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Margret Backeberg hat Erika und Rudolf Müller nicht nur zu vielen Möglichkeiten der Unterstützung beraten, sondern mit ihnen auch eine Notfallmappe zusammengestellt. Foto: phs

Mit den Lotsen das Wichtige regeln

Lüneburg. Drei wichtige Jahreszahlen nennen Erika und Rudolf Müller für ihr gemeinsames Leben: 1968 hat das Paar sich kennengelernt, ein Jahr später geheiratet, und 1970 sind sie in das Haus eingezogen, in dem sie noch heute leben. In ihrem Zuhause mit all den Erinnerungen möchten sie noch möglichst lange ein selbstständiges Leben führen. Doch mit zunehmendem Alter brauchen sie Unterstützung. Gut beraten sind die 87-Jährige und ihr 81-jähriger Ehemann durch Margret Backeberg. Sie ist Mitarbeiterin des Kooperationsprojektes „Lüneburger Alterslotsen“, das der Landkreis, das Klinikum und die Psychiatrische Klinik vor zwei Jahren auf den Weg gebracht haben.

Kontakt zum Projekt Alterslotsen bekam Rudolf Müller, als er im vergangenen Oktober im Krankenhaus lag. Seine Sorge galt seiner Frau, die leicht vergesslich ist und nicht mehr so gut alleine zuhause zurechtkommt. Das berichtete er Margret Backeberg, die ihn im Krankenzimmer besuchte. Den Tipp, bei ihm vorbeizuschauen, hatte sie von Ärzten des Klinikums bekommen. „Wenn sie den Eindruck haben, dass der Patient oder dessen Angehörige zu Hause Unterstützung gebrauchen könnten, wenden sie sich an die Alterslotsen“, berichtet Margret Backeberg.

Trio organisiert ein Versorgungsnetz

Für das Projekt im Einsatz sind drei examinierte Krankenschwestern sowie eine medizinische Fachangestellte – alle mit langjähriger Berufserfahrung. Ihr Job: Sie organisieren für die Teilnehmer knapp gesagt ein Versorgungsnetz, sodass diese möglichst selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können. Margret Backeberg ist examinierte Krankenschwester und war lange in der ambulanten Pflege tätig.

Nach dem Besuch bei Müller hakte Margret Backeberg kurz bei dessen Ehefrau nach, ob alles gut läuft. Die berichtete, dass eine Nachbarin sich kümmere. Einige Wochen, nachdem Müller die Klinik verlassen hatte, machte das Ehepaar dann einen Termin für ein erstes Gespräch mit der Alterslotsin. Denn sie waren sich einig, dass es gut sei, Tipps für mögliche Hilfen zu bekommen.

Wie sieht es mit der räumlichen Aufteilung aus?

Zum Auftakt verschaffte sich die Alterslotsin einen Eindruck von der häuslichen Situation: Gibt es Stolperfallen, die beseitigt werden sollten? Bedarf es zum Beispiel Hilfsmitteln wie Badewannenlifter oder Toilettensitzerhöhung? Und wie sieht es mit der räumlichen Aufteilung aus? Backebergs Vorschlag, das Schlafzimmer vom ersten Stock ins Erdgeschoss zu verlegen, fand das Ehepaar gut. „Denn meine Frau ist nicht mehr so gut zu Fuß, und die Treppe nach oben ist schmal. Außerdem befindet sich das Schlafzimmer nun direkt neben dem Bad“, sagt Rudolf Müller.

Backeberg fragte auch nach, wie es mit dem Essen sei – wohlwissend, dass es manch Senior nicht mehr schafft, selbst zu kochen und sich stattdessen nur noch mit Broten versorgt. „Viele wissen gar nicht, an wen sie sich wenden müssen“, ist ihre Erfahrung. Die Müllers allerdings versorgten sich längst mit Essen auf Rädern, ernähren sich auch sonst vitaminreich und gesundheitsbewusst. „Einkäufe, möglichst im Bio-Laden, erledige ich immer noch mit dem Rad“, berichtet der 81-Jährige.

Nach dem Gespräch Pflegegrad beantragt

Thema beim Gespräch war auch die Medikamenteneinnahme. „Dazu empfehlen wir Wochen-Dosetts mit Fächern für jeden Tag. Wenn jemand dabei Unterstützung braucht, kann auch ein ambulanter Pflegedienst helfen. Das gehört zu den Leistungen der Gesetzlichen Krankenkassen, die zum Beispiel der Hausarzt verordnen kann“, klärt die Alterslotsin auf. Mit ihr hat das Paar auch die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht überarbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht. Ganz wichtig, wenn jemand zum Beispiel im Krankheitsfall nicht mehr in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen. Kopien davon sind einer sogenannten Notfallmappe beigefügt, die auch den Medikamentenplan und eine Kopie vom letzten Klinikentlassungsbericht enthält – alles für den Fall, dass einer der Müllers ins Krankenhaus muss.

Nachdem sich die Alterslotsin einen Eindruck verschafft hatte, kam sie zu dem Ergebnis: Es sei sinnvoll, für Erika Müller einen Pflegegrad zu beantragen, „denn Frau Müller hat einen Hilfebedarf. Auch mit Blick darauf, dass ihr Mann als Unterstützung ausfallen kann, ist es wichtig, Grundpflege oder häusliche Pflege beizeiten zu organisieren“. Bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung war Backeberg dabei, „das war ein Stück Sicherheit“, sagt Erika Müller lächelnd. Gewährt wurde der Pflegegrad II. Dadurch ist finanziell gesichert, dass ein ambulanter Pflegedienst ins Haus kommt. Ende März, nachdem die 87-Jährige nach einer Herz-OP wieder zu Hause war, kam er fünfmal pro Woche, inzwischen einmal pro Woche für zwei Stunden. Die Mitarbeiterinnen des Dienstes sind beim Duschen und Haarewaschen behilflich oder unterstützen auch schon mal im Haushalt.
Das Fazit der Müllers: Die Rund-um-Beratung ist sehr hilfreich gewesen.

Margret Backeberg ist erreichbar unter (0172) 6183490.

Von Antje Schäfer

Lüneburger Alterslotsen

Schon 300 Senioren betreut

Das Projekt entstand 2016 mit Förderung des Landes Niedersachsen. Projektträger war der Landkreis, die Umsetzung übernahmen das Städtische Klinikum und die Psychiatrische Klinik. Das Ziel: Alte Menschen gezielt dabei zu unterstützen, möglichst lange selbstständig zu Hause leben zu können. Die Alterslotsen arbeiten eng mit den Hausärzten, im Fall eines Klinikaufenthaltes mit dem Krankenhaus und anderen Institutionen zusammen.

In den ersten beiden Jahren betreuten die Alterslotsen 300 ältere Bürger. Da das Projekt positive Ergebnisse erzielte, hat der Kreis nach Auslaufen der Förderung durch das Land die Finanzierung für zwei weitere Jahre übernommen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung unterstützt das Projekt weiter. Aus dem dreiköpfigen Team wurden vier Alterslotsinnen: Margret Backeberg, Renate Büscher, Monika Rehr und Angelika Schwager.

Die Teilnahme ist kostenfrei, Senioren können sich direkt an die Alterslotsen wenden. Weitere Informationen gibt es auf www.lueneburger-alterslotsen.de im Internet.

One comment

  1. Norbert Kasteinecke

    Ganz wichtige Sache das!
    Meine Erfahrung besagt, dass, wenn Du alt oder krank bist und niemanden hast, der sich kümmert – dann bist Du verloren.