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Der Park vorm Museum erklärt Geschichte. Museumschefin Dr. Heike Düselder weihte den Parcours mit ein. Foto: t&w

Ein Park voller Geschichte

Lüneburg. Einst wurde hier auf großen Holzrahmen bedrucktes Tuch getrocknet, um 1700 entsteht eine Kattundruckerei. Der Name des Parks erinnert noch heute daran: Wandrahm. Die Manufaktur wandelt sich 1787 in ein Krankenhaus, Um 1900 schließt es, an der Bögelstraße hat ein Neubau eröffnet. Die Volksbadeanstalt liegt hier zeitweilig, das Museum zeigt von 1891 an seine Schätze. Nicht nur das, die Stadt macht alles neu: Die alte Stadtbefestigung verschwindet, Arbeiter tragen in den 1860er-Jahren den Wandrahmwall ab. Zwischen Lösegraben und Ilmenau liegt nun eine Insel, die sich bis zur Bastion, dem heutigen Schifferwall, erstreckt – eine schicke Wohngegend für das wohlhabende Lüneburg.

Heute ist wieder alles ein wenig anders und der Park wirkt ein wenig wie der Vorgarten des Museums. Und nun nutzt diese ihn bewusster als vorher. Am Freitag luden Museumschefin Dr. Heike Düselder, Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Kulturausschussvorsitzende Birte Schellmann zu Sekt und Saft, um einen Parcours einzuweihen. Angesichts der Debatte über Umgang mit der NS-Geschichte sagte Mädge: „Es ist ein Ort des Lernens, Gedenkens und Erinnerns.“

Der Park ist ein Arboretum

Fünf Hinweistafeln erklären nun, wie viel Geschichte sich an der verkehrsumtosten Ecke bündelt. In Kurzform: Der Park ist ein Arboretum. Arbor ist das lateinische Wort für Baum, hier sind etliche unterschiedliche Gehölze zu finden, vom japanischen Schnurbaum über den Ginkgo und den Tulpenbaum bis zur Rosskastanie. Ein Mauerstreifen im Rasen soll an die alte Stadtbefestigung erinnern. Arrangierte große Feldsteine bilden die Steinkiste von Molbath bei Uelzen, ein Grabmal, das 1911 nach Lüneburg kam und rund 2200 Jahre alt sein soll.

Eine Erklärung bekommt die Pferdefigur, die ewig als „Telschows Nazi-Gaul“ galt. Otto Telschow war im Nationalsozialismus Gauleiter für Nordostniedersachsen. Er hatte sich die 1923 von Hans Krüger geschaffene Skulptur 1942 vor seinen Hof in Lopau stellen lassen. Die Verbindung: Das 1928 gegründete Kampfblatt der NSDAP, der Niedersachsen-Stürmer, trug im Titel ein springendes Pferd.

Beim Angriff starben Menschen

Am auffälligsten ist der Eisenbahnwaggon, der an ein Kriegsgräuel erinnert. Am 7. April 1945 flogen die Alliierten einen Bombenangriff auf Lüneburg. Im Bahnhof stand ein Zug mit Häftlingen aus einem Konzentrationslager. Die Wachmannschaften ließen niemanden aus den Waggons. Beim Angriff starben Menschen, weitere wurden später erschossen oder ins Lager Bergen-Belsen gebracht. 243 Tote wurden verscharrt und nach dem Einmarsch der Engländer umgebettet in ein Ehrenmal im Tiergarten.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. Werner Schneyder

    Es tut sich was in Lüneburgs Museumslandschaft. Ich hoffe nur, dass es so positiv weiter geht.