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Alltägliches Bild an der Lüneburger Scharff-Kreuzung: Während sich die einen nur mit Helm aufs Fahrrad schwingen, stürzen sich die anderen ohne ins Verkehrsgetümmel. Foto t&w

Die Sache mit dem Kopfschutz

Lüneburg. Wenn Ulf Basting-Neumann auf sein Fahrrad steigt, trägt er einen Helm. Ohne darüber nachzudenken und ganz selbstverständlich, so wie er den Gurt anlegt, bevor er das Auto startet. Er ist ein Vorbild für seine vier Kinder, aber auch eigenverantwortlich gegenüber sich selbst. So empfindet er das – aus gutem Grund.

Viele Jahre lang ist der niedergelassene Hausarzt als Rettungssanitäter unterwegs gewesen, er erlebt noch heute während seiner Einsätze beim kassenärztlichen Notdienst Situationen, die „viele mal gesehen haben sollten“, was er aber dennoch keinem wünscht: schwer verletzte Fahrradfahrer. Erst kürzlich musste er als Ersthelfer einer gerade verunglückten Radlerin zur Seite stehen. „Ein Autofahrer hatte der Frau die Vorfahrt genommen“, berichtet er, „sie stürzte mit dem Kopf auf den Asphalt.“ Binnen eines Bruchteils von Sekunden ist aus einem gesunden Menschen ein Koma-Patient geworden. „Mit Helm wäre das ganz sicher glimpflicher ausgegangen.“

Als Jugendliche fahren die meisten oben ohne

Eitelkeit, mangelnde Aufklärung, fehlende Vorbilder – aber ganz besonders auch eine absolute Selbstüberschätzung sind die Ursachen dafür, dass die Quote der Helmträger derzeit bei lediglich rund 15 Prozent liegt. „Viele kalkulieren ihr Risiko einfach total falsch ein“, meint der Mediziner, „sie glauben, alles im Griff zu haben, übersehen dabei aber die Gefahren durch andere Verkehrsteilnehmer, äußere Umstände oder auch den Zustand ihres eigenen Vehikels“.

Das sieht Martin Schwanitz ähnlich. Seit vielen Jahren versucht Lüneburgs Verkehrssicherheitsberater, die Menschen in Stadt und Landkreis Lüneburg von der Sinnhaftigkeit eines Helms zu überzeugen. Mit mäßigen Erfolg, denn: Was bei den Kindern noch selbstverständlich ist, wird früher oder später nur noch lästig. „Irgendwann in ihrer Entwicklung hängen die meisten Jugendlichen den Kopfschutz an den Nagel, denn sie wollen zu den Erwachsenen gehören – und von denen trägt kaum einer einen Helm“, sagt er.

Helme lassen sich mit dem Rad zusammen anschließen

Dabei seien die Argumente gegen den Fahrradhelm nicht wirklich zwingend, sagt Schwanitz, „Helme sind leicht und luftig und können total gut zum Outfit passen. Sie lassen sich mit dem Rad zusammen anschließen und engen überhaupt nicht ein. Denn das behaupten in der Regel nur jene, die noch nie einen Kopfschutz getragen haben.“ Die Zeit, in der Helme so angesagt sind wie beim Skifahren, wird kommen, ist sich der Verkehrsexperte sicher, „denn jedem muss doch klar sein, dass sich alle Körperteile ersetzen lassen, nur das Gehirn nicht“.

Allerdings gehören Kopfverletzungen mit einem Anteil von 25 Prozent nicht zu den häufigsten Verwundungen, die Fahrradfahrer bei Unfällen erleiden. Und allgemein beträgt die Anzahl der im Straßenverkehr getöteten Radler ohnehin „nicht mehr“ als 400 pro Jahr – im Vergleich zu den 350 000, die allein an Herz-Kreislauferkrankungen sterben, eine verschwindend geringe Zahl. Basting-Neumann aber kennt auch die Schicksale, die nicht in den Statistiken auftreten. „Es geht gleichermaßen um traumatische Erfahrungen, psychische Störungen und schwere Behinderungen. Und da kann ein Helm das Lebenswerte retten“, meint er.

„Das ist doch wohl Quatsch“

Die Statistik gibt dem Mediziner Recht: Bis zu 80 Prozent der Hirnverletzungen bei schwer gestürzten Radfahrern hätten durch das Tragen eines Helms vermieden werden können. Und dennoch besteht noch immer keine Pflicht. Schwanitz erklärt: „Die Bedenken, dass viele Radfahrer dann doch wieder auf das Auto umsteigen, sind viel zu groß“, sagt der Polizist, „und sollten sie sich bewahrheiten, hätte das schwerwiegende Folgen für das Gesundheitswesen und die Natur.“

Andere Länder hätten damit bereits ihre Erfahrungen gemacht. In Neuseeland beispielsweise, neben Australien, Malta, Finnland und den Vereinigten Arabischen Emiraten der einzige Staat mit gesetzlich verordnetem Kopfschutz, sei der Anteil der Fahrradfahrer nach Einführen der Helmpflicht um 50 Prozent zurückgegangen. Und in der Folge, so wollen es Forscher he­rausgefunden haben, hätte die Gefährdung der noch verbliebenen Pedalritter zugenommen, da sie mangels Masse im Straßenverkehr weniger auffallen. „Das ist doch wohl Quatsch“, meint der Kontaktbeamte.

