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Die „Herculetten“ aus Wendisch Evern vor einem ihrer Gefährte, natürlich eine „Hercules“. (Foto: t&w)

Alte Liebe rostet nicht

Wendisch Evern. Die „Herculetten‘‘ – das ist eine Gruppe von 16 Mofafahrern im Alter von 15 bis 57 Jahren in Wendisch Evern. Ihr Geld verdienen sie als Schlosser, Maurer, Motorradhändler, Bauer oder Friseurmeisterin. Ihr heißgeliebtes Hobby: „Mofa fahren!‘‘, sagt Heiko Thormann überzeugt. Schon in ihrer Jugend fuhren die älteren Mitglieder zusammen übers Land. Auf ihren Mofas natürlich. Vor einem Jahr nun haben sie ihre Leidenschaft neu entdeckt – die Mofa-Gruppe gegründet. „Wir waren alle wieder schnell infiziert“, sagt Thomas Assenheimer. Die perfekte Möglichkeit, um alte Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Dass die aktuellen Gefährte so aussehen müssen wie die Mofas von einst – Ehrensache! Assenheimer zum Beispiel hat sich das gleiche Modell wie früher in der selben Farbe noch einmal zugelegt. Sogar einige Jugendliche aus Wendisch Evern ziehen mittlerweile die „alten Kisten“ dem Motorroller vor. „So wächst das jetzt langsam‘‘, sagt Heiko Thormann und freut sich. Das Nesthäkchen der Gruppe ist 15 Jahre alt und hat nun endlich den Mofa-Führerschein gemacht.

„Wir sind alle Dorfkinder.“
Thomas Assenheimer, Mofa-Fahrer

Ihre Zweirad-Leidenschaften lassen sich die „Herculetten“ einiges kosten: „Da steckt in manchen Teilen ein Vermögen drin‘‘, bestätigt Thomas Assenheimer. Bis zu 1500 Euro geben die Mofa-Liebhaber aus, um ihre alten Schmuckstücke aufzumotzen. Die Ersatzteile werden hauptsächlich im „Mofastübchen‘‘ gekauft, einem Online-Shop. Zwar größtenteils Nachbauten, doch dadurch bekomme man fast alles, was man braucht. Das älteste Fahrzeug ist von 1978, da musste einiges dran gemacht werden – eine Hercules M5. Überwiegend fahren die „Herculetten“ die „Hercules Prima 5S“, eine „Optima 3“ befindet sich auch in der Mofa-Familie. Lange Strecken scheut niemand. Schon gar nicht, wenn ein neues Gefährt abgeholt werden soll. „Ich bin 500 Kilometer gefahren, um mein Mofa abzuholen‘‘, sagt Assenheimer. „Unser Schuppen ist unsere Werkstatt‘‘, erzählt Assenheimer weiter. Gibt es größere Probleme an den Maschinen, ist „Oberschrauber“ Heiko Thormann gefragt: Doch meist reichen schon „viel Liebe und Pflegemittel“, um die Mofas in Schuss zu halten. Den Menschen auf der Straße gefallen die Mofas: „Wir werden oft gegrüßt, wenn wir unterwegs sind“, sagt Assenheimer stolz.

Super angekommen ist auch eine Aktion des Vereins beim diesjährigen Schützenfest in Wendisch Evern. Denn da haben sie kurzerhand den Festumzug abgesichert. Ausgerüstet mit Warnwesten hatten sich die „Herculetten‘‘ mit ihren Mofas auf die Kreuzungen in Wendisch Evern gestellt und dem Umzug den Weg freigehalten. Warum? „Es hat sich so ergeben“, sagt Assenheimer und schiebt nach: „Die Polizei macht es ja nicht mehr!“ Probleme habe es nicht gegeben: „Ist ja keine Großstadt“, sagt er schmunzelnd – „die zwei, drei Autofahrer, die kamen, haben auch nicht gemault.‘‘

Mofa-Crew sichert Umzüge bei Schützenfesten ab

Es sei außerdem „selbstverständlich‘‘, dass sie den anderen Einwohnern des Dorfes helfen. „Man identifiziert sich unheimlich mit dem Dorf, wir sind alle Dorfkinder‘‘, sagt Thomas Assenheimer. Als Lohn für den Einsatz gab es anschließend Getränke, gesponsert vom Schützenverein. Der Einsatz sprach sich rum: Selbst aus Ochtmissen und Deutsch Evern kamen Anfragen, ob die „Herculetten‘‘ auch bei deren Schützenfesten die Straßen absichern könnten. Darüber freuen sich die Mitglieder. „Die Sicherheit der Bürger ist uns wichtig.“ Heiko Thormann merkt an: „Gefährlicher wäre es gewesen, wenn man gar nichts gemacht hätte.‘‘

Von Franziska Meyer