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Welches Schild gilt denn nun, 80 oder 100 km/h? Das ist für Autofahrer nicht einfach zu erkennen gewesen. (Foto: Privat)

Ein Ende wie in Schilda

Lüneburg. Der Schilder-Wirrwarr war offensichtlich, trotzdem glaubte sich der Landkreis im Recht und verhängte ein Bußgeld von 25 Euro gegen Wilhelm Strauch. Er sei zu schnell auf der Ostumgehung unterwegs gewesen. Der ehemalige Autobahnpolizist wehrte sich und fühlt sich nun bestätigt: „Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt. Ohne Begründung.“ Der Landkreis bleibt bei seiner Haltung. Eine Geschichte wie aus Schilda.

Bekanntlich saniert das Land die A 39 und ihren Ausläufer, die Ostumgehung. Vorigen November hatten Arbeiter daher von Lüneburg-Nord in Richtung Abfahrt Adendorf Absperrbaken aufgestellt. Auch das Tempo sollte gedrosselt werden. So pflanzten die Männer ein Tempo-80-Schild vor eins, auf dem 100 km/h vermerkt stand. Beide Zeichen standen keinen Meter voneinander entfernt. Ob vergessen wurde, das hintere Schild abzuhängen oder die Abdeckung verschwand, blieb offen.

Jedenfalls fuhr Wilhelm Strauch einen Tag später, in der Nacht zum 24. November, dort vorbei. Es blitzte. Das ärgerte ihn. Er steuerte am 25. November zum Ort des Geschehens und fotografierte die unklare Schil-derwelt. Wie erwartet erhielt er ein Ticket aus dem Kreishaus: Er sei mit 94 km/h und damit zu schnell ertappt worden. Die Geschwindigkeit bestritt Strauch nicht, aber ein angebliches Fehlverhalten – Widerspruch.

Der Landkreis befand, die Lage sei trotzdem klar, Strauch solle zahlen. Allerdings war er nicht allein mit seiner Kritik. Denn die Landesbehörde für Straßenbau hatte daraufhin nach eigener Aussage an der Bußgeldstelle des Landkreises angeklingelt: Arbeiter hätten sich am 24. November gemeldet. Deren Eindruck: Der Blitzer sei wohl zum Passfotoautomaten geworden. Beim Landkreis konnte man sich nicht an den Anruf erinnern.

Schließlich kam man selbst im Hause des Landrats darauf, dass irgendetwas nicht stimmte. Die Behörde räumte ein, dass man bei einer Kontrollfahrt auf Ungereimtheiten gestoßen sei und die Straßenmeisterei alles korrigiert habe. Gleichwohl sollte Wilhelm Strauch zahlen – das sah die Staatsanwaltschaft jetzt anders: Die Geschichte aus Schilda ging am Ende für ihn aus.
Trotzdem sagt Sprecherin Katrin Holzmann für den Landkreis: „Uns liegt die Entscheidung nicht vor. Wir bleiben dabei, dass die Beschilderung eindeutig war. Denn es liegt uns nur eine Beschwerde vor – die von Herr Strauch.“ ca

2 Kommentare

  1. Warum gibt es da überhaupt ein Verfahren? Die Schilder zeigen doch ganz genau: Für ~1 Meter soll 80 gefahren werden, dann 100. Warum man da ein Gerichtsverfahren braucht ist mir nicht klar.

    • Einsicht und Vernunft scheinen Fremdwörter in der Behörde zu sein. Sturheit und Rechthaberei scheinen auf dem Dienstplan zu stehen. Auf dem Foto ist eindeutig zu erkennen dass das Schild 100 hinter dem Schild 80 steht. Gültig ist immer das zuletzt stehende Schild. Das wiehern des Amtsschimmels ist über die Stadtgrenze hinaus zu hören.