Mit Kopfschutz viel vorsichtiger unterwegs

Auch andere Erhebungen stoßen ihm bitter auf: „Da will jemand ermittelt haben, dass Autofahrer Radfahrer mit Helm mit geringerem Abstand überholen als jene, die keinen tragen“, hat er gelesen, „und andere wiederum behaupten, Helmträger würden zu einem riskanteren Fahrverhalten neigen.“ Das Gegenteil sei aus seiner Sicht allerdings der Fall: „Seitdem ich mit dem Helm unterwegs bin, fahre ich viel vorsichtiger“, sagt Martin Schwanitz, „denn mir wird immer wieder bewusst, was ich schützen will.“

Diese Reflexion wünscht er auch den anderen Fahrradfahrern: „Es ist die Selbsterkenntnis, die letztlich überzeugt.“ Und das sieht auch Ulf Basting-Neumann so: „Die Verkehrsteilnehmer müssen zu einer eigenverantwortlichen Entscheidung geführt werden. Nur dann wird der Helm auch wie selbstverständlich getragen.“

Von Ute Lühr

29 Kommentare

  1. magnusausonius

    An der Selbstüberschätzung vieler Radfahrer hat die „fahrradfreundliche“ Politik maßgeblichen Anteil. Würde man diesen nicht bei jeder Gelegenheit einreden, wie großartig ihr Beitrag zum Umweltschutz und zur Mobilität in der Zukunft ist, sondern deutlich machen, dass auch sie sich als ganz normale Verkehrsteilnehmer an Regeln zu halten haben, wäre schon viel geholfen. Bei der Selbstgefährdung durch nicht getragene Helme bleibt es ja nicht. Das rücksichtslose, oft grob verkehrswidrige Verhalten von Radfahrern in Fußgängerzonen, auf Gehwegen, an Zebrastreifen und roten Ampeln führt zur Gefährdung Unbeteiligter, was weitaus schlimmer ist.

    • Warum wird mir als Radfahrer, der sich an die StVo hält, fast täglich die Vorfahrt zumeist von Autofahrern genommen und als Autofahrer fast nie?

  2. Karsten Hilsen

    Fahrrad“Helme“ sind alles Mögliche aber gerade keine Helme.
    Sie sind weder bruch- noch durchschlagsicher.
    Fahrrad“helme“ sind daher im wesentlichen völlig nutzlos.

    Sie sind gerade /nicht/ dafür geignet, wofür sie beworben werden: Schwere Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen zu verhindern.
    Es gibt auch /keine/ Statistik, die irgendeine Verminderung von schweren Kopfverletzungen durch das Tragen von Fahrrad“helmen“ belegen können.
    Wohl aber ist es statistiisch gesichert, dass FahrradfahrerInnen mit „Helmen“ insgesamt deutlich öfter Unfälle aller Art erleiden, als RadlerInnen die eine sinnvolle, dem jeweiligen Wetter angepasste Kopfbedeckung, oder keine tragen.
    Eindeutig gesichert nachgewiesen ist auch, dass durch das Tragen von Fahrrad“Helmen“ das Risiko von Verletzungen der Halswirbelsäule größer ist, als ohne einen solche Kopfbedeckung.
    Für diese Kausalität gibt es auch physikalisch plausible Erklärungen.
    Ich halte das Tragen vor irgendeiner Art von besonderem Kopfschutz gerade beim Fahrradfahren auch deshalb für unnötig, weil beim Fahrradfahren überhaupt kein höheres Risiko für irgend eine Art von Kopfverletzungen besteht, als bei nahezu allen anderen Alltagstätigkeiten.
    Warum sollte ich also gerade beim Radeln sowas aufsetzen und nicht beim zu Fuß gehen oder im Haushalt?
    Dieses Risiko ist für alle Insassen von Kraftfahrzeugen z.b. um eim Vielfaches höher, als beim Radeln.
    Setzen sich die Apologeten der Fahrrad“helme“ also so ein Teil auf den Kopf, wenn sie Auto fahren?

  3. Man sollte seriöse wissenschaftliche Studien nicht als Quatsch abqualifizieren, wenn sie einem nicht passen. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht, gilt auch für die Helmpflicht.

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass Fahrradfaher mit Helm gerade auf außerörtlichen Straßen von Autofahrern rücksichtsloser behandelt werden. Da ist ein Radfahrer, na ja, wird schon nichts passieren, komm ich schon vorbei, und wenn nicht, der ist ja geschützt, der trägt ja einen Helm.

    Hier liegt auch der eigentliche Grund für die Begeisterung vieler Autofahrer für eine Helmpflicht für Fahrradfahrer. Man kann so einfach mit besserem Gefühl überholen und muss nicht so häufig vom Gas. Dabei ist es für meine Gesundheit als Radfahrer völlig unerheblich, ob ich mit oder ohne Helm mit 80 kmh umgemäht werde.

    Mehr Rücksicht, ja, auch mehr Langsamkeit und Bedachtsamkeit, von ALLEN Seiten im Straßenverkehr, und deutlich mehr und besser gepflegte Radwege sind der Weg.

  4. Man kann das Unfallrisiko drastisch reduzieren, indem man immer defensiv Fahrrad fährt.
    Hätte ich immer von meinem Vorfahrtsrecht Gebrauch gemacht, wäre ich – im wahrsten Wortsinn – unter die Räder gekommen oder über so manches Fahrzeugdach geflogen.
    Aber gibt auch die Kategorie:“Supermann-Fahrradraser“, Menschen die der felsenfesten Meinung sind das physikalische und biologische Barrieren für sie nicht gelten, Menschen die glauben, das das Rot-Zeichen an der
    Ampel, an der sie gerade vorbei fahren, nur für alle anderen Verkehrsteilnehmer gilt.

  5. Norbert Kasteinecke

    Nur mal so…. (Fundstück)

    Bist du vor 1980 geboren ?

    Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten!
    Wir sind Helden!
    Warum ?
    Wir saßen im Auto ohne Kindersitz,ohne Sicherheitsgurt und ohne Airbag !
    Unsere Bettchen waren mit Farben voller Blei und Cadmium angestrichen !Auch die bunten Holzbauklötze, die wir uns begeistert in den Mund steckten …
    Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.
    Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen!
    Wenn wir zu faul zum Laufen waren, setzten wir uns hinten auf das Fahrrad unseres Freundes – natürlich ohne Helm! Der strampelte sich ab und wir versuchten, uns an den Stahlfedern des Velosattels festzuhalten !
    Unsere Schuhe waren immer schon eingelaufen durch Bruder, Schwester, Neffe,Freunde der Eltern oder so. Auch das Fahrrad (nicht Mountain-Bike!!) war meistens entweder zu groß oder zu klein !
    Überhaupt hatte ein Fahrrad keine Gangschaltung. Und wenn doch, dann nur eine mit 3 Stufen ! Und wenn du einen Platten hattest,lerntest du vom Vater, wie man das selber flicken konnte !(Am Samstagnachmittag – mit Wassereimer, Schlauchwerkzeug, Schmirgelpapier und Gummilösung …)
    Wasser tranken wir aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen!
    Einen Kaugummi legte man am Abend auf den Nachttisch und am nächsten Morgen steckte man ihn einfach wieder in denMund !
    Wir aßen ungesundes Zeug (Schmalzbrote, Schweinsbraten,…), keiner scherte sich um Kalorien und wir wurden trotzdem nicht dick! Wir tranken Alkohol und wurden nicht alkoholsüchtig!
    Wir tranken aus der gleichen Flasche wie unsere Freunde und keiner machte deswegen ein Theater oder wurde gleich krank !
    Wir verließen frühmorgens das Haus und kamen erst wieder heim, wenn die Strassenbeleuchtung bereits eingeschaltet war. In der Zwischenzeit wusste meistens niemand, wo wir waren … und keiner von uns hatte ein Handy dabei !!!
    Wir haben uns geschnitten, die Knochen gebrochen, Zähne raus geschlagen und niemand wurde deswegen verklagt. Niemand hatte Schuld – außer wir selbst.Das waren ganz normale, tägliche Unfälle und manchmal bekamst du hinterher sogar(als erzieherische Zugabe)noch eins auf den Po!

    Wir hatten nicht: Playstation, Nintendos, X-box, 200 Fernsehsender, Videos, DVDs,Dolby-Surround-Sound, iPods, eigene Fernseher, PCs und Internet, Jahreskarten im Fitness-Club, Handys …
    Wir hatten Freunde !
    Wir gingen einfach raus und trafen uns auf der Straße.Oder wir marschierten einfach zu denen nach Hause und klingelten.Manchmal brauchten wir gar nicht zu klingeln und gingen einfach hinein.Ohne Termin und ohne Wissen unserer Eltern!

    Das Fernsehprogramm begannerst um 18 Uhr ! Die Eltern bestimmten, was und wie lange „TV-geglotzt“ wurde !
    Wir bauten Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten.
    Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar!

    Wir spielten Strassenfussball, und nur wer gut war, durfte mitspielen. Wer nicht gut genug war, musste zuschauen und lernen, mit Enttäuschungen umzugehen ! Und das ging auch ohne Kinderpsychiater!
    Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbeurteilung!!
    Wir machten unsere Pausenbrote selber, nahmen am Morgen einen Apfel mitund wenn wir das vergaßen, konnte man in der Schule nichts kaufen !McDonalds … Burger-King … Döner-Bude Snack-Bar … Imbiss-Stand … Pizza-Ecke……………. Fehlanzeige !
    Zur Schule gingen wir(auch im Winter)zu Fuss!
    Schulbusse?? Gab´s nicht!
    Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen.Das war klar und keiner konnte sich verstecken.Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstieß, war klar, dass die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel herausboxten.Im Gegenteil:Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei!Na so was!
    Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht.

    Geboren vor 1980!Gehörst D U auch dazu ?
    Gratuliere !
    Wir sind HELDEN !
    Geboren nach 1980 ?

    • Guter Beitrag!
      Das erinnert mich an meine Jugendzeit. Ich, Jahrgang 1943, habe alles so mitgemacht wie der Schreiber.

    • Köstlich geschrieben! Hat mich sehr an meine Kindheit erinnert und fast glücklich schmunzeln lassen. Meine Freunde und ich hatten das Glück nah am Waldrand aufzuwachsen. Also wurden im Wald Höhlen gebaut und auf Bäume geklettert. Manchmal hatten wir auch ein restliches Schulbrot noch dabei. Wenn das dann aus Versehen in einen Ameisenhaufen fiel wurde es abgewischt und weiter gegessen. Im Winter bei ausreichend Frost ab zu den Angelteichen um Schlittschuh zu laufen. Und wenn man Pech hatte brach leider auch mal das Eis und es gab ein unfreiwilliges Bad. Da blieb nichts anderes über als nass wie man war durch den Wald (manchmal auf den Schlittschuhen) nach Hause zu dackeln. Oh war das dann eine Freude bei der Mutter… In der Stadt sah man auch immer wieder mal Kriegsversehrte die sich auf Holzkrücken fortbewegen mussten oder nur noch eine Hand oder nur einen Arm hatten. Ach eines noch! Man konnte auch nachts unbesorgt vom Stint aus zu Fuß nach Hause gehen. Ein Überfall war kaum zu befürchten. – Aber mal ehrlich. Haben sich die Zeiten nicht immer und stetig verändert. Ich denke das ist normal. Die Zeit bleibt nicht stehen.

  6. Was hier an Studien und Halbwahrheiten zusammengetragen wurde, ist recht amüsant.

    Tja, früher war alles besser (stöhn, na klar!). Mehr gelebte Eigenverantwortung, Erziehung fand durch die Eltern statt, welche diese Werte i.A. auch vorlebten und nicht der Schule diese Aufgabe überließen, draußen mit Freunden spielen und Höhlen (Mist) bauen. Soweit so gut, aber die Gesellschaft hat sich nun mal verändert. Die Ellenbogen werden gerne eingesetzt und da ist es egal, ob man sich im Kindergarten, oder im Straßenverkehr umschaut (und der Vergleich passt wie A… auf Eimer). Beide Seiten (Autofahrer/Radfahrer) haben ihre schwarzen Schafe. Ich zuerst! Ups, hat doch nicht mehr gepasst.

    So nun aber mal zu dem Helm: Helme sind toll! Nein, sie sind sicher nicht schick und können gerne mal stören. Sie verhindern keine Kopfverletzungen und führen zu vermehrten Verletzungen an der Halswirbelsäule? Ach du Schande. Ein Airbag führt zu Verbrennungen im Gesicht und ein Gurt verursacht gerne mal Verletzungen im Brustbereich. Die Frage ist doch wohl eher, welche Verletzungen man erlitten hätte, wenn man diese Sicherheiteinrichtungen (auch den Helm) nicht nutzen würde. Da ist dann ggf eine Verletzung an der HWS das kleinere Problem im Vergleich zu einem Schädelhirntrauma.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wenn man bei einem Unfall mit dem Fahrrad mit dem Kopf auf dem Asphalt landet, mal kurz weg ist und sich dann im Krankenwagen so langsam wieder orientieren kann, dann überlegt man sich, ob man, !ich! nicht besser einen Helm getragen hätte.

    Meine Familie und ich tragen Helme beim Radfahren, da ich nicht möchte, dass meine Kinder diese Erfahrung verzichten können.

    Helmplicht auf dem Rad? Warum eigentlich nicht? Mit dem Rad kann man locker über 25km/h fahren und in Zeiten der E-Bikes kann dies nahezu jeder ohne große Mühe schaffen. Da kann ein Helm im Falle des Unfalles sicher nicht schaden. Wo bitte ist der Unterschied zu einem Mofa?

    • Karsten Hilsen

      @Dörk, 10. Juli 2018 at 09:44:
      Zunächst bestätigen sie die von mir erwähnte Studie, nach der Helmträger grundsätzlich ein deutlich höheres Risiko für jede Art von Unfällen haben.
      (Das bestätigen übrigens praktisch alle Fahrrad“helm“- Befürworter in Diskussionen: Durchweg alle hatten erstaunlicherweise schon schwerwiegende Unfälle, bei denen der Kopf betroffen war.)

      Sie schreiben:
      „(…). Da ist dann ggf eine Verletzung an der HWS das kleinere Problem im Vergleich zu einem Schädelhirntrauma.(…
      ——————————————————————————–
      Eine Verletzung der Halswirbelsäule kann zu der schwerwiegensten Form der Querschnittslähmung führen.
      Dieses Risiko wird durch einen Fahrrad“helm“ wie erwähnt, statistisch belegt und physikalisch / mechanisch plausibel erklärbar, signifikant erhöht.
      Demgegenüber ist die behauptete Schutzwirkung von Fahrrad“helmen“ in Bezug auf schwerwiegende Schädel-HIrnverletzungen weder durch belastbare Statistiken belegbar noch ist diese angebliche Schutzwirkung physikalisch plausibel erklärbar.
      Als Beispiel mag das bekannte Fahrrad- Großereignis „Cyclassiks“ in Hamburg dienen.
      Dieses Fahrrad-Rennen besteht seit vielen Jahren, früher unter „HEW-Cyclassics“, später dann „Vattenfall-Cyclassics“.
      Es ist für eine kritische Betrachtung gut geeignet, weil jedeR TeilnenehmerIn ebenso registriert ist, wie jeder Art von Unfällen derselben.
      Und die Zahlen zeigen keinerlei aufälligen Unterschied in der Zahl oder schwere der Kopfverletzungen seit Einführung einer Helmpflicht für die TeilnehmerInnen.

      Sie schrieben:
      „(…) Da kann ein Helm im Falle des Unfalles sicher nicht schaden. (…)?“
      ————————————————————————————————-
      Doch! Ein Helm kann nachweislich schaden!
      Bei Kindern, denen diese Teile regelmäßig aufgezwungen werden, z.b. auch dadurch, dass diese dem jeweiligen Wetter entsprechend meist völlig ungeeignet sind, und die Kinder dadurch behindern und von Verkehrsgeschehen ablenken.

      • komisch, ihre argumente erinnern mich an die sicherheitsgurtdebatte.

        • Karsten Hilsen

          @ Klaus Bruns, 10. Juli 2018 at 14:51:
          Dieser Irreführende Vergleich wird von Fahrrad“helm“-Befürwortern ebenso gerne gezogen, wie jener mit dem Knautschzonen bei KFZ-Karosserien.

          Der Vergleich ist nicht sinnvoll, weil die Kräfte, um die es bei Unfällen von Kraftfahrzeugen geht um bis zu mehr als Hundertfach höher sind, als jene bei einem Sturz mit dem Fahrrad.
          Der Auto-Sicherheitsgurt kann nachweislich und physikalisch geprüft, Kräfte von über 1000 kilopond standhalten, die mit den Armen an Lenkrad oder Armaturentafel von keinem Menschen gehalten werden können.
          Demgegenüber ist das Energie-absorbtionsvermögen eines Fahrrad“helms“ im Vergleich zu jener natürlichen Stbilität von Schädel und Gehirn so gering, dass die angepriesene Schutzwirkung schon rein physikalisch / mechanisch völlig unplausibel ist.
          Anders als bei dem Fahrrad-„helm“-tragen belegen die Unfallstatistiken bezogen auf die Nutzung des Auto-Sicherheitsgurtes auch weltweit und vielfach überprüft einen gewaltigen Rückgang an schweren Unfallverletzungen, der jeweils proportional zur Gurtanlege-Quote ist.

          Vor allem aber ist die Wahrscheinlichkeit, gerade beim Radeln irgendeine Kopfverletzung zu erleiden, überhaupt nicht größer, als bei nahezu allen anderen Alltagstätigkeiten, wie z.b. dem Zu Fuß-Gehen.
          Sie ist sogar um ein Vielfaches geringer, als beim Autofahren.
          Warum also sollten gerade RadlerInnen einen besonderen Kopfschutz tragen, nicht aber die um ein vielfaches mehr gefährdeten Autoinsassen oder die genauso (wenig) gefährdeten Fußgänger?

          • Doch nun legten US-Forscher der Universität Arizona auf einem Chirurgenkongress in Chicago neue Zahlen vor. Radfahrer mit Helm kommen demnach bei Unfällen vergleichsweise glimpflich davon: Sie erleiden deutlich weniger schwere Kopfverletzungen als helmlose Radler.
            Helmpflicht für Fahrradfahrer – ja oder nein? Die Debatte wird in Deutschland seit Langem geführt. Um sich vor schweren Kopfverletzungen zu schützen, ist nach Meinung der Deutschen Verkehrswacht und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ein Helm sinnvoll. Zugleich ist der ADFC aber gegen eine Helmpflicht, weil sie „weder durchzusetzen noch zu kontrollieren“ sei.
            Quelle Welt.

          • Weniger schwere Verletzungen
            Quelle Welt

            Ihre Auswertung der Daten von mehr als 6200 Patienten, die nach einem Fahrradunfall ein Gehirntrauma erlitten, zeigt: Bei den Helmträgern ist das Risiko für schwere Hirntraumata und auch für einen tödlichen Ausgang des Unfalls um etwa 60 Prozent geringer.

            Das Gleiche gilt für schwere Verletzungen, die wegen einer Hirnschwellung die Öffnung des Schädelknochens (Kraniotomie) erforderlich machen. Um immer noch ein Viertel niedriger ist bei Helmträgern das Risiko für Wunden im oberen Teil des Gesichts.

            „Wir wissen sicher, dass Helme Verletzungen bei Radunfällen vorbeugen können. Aber die wichtige Frage war: Wenn es trotzdem zu einer Kopfverletzung kommt, inwieweit schützt der Helm dann?“, betonte Co-Autor Ansab Haider.

      • @Karsten Hilsen: Besten Dank für die Sektion meines Kommentars.
        Ich gebe zu, ich habe laut gelacht. Vielen Dank dafür nochmal!

        Zeitgleich habe ich mich gefragt, wie Sie zu einer solch kruden Feststellung kommen, dass ich als Helmträger vermehrt zu jeglicher Art von Unfällen neige…. jetzt bin ich im Bilde. Die Studie würde ich gerne mal in Gänze lesen. Nur wenn ich das ganze Bild sehe, kann ich mir eine fundierte Meinung bilden. Fett gedruckte Buchstaben, weche ggf nur eine kleinen Ausschnitt darstellen, sind meist wenig zielführend und möglicherweise aus dem Zusammenhang gerissen…

        Ein kleine Ergänzung sei mir erlaubt: Zum Zeitpunkt des von mir beschriebenen Unfalls trug ich keinen Helm. Der Unfall hätte mir also nicht passieren sollen🤔. Habe ich das richtig verstanden? Ob der Autofahrer, der mich beim Abbiegen übersehen hat und die Vorfahrt nahm, einen Helm getragen hat kann ich nicht sagen… wäre dann aber wieder konform zu Ihrer These.😂
        Dass ich nun einen Helm trage nennt sich übrigens lernen aus Erfahrung.

        Schon erstaunlich wie hier mir Studien und deren Ergebnissen um sich geworfen wird. Das Thema scheint im speziellen Sie doch sehr zu beschäftigen.
        Letzlich wird man/werden Sie immer einen Grund finden, keinen Helm zu tragen. Es zwingt Sie ja keiner. (oder doch?😉)
        Es wird immer Studien geben, die entweder die eine oder die andere Seite stützen, bzw. man kann auch das herauslesen, was man herauslesen will.

        Eine Helmpflicht für Radfahrer wird wahrscheinlich genauso schnell in Deutschland eingeführt, wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung… (ich hoffe ich mache hier nicht das nächste Fass auf) Ist ja auch klar warum: Die Unfallzahlen würden steigen, wenn alle einen Fahrradhelm tragen müssen. Logisch!?!

        So, nun muss ich aber den Helm wieder aufsetzen, da ich in’s Bett gehe. Schließlich könnte ich bei meiner wissenschaftlich belegten Neigung zu Unfällen aus dem Bett fallen. Das was Ihnen jetzt gerade durch den Kopf geht, habe ich auch gedacht… als ich gelacht habe (s.o.).

        Bitte nicht allzu ernst nehmen. Fällt mir selber schwer.🤐

  7. Karsten Hilsen

    @LZ Redaktion:
    Das Foto zu dem Artikel zeigt nicht die „Scholze-Kreuzung“ sondern die „Scharff-Kreuzung“.
    (Verlauf der Dahlenburger Landstr. in Richtung „Am Sande“)
    Die „Scholze Kreuzung“ liegt in der Verlängerung der Bleckeder Landstr. in Richtung Stintmarkt/ alter Kran)
    Zugegebenermaßen sind beide Bezeichnungen für jüngere Menschen schwierig nachzuvollziehen, weil die Namensgeber bei beiden Kreuzungen nicht mehr dort sind.
    Bei der Scharff-Kreuzung war dies eine Tankstelle dort, wo jetzt der Anbau des Museumsgebäudes ist.
    Bei der Scholze Kreuzung das / die hervorragende Cafe / Konditorei Scholze.

