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Sollte Lüneburg erneut den Zuschlag erhalten, müsste sich Dr. Antje Seidel (l.) neu auf die Koordinatorenstelle bewerben. Annika Weiser hat seit dem 1. Juli einen neuen Job, möchte dem Projekt aber verbunden bleiben. Foto: t&w

Eine Stadt der Zukunft

Lüneburg. Ein Vergabeschlüssel, der besonders benachteiligten Personengruppen Zugang zum regulären Wohnungsmarkt verschafft: Das ist die Maßnahme, die in der Stadt und auf dem Uni-Campus am meisten Zuspruch gefunden hat. Für Dr. Antje Seidel, eine der beiden Koordinatorinnen des Projekts „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“, der Beweis dafür, dass ihr Team den Nerv der Zeit getroffen hat. „Wohnen ist bundesweit eines der Schwerpunktthemen“, sagt sie. Wie berichtet, gab es im Mai eine große Marketingaktion, bei der Lüneburger die Möglichkeit hatten, die insgesamt 17 Maßnahmen für eine nachhaltige Stadt zu bewerten. In der LZ ist dazu eine Serie erschienen. Jetzt liegen die Ergebnisse der Umfrage vor.

17 Lösungen für Lüneburg in vier Themenbereichen

Berücksichtigt wurden auch die Bewertungen, die Besucher im Rahmen des Zukunftsstadt-Tages im Zentralgebäude abgegeben haben. Zwei Drittel der Befragten seien Studenten gewesen, sagt Seidel, deshalb sei diese Gruppe beim Gesamtergebnis entsprechend ihres tatsächlichen Bevölkerungsanteils gewichtet worden. Insgesamt haben 444 Personen ihre Meinung abgegeben – online wie offline. Nach der Maßnahme „Wohnen für alle“ wählten die Lüneburger „Bunt ist das neue Grün“ aufs Treppchen, eine Idee, die mehr Biodiversität auf Grünflächen beinhaltet. Aber auch der Ansatz eines neuartigen branchenübergreifenden Praktikumskonzepts sowie eines Austauschprogramms für beteiligte Unternehmen fand viel Anklang.

Auch um eventuelle Schnittmengen deutlicher zu machen, hatte das Team die 17 Lösungen für Lüneburg in vier Themenbereichen zusammengefasst. Voraussichtlich sollen unter diesen Überschriften später auch die Experimente stattfinden. Bei der Frage, welche der Maßnahmen zuerst umgesetzt werden sollte, war es auch der Wunsch nach Wohnfläche für alle Menschen, der am häufigsten genannt wurde. In einem anderen Feld wurde die Idee, ein Liefersystem per Lastenrad einzuführen, als besonders dringend bewertet. Und auch ein Ernährungsrat für Lüneburg überzeugte.

Jury entscheidet im Oktober, wer weiterkommt

Bestandteil des Antrags, der nötig ist, um sich für die dritte und letzte Phase zu bewerben, sind aber nicht nur die Maßnahmen mit den meisten Stimmen. Auch solche, die in ihrer Entwicklung weit vorangeschritten sind oder bereits von vielen Akteuren getragen werden, sollen darin vorkommen. Die Frist endet am 31. August, im Oktober findet die Sitzung der Expertenjury statt. Kurz darauf soll bekanntgegeben werden, wer sich qualifiziert hat. Derzeit sind noch 23 Städte, Landkreise und Gemeinden dabei, bis zu acht Kommunen kommen weiter. Unter ihnen soll eine siebenstellige Summe aufgeteilt werden.

„Wenn wir eine Zusage erhalten, müssen wir bis Ende November noch ein detailliertes Konzept einreichen“, sagt Seidel. Vorerst sei eine 15-seitige Bewerbungsskizze ausreichend. Wird Lüneburg ausgewählt, stehen ab 2019 für mehrere Jahre etliche Experimente bevor. Für den sperrigen Begriff Reallabor hat Seidel eine treffende Umschreibung gefunden: „Zeit zum Ausprobieren und Beforschen“.

Begrünung für einen historischen Hinterhof

Sie hat dafür auch ein Beispiel parat: „Wir haben eine E-Mail von einer Dame erhalten, die einen historischen Hinterhof hat und derzeit das Haupthaus umbaut.“ Im nächsten Jahr sei sie damit fertig und würde sich gern der Begrünung widmen. Doch welche Pflanzen eignen sich für Hinterhöfe und tragen gleichzeitig auch zur Biodiversität in der Stadt bei? Dabei würden die Zukunftsstadt-Experten helfen, das Projekt über einen längeren Zeitraum beobachten und daraus Erkenntnisse ziehen. „Das können wir wiederum auch für die Öffentlichkeitsarbeit nutzen, die Tipps anderen Lüneburgern zugänglich machen.“

Die detaillierten Umfrage-Ergebnisse sind unter www.lueneburg2030.de im Internet zu finden.

Von Anna Paarmann

Thema im Rat

Eindeutiges Votum

Der Rat der Stadt Lüneburg hat sich in seiner Sitzung am 28. Juni für das Projekt „Zukunftsstadt“ ausgesprochen. Prof. Dr. Daniel Lang hatte den Ratsmitgliedern zuvor das Nachhaltigkeitsprojekt vorgestellt. Dr. Karl-Heinz Rehbein, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt und Mitglied der Steuerungsgruppe, sagt zu dem einstimmigen Votum: „Damit haben wir eine breite Basis für die Bewerbung um Fördergelder für die dritte Projektphase. So rückt die Stadt gemeinsam mit der Universität einmal mehr das Thema nachhaