. Catharina Krapp vom Verein Zugvögel durfte die Studenten nach vorn bitten und die Auswahl begründen: „Das Mosaique bringt verschiedene Generationen zusammen. Manche haben schon immer hier gelebt, andere haben hier ein neues Zuhause gefunden. Der Ort schafft ein Stück Vielfalt in Lüneburg.“ Zu den Mitwirkenden des Festivals sagte Krapp: „Das Coraci wird getragen durch den Gedanken der Antidiskriminierung und des Antirassismus, es wird von Studenten weit über Lüneburg hinaus angenommen.“

Die Auszeichnungen zeigten anschaulich, dass ein Studium mehr beinhaltet, als nur ausreichend Credit Points zu sammeln und bestmögliche Noten zu erzielen. Darauf hatten Linda Macfalda und Kevin Kunze, Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), in ihrer Rede angespielt. „Die Zahl der Absolventen und wissenschaftlichen Publikationen steigt stetig, aber ist das das Ziel?“, sagte Macfalda, um gleich hinzuzufügen: „Dem stehen hohe Abbruchquoten und immer mehr Studenten mit psychischen Erkrankungen und Depressionen gegenüber.“ Kunze richtete sich mit einer Frage ans Publikum, er wollte wissen, wie es sein könnte, wenn nicht nur eine Fußball-WM ein großes, viel diskutiertes Ereignis wäre, sondern auch eine Klimakonferenz. Er schloss mit einem Appell an die Dozenten ab: „Mischen Sie sich ein, und mischen Sie sich noch mehr ein, wenn Sie es schon tun. Leben Sie den Studenten vor, was gesellschaftliche Verantwortung bedeutet.“

Mädge nennt 3D-Campus als gemeinsames Ziel

Wie wichtig es ist, eine Universität und damit die Wissenschaft zu stärken, machte auch Spoun deutlich. Denn fast überall sieht er derzeit die Glaubwürdigkeit gefährdet – ein Thema, das er auch auf dem eigenen Campus nicht ausspart. „Jede Note, jedes Abschlusszeugnis, das hier verliehen wird, muss glaubwürdig sein.“ Er bedankte sich bei der akademischen Selbstverwaltung, die Tag für Tag im Einsatz sei, ohne dafür mit mehr Geld oder Reputation belohnt zu werden. „Von außen ist kaum sichtbar, was Sie hier mit großer Sorgfalt für die Glaubwürdigkeit tun.“

Dass die Leuphana auch künftig nicht allein dastehen wird, betonte Oberbürgermeister Ulrich Mädge: „Ich stehe hier bestimmt zum 15. oder 20. Mal, um die Bedeutung der Universität für die Stadt deutlich zu machen.“ Die Leuphana zeige regelmäßig, dass sie leistungsfähig sei. Auch die gute Zusammenarbeit, „das gemeinsame Marschieren“, beim Vorhaben 3D-Campus erwähnte Mädge in dem Zusammenhang. „Sie können sich sicher sein, dass die Stadt den Weg mit Ihnen beschreiten wird.“

Von Anna Paarmann

Wer wurde geehrt?

Forschungs- und Lehrpreise

Leuphana Forschungspreis: Prof. Dr. Christian Welzel
Preis für Nachwuchswissenschaftler: Prof. Dr. Clemens Apprich, Dr. Dr. Guido Caniglia, Prof. Dr. Paul Drews
Leuphana Monographie-Preis: Dr. Janina Wellmann
Leuphana Promotionspreis: Dr. Johann M. Majer, Dr. Mona Mensmann
Auszeichnung für ein Lehrkonzept: Prof. Dr. Lin Xie und Mathias Ellmann, Prof. Dr. Christina Wessely und Christian Voller
Vorlesung: Prof. Dr. David Loschelder

Mehr Informationen zu den Preisträgern unter www.leuphana.de/dies-academicus.

Prof. Dr. Peter Gollwitzer gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Vertreter der Selbstregulationsforschung. Er hat diesen Bereich in den vergangenen 40 Jahren maßgeblich beeinflusst und das Forschungsfeld durch viele neue Theorien und empirische Erkenntnisse bereichert. Für seine „herausragenden Forschungsarbeiten, die zu einem besseren Verständnis des menschlichen Zielstrebens im Kontext von Bildung, Wirtschaft, Politik und Umwelt geführt haben“, erhält Gollwitzer die Ehrendoktorwürde von der Fakultät Bildung der Leuphana. Seit 1999 arbeitet der Professor für Sozialpsychologie an der New York University, 2017 wurde er Mitglied der deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Prof. Dr. Silvia Federici erhält die Ehrendoktorwürde aufgrund ihrer „bahnbrechenden wissenschaftlichen Errungenschaften“, zudem hat sie sich ihr Leben lang politisch, feministisch und sozial engagiert. Sie zählt zu den einflussreichsten Wissenschaftlerinnen im Bereich der marxistisch-feministischen Kulturtheorien und hat durch die Prägung des Begriffs der Reproduktionsarbeit für die Kulturforschung auf internationaler Ebene neue Forschungszweige eröffnet. Das bekannteste Werk der Italienerin, die in New York lebt, ist „Caliban and the Witch“. Das 2004 veröffentlichte Werk beschäftigt sich mit der Enteignung und Ausbeutung weiblicher Körper im Laufe der Geschichte.

Prof. Dr. Trevor Hastie hat etliche Forschungsbeiträge in der angewandten Statistik und im Bereich des statistischen Lernens veröffentlicht, deshalb gilt er als einer der Wegbereiter der Analyse von Big Data. Seine herausragenden Leistungen sind es auch, die die Fakultät Wirtschaftswissenschaften dazu gebracht hat, ihm die Ehrendoktorwürde zu verleihen. In seiner Forschung konzentriert sich der Statistiker, der 1953 in Südafrika geboren wurde und an der Stanford University promoviert hat, auf Modellierungs- und Vorhersageprobleme in Biologie, Genforschung, Medizin und ­Industrie. Er hat mehr als 200 Artikel veröffentlicht und sechs viel beachtete Monographien geschrieben.

One comment

  1. Werner Schneyder

    Die Universität Lünenburg „zeige regelmäßig, dass sie leistungsfähig sei.“ – So der OB. wieso dann der ganze Rummel mit Spoun und Keller? Sind 50 Millionen Überziehung beim Libeskindbau auch eine Leistung?

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