  8. Olga S. Ondraczek

    Prima Anregung, Herr H.! Nunmehr sollten die Kreuzungen endlich nach queer-feministischen Pionierinnen, emanzipativ-antikolonialistischen Freiheitskämpfern oder progressiv-aktivistischen KünstlerInnen benannt werden!

  9. Lieber Herr Kasteinecke, auch wenn ich Ihre Beiträge sonst unerträglich finde, stimme ich Ihnen hier voll und ganz zu. Man fragt sich, ob die heutige Generation Helikopterkind überhaupt noch in der Lage sein wird, einmal unsere Rente zu erwirtschaften.

    Zum Thema: Wenn Radfahren ohne Plastehut wirklich dermaßen lebensgefährlich, wenn nicht gar unmöglich ist, wie es uns die Versicherungslobby, unterstützt von Polizei und bestimmten Medizinern, seit den 1990er Jahren einreden will, frage ich mich, warum das Volk der Niederländer – die Radfahrer-Nation schlechthin – nicht schon längst ausgestorben ist. Wer erinnert sich nicht an die legendären Fotos von Königin Juliana auf dem Fiets, natürlich ohne Polystyrolkappe auf dem royalen Haupte? Ein stolzes Vorbild für eine stolze Nation. Radelnde Plastedeckelträger (auf den irreführenden Begriff „Schutzhelm“ verzichte ich aus den Gründen, die Herr Hilse oben schon ausgeführt hat) sucht man zwischen Groningen und Gouda vergebens. Vielleicht, weil Unfallprävention in den Niederlanden ohne das Schüren irrationaler Ängste auskommt? Weil bei den Gefährdern und nicht den Gefährdeten angesetzt wird? Allenfalls Radtouristen aus Deutschland, die ihren Nachbarn zwischen den Deichen mit German Angst und penetrantem Missionierungseifer auf den Keks gehen, fallen durch Plastemüll auf dem Kopf und Straßenwärterwesten um den Schmerbauch seltsam auf. Der Niederländer denkt sich seinen Teil.

  10. „Quatsch“ als Argument? Die Versicherungslobby wird’s freuen!

    Sicher kann man anderer Meinung sein als das, was als Ergebnis von Untersuchungen herauskommt: dann sollte man dagegen _argumentieren_! Wenn jemand als Argument aber „Das ist doch wohl Quatsch!“ von sich gibt, disqualifiziert er sich damit grundlegend.

    Ich sehe hinter der Helmpropaganda die Versicherungslobby, die ihre durch unachtsame Autofahrer bedingten Versicherungszahlungen verringern will. Eine Versicherung hat das schon versucht, indem einem verunglückten Radfahrer wegen Verstoßes gegen die Schadensminderungspflicht – er trug beim fremdverschuldeten Unfall keinen Helm! – der beanspruchte Schadensersatz verringert werden sollte. _Noch_ ist diese Versicherung damit beim Bundesgerichtshof (BGH) gescheitert, weil dieser die geringe Helmtragequote als Zeichen dafür ansah, daß das Tragen von Schutzhelmen zum eigenen Schutz zur Unfallzeit im Jahr 2011 noch nicht dem allgemeinen Verkehrsbewusstsein entsprach. Sollte sich aufgrund der genannten Progaganda die Helmtragequote signifikant erhöhen, könnte der BGH in einem neuen Verfahren zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen, was bei den KFZ-Versicherungen wohl Jubelstürme auslösen würde …

    • Ich sag ja immer, lesen – vor allem Krimis lesen – bildet.
      Die alte Regel da: Cui bono?
      Unter dieser Prämisse betrachten kommt man schnell auf ihr beschriebenes Szenario.

      Denn, ob sie Hüte nun helfen oder nicht, notwendig sind sie nicht – sonst wären sie in anderen Bereichen des täglichen Lebens (Haushalt, Treppen steigen, etc.) genau so – wenn nicht mehr – notwendig.

      Wenn sich Einige, aus vielerlei Gründen, solch eine Kappe aufsetzen möchten, gerne – Gottes Zoo ist gross und diesbezüglich noch ein freies Land. Aber diese hysterische Propaganda nervt so ziemlich – zumal die Gründe so durchschaubar sind.
      Cui bono! Eben.

    • @Reinhard Z.: Danke für die Erläuterung! Ich nehme an, es geht um das Urteil BGH VI ZR 281/13 vom 17.06.2014? Das erklärt einiges. Ich hatte mich schon immer gewundert, warum Polizei und Ärzteschaft bloß Fahrradfahrer auf dem Kieker haben. Jogger und Fußgänger sind doch im Straßenverkehr mindestens genauso gefährdet, bei einem Unfall schwere Kopfverletzungen zu erleiden?

      Den Artikel oben kann man übrigens ohne weiteres auf Fußgänger beziehen, ohne daß er seinen mahnenden Sinn verliert:

      „Wenn Ulf Basting-Neumann aus dem Haus geht, trägt er einen Helm. Ohne darüber nachzudenken und ganz selbstverständlich, so wie er den Gurt anlegt, bevor er das Auto startet. Er ist ein Vorbild für seine vier Kinder, aber auch eigenverantwortlich gegenüber sich selbst. So empfindet er das – aus gutem Grund.

