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Ausgestattet mit Astscheren und Sägen machten sich die Jugendlichen daran, die alte Bunkeranlage vom Grün zu befreien, das im Laufe der Jahre mächtig gewachsen ist. Foto: Sirks/NLF

Sägen für die Fledermaus

Ostheide/Hitzacker. Viele Hände schaffen eine Menge: Diese Erkenntnis kann Peter Pabel, Revierförster in Leistade, nur bekräftigen. Zu seinem Revier gehören auch die alten Bunkeranlagen in Junkerwerder. Überbleibsel eines unterirdischen Öl- und Benzintanklagers. Im Dritten Reich gebaut, von den Briten 1945 gesprengt. Seitdem ist die Natur dabei, sich auch dieses Fleckchen Erde zurück zu erobern. Fledermäuse etwa haben in den Spalten und Rissen der gesprengen Anlage ideale Unterschlupfmöglichkeiten gefunden. Und damit das auch in Zukunft so bleibt, schritten nun 73 Jugendliche aus Reinstorf unter der fachlichen Anleitung von Pabel zum Arbeitseinsatz in unwirtlichem Gebiet.

„Es ist wichtig, das Gelände ‚offen‘ zu halten“, erklärt Papel. Zum einen, weil es ein geschichtsträchtiger Ort sei, zum anderen aus ökologischen Gründen: „Dadurch erhalten wir auch Flechten, Moosen, aber auch Schmetterlingen und Fledermäusen einen ganz besonderen Lebensraum“, erzählt der Forstmann. Einen Lebensraum, der sonst wieder Wald werden würde.

Dass sich Jugendliche aus dem rund 40 Kilometer entfernten Reinstorf aufmachen, um bei sommerlicher Hitze körperlich hart zu arbeiten, hat freilich seinen Grund: Die Gruppe – bestehend aus Konfirmanden, der Evangelischen Jugend und dem Bund ehemaliger Teamer Reinstorf (BeTeR), sind für eine Woche zu Gast in der Jugendfreizeitanlage Meudelfitz. Und neben Spiel und Spaß stehen auch diverse Ausflüge und Arbeitseinsätze auf dem Programm. „Unter anderem zu den Themen Schöpfung und Naturschutz“, erläutert Pastorin Henrike Koch. Den Kontakt zu Peter Pabel hatte Hendrik Schatz vermittelt. Der 22-jährige Barendorfer ist Forststudent und hatte ein mehrmonatiges Praktikum im Forstamt Göhrde absolviert. Außerdem engagiert er sich in seiner Freizeit als ehemaliger Teamer in der kirchlichen Jugendarbeit. Eine ideale Kombination also, um den Pflegeeinsatz auf dem Bunkergelände zu organisieren.

Nadelbäume müssen weg

Jede Menge Birken haben sich hier im Laufe der Jahre ausgebreitet, aber auch Nadelbäume. „Die müssen weg“, sagt Pabel und erklärt auch warum: Wenn die Bäume größer und dichter werden, verändern sich auch die Lebensbedingungen für die Fledermäuse. Dass die Gruppe mit der Säge-Aktion in einen biologischen Prozess eingreift, ist dem Förster durchaus bewusst: „Käseglocken-Naturschutz“ nennt er das, was auf dem Bunkergelände praktiziert werde. „Aber wir wollen den Status quo erhalten“, sagt der Förster. Die Jugendlichen jedenfalls finden es toll, und nach und nach fällt Baum um Bäumchen. „Eine tolle Arbeitsleistung“, lobt Pabel. Zufrieden zeigen sich auch Hendrik Schatz und Pastorin Henrike Koch: „Wir haben unser Ziel geschafft, niemand hat sich verletzt“, ziehen die beiden Bilanz.

Und für welche Fledermäuse wurde der Aufwand nun betrieben? Diese Frage kann Förster Pabel beantworten: „In der Umgebung wurden unter anderem bereits das Braune Langohr, die Wasserfledermaus, die Fransenfledermaus, das Mausohr nund die Breitflügelfledermaus nachgewiesen“. Damit erfüllen die alten Bunkeranlagen einen guten Zweck.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Was die Tiere mögen

Zur Lieblingsspeise der europäischen Fledermäuse gehören Insekten wie Fliegen, Mücken oder Falter. Viele Fledermäuse können ihre Mahlzeiten direkt aus der Luft fangen, andere sammeln sie von Blättern oder vom Boden auf. Manche schaufeln die Leckerlis mit ihren Flügeln direkt ins Maul. Weltweit gibt es etwa 900 Fledertierarten. Dazu gehören die Flughunde und die Fledermäuse.

Nur drei Arten ernähren sich ausschließlich vom Blut anderer Wirbeltiere. Die kommen aber nicht in Europa vor. In Deutschland gibt es mehr als 20 Fledermausarten. Die größte Art ist das Große Mausohr.