      Viele Jahre lang ist der niedergelassene Hausarzt als Rettungssanitäter unterwegs gewesen, er erlebt noch heute während seiner Einsätze beim kassenärztlichen Notdienst Situationen, die „viele mal gesehen haben sollten“, was er aber dennoch keinem wünscht: schwer verletzte Fußgänger. Erst kürzlich musste er als Ersthelfer einer gerade verunglückten Passantin zur Seite stehen. „Ein Autofahrer hatte der Frau auf dem Zebrastreifen den Vorrang genommen“, berichtet er, „sie stürzte mit dem Kopf auf den Asphalt.“ Binnen eines Bruchteils von Sekunden ist aus einem gesunden Menschen ein Koma-Patient geworden. „Mit Helm wäre das ganz sicher glimpflicher ausgegangen.“ usw.

      Hoffentlich dauert es noch einige Jahre, bis die Versicherungswirtschaft auch diese Zielgruppe entdeckt und vor den BGH zerrt.

  11. Karsten Hilsen

    @Klau Bruns, 10. Juli 2018 at 17:06 + 17:09:

    Statt auf meine Argumentation einzugehen, kopieren Sie hier, mit unvollständiger Quellenangabe Teilaussagen einer Studie hinein.
    Die Teilaussagen stammen aus der Studie von Bellal Joseph, M.D.*, Asad Azim, M.D., Ansab A. Haider et al. aus dem Jahr 2015 und basiert auf Auswertung von Zahlen aus der US-Amerikanischen National Trauma Data Bank aus dem Jahre 2012.
    Mir liegt eine Veröffentlichung der Studie in dem „American Journal of Surgery“ aus dem Jahre 2016 vor.
    Die Studie enthält so auffällige methodische Fehlern und Fragwüdigkeiten, dass sie geradezu ein Paradebeispiel für die Praxis der selektiven Wahrnehmung durch den „Corfirmation Bias“ (Bestätigungsfehler) abgibt.

    Es geht den Autoren in keiner Weise darum, zu prüfen, ob Fahrrad“helme“ wirksam schützen. Das setzen die Autoren vielmehr ausdrücklich vorraus:
    Zitat des Einleitenden Satzes:
    „Helmets are known to reduce the incidence of traumatic brain injury (TBI) after bicycle-related accidents.“
    (Deutsch: Es ist bekannt, dass Helme die Schwere von Schädel-Hirn- Traumata nach Fahrradunfällen verringern können)
    (Das wäre dann zutreffend, wenn es sich bei Fahrrad“helmen“ um Helme handeln würde, was sie aber gerade / nicht/ sind)
    Weiter führen die Autoren gleich am Anfang aus:
    „Helmet use in bicycle riders is considered protective because of its inherent sense and logic“
    (Deutsch: (frei) Die Helmnutzung wird bei Radfahrern nach dem gesunden Menschverstand und inhärenter Logik als schützend angesehen. )
    Es geht den Autoren darum, zu belegen, wie groß die vorrausgesetzte Schutzwirkung von Fahrradhelmen ist.
    Mit derlei Ansätzen haben Wissenschaftler Jahrhundertelang „nachgewiesen“ dass die Sonne sich um die Erde dreht,
    Alle Feststellungen, die der Grundannahme widersprechen werden konsequent ausgeblendet.
    Die Betrachteten Fälle bei der Studie stellen keineswegs eine Repräsentative Teilmenge aller RadlerInnen mit Kopfverletzzugen dar. Vielmehr haben die Autoren nur diejenigen Fälle betrachtet, bei denen ganz bestimmte Verletzungsmerkmale diagnostiziert wurden. (Blutungen im Schädelinneren)
    Die problematisieren an keiner Stelle, wie groß diese Verletzungsart in Bezug auf alle Kopfverletzungen ist.
    Völlig ausgeblendet haben die Autoren Patienten, die direkt am Unfallort oder auf dem Weg zur Klinik gestorben sind.
    (Wenn hier eine relevante Anzahl „Helmträger“ war, (was die Autoren als „gegen Logik und gesundem Menschenverstand“ naürlich für ausgeschlossen halten,) sähe das Ergebnis völlig anders aus)

    Dass die Autoren die Patienten ausdrücklich auch nach dem Merkmal „weiße Rasse“ differenzieren, möchte ich nur am Rande erwähnen .
    Die Autoren problematisieren in keiner Weise, dass ihre Studie eine Schutzwirkung für das Gesicht „nachweist“, das von einem Fahrrad“helm“ in gar keiner Weise geschützt werden kann. Sie vermerken diesen völlig unplausiblen Befund vielmehr als weiteren Vorteil der Fahrrad“helme“
    Das ist ein Niveau von Grundschülern!

    Passend zu den methodischen Fehlern verweisen die Autoren auf jene unsägliche Studie von „Thompson, Rivarra, Thompson 1999″ die bei sachlicher Betrachtung eine Schutzwirkung von Fahrrad“Helmen“ gegen Knieverletzungen nachgewiesen hat
    Aus jener unsäglichen „Studie“ stammen im allgemeinen die „80% „, die von Helm-Apologeten in unterschiedlichen Varianten angeführt werden und auch hier im LZ-Artikel genannt werden.

    • es sollen auch schon angeschnallte autofahrer deswegen umgekommen sein, weil sie angeschnallt waren. ich sehe die helmdebatte gelassen. es kommt auf den unfall an, ob vorsorge geholfen hat, oder nicht. pauschale aussagen sind wie immer wenig zielführend. der mensch ist die summe seiner erfahrung. wer sich den kopf gestoßen hat, hätte sich gefreut, wenn er einen kopfschutz getragen hätte. wer sich das genick bricht, hat wohl kaum noch interesse an einen helm. ob die soldaten auch besser ohne helm unterwegs wären? bekanntlich schützt er ja nicht vor einem kopfschuss. adenauer hatte dafür gesorgt, dass soldaten wieder einen helm tragen müssen. schuld waren die starfighter , die ständig abgestürzt sind. schmunzel

    • Karsten Hülse

      Quelle faz
      Weniger Kopfverletzungen

      Dass es nach Einführung einer Helmpflicht insgesamt weniger und weniger schwere Kopfverletzungen bei Radfahrern geben würde, gilt als einigermaßen unstrittig. (Das gleiche würde übrigens auch für Fußgänger gelten, falls ein Gesetz vorschriebe, man dürfe sich nur noch mit Helm fußläufig im Straßenverkehr bewegen.) Dass der Helm nicht bei jeder Art von Unfall den Radfahrer schützt, ist ebenfalls klar. Die Studie geht nun von der Voraussetzung aus, dass jeder zweite durch eine Kopfverletzung getötete Radfahrer nach Einführung der Helmpflicht überleben könnte und jeder zweite schwer Verletzte nur leichte Kopfverletzungen davontrüge.

      Um das in Geldeswert umzurechnen, stützt sich die Studie auf Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO: Die hat für ihre Statistiken den Wert eines Lebens in Westeuropa auf etwas mehr als 1,5 Millionen Euro berechnet; eine schwere Verletzung schlägt mit 205.000 Euro zu Buche, eine leichte mit 16.000 Euro. Wenn man diese Werte nun, wie es Verkehrswissenschaftler Sieg getan hat, mit den Zahlen der deutschen Unfallstatistik verknüpft und berücksichtigt, dass zur Zeit nur 13 Prozent der deutschen Radfahrer einen Helm tragen, und schließlich noch die 401 Kilometer, die statistisch betrachtet jeder Deutsche im Jahr Rad fährt, ins Spiel bringt, dann ergibt sich: Der jährliche Nutzen einer Helmpflicht würde 570 Millionen Euro betragen, umgelegt auf die Strecke wären das 2,08 Cent je gefahrenen Kilometer.

  12. Andreas Janowitz

    Eijeijei… na das ist ja mal wieder richtig ausgeartet.

    Dann wollen wir mal: Nur um mit offensichtlichen Grundsätzlichen „Problemen“ aufzuräumen, in der Gleichung für Nm steckt eine quadratische Funktion? Bei doppelter Geschwindigkeit wirken die vierfachen Kräfte? Grundsätzlich sind Helme bei E-Bikes, die ja „nur“ ein paar km/h schneller fahren, sinnvoll? Ganz einfach weil die Kräfte enorm anwachsen? Es macht einen erheblichen Unterschied, ob man mit Beinkraft mit 20 km/h unterwegs ist, oder mit 40+km/h durchs Gelände brettert?

    Gleichermassen gilt für herranwachsende eine zweifache echte Gefährdung? Erstens durch die nicht ausgehärtete Schädelkallotte und zweitens durch die mangelde Erfahrung im Strassenverkehr? Demzufolge macht ein Helm für Kinder wiederum Sinn? Auch bei niedrigen Geschwindigkeiten?

    Zuletzt möchte ich anfügen, das in US Studien immer nach ethnischer Zugehörigkeit unterschieden wird, weil es Einkommensunterschiede wiederspiegelt? Weisse sind durchweg immer vermögender, also in der Lage überhaupt einen Helm zu kaufen? Und haben obendrauf entsprechende Krankenvesicherung um überhaupt in einer Studie erfasst zu werden? (Ein erheblicher Anteil der US Bevölkerung hat nicht die Mittel sich eine Krankenversicherung zu leisten, aber das ist nun wirklich ein ganz anderer Acker.)

    Demzufolge unterstreicht die proklamierte „Verschwörung der Versicherungsindustrie“ eher die prävalente Paranoia in der Bevölkerung, als eine tatsächlich vorhandene Bedrohung. Bei uns allen sitzen in paar Schrauben locker, weil über tausende Generationen nur die wirklich vorsichtigen überlebten…

  13. Karsten Hilsen
    nur mal zu klau bruns. ihre ergüsse kommen ebenfalls woanders her. ihre quellenangaben sind ein schlechter witz. den alarm den sie hier machen auch. was soll das ganze theater hier? ich bin immer ohne helm gefahren , nie ist etwas passiert. glück muss man haben. bei bestimmten unfallszenarien hilft der helm, bei anderen eben nicht. also,was soll das theater? die meisten menschen sterben übrigens im bett. und die hatten keinen helm auf.

  14. Hurra, es lebe der Nanny-Staat und seine Bekleidungsvorschriften! Schleierverbot für Frauen, Badeslip-Pflicht für Männer im Schwimmbad und Unisex-Plastikschalenzwang auf dem Kopf, aber nur, wenn man sich entschieden hat, ein bestimmtes Verkehrsmittel zu benutzen (Nein, es ist nicht die Straßenbahn!). Wozu noch Mailänder Modewoche und Berliner Fashionweek, wenn die Polizei eh vorschreibt, was getragen werden muß? Ich finde, jeder sollte selbst entscheiden, ob er aus Glaubensgründen eine Kopfbedeckung trägt oder nicht. Sei es das Kopftuch, weil er glaubt, damit Allah zu gefallen, oder die Hartschale, weil er glaubt, daß sie ihm magische Kräfte verleiht. z. B. gegen zwnghaftes Geisterradeln oder gegen das Überrolltwerden durch LKW an der nächsten Straßenkreuzung.

  15. Norbert Kasteinecke

    Diese Debatte hat einige Ähnlichkeiten mit der Diskussion in einer „Geschlossenen“.

    Wer darf als nächster den Napoleon machen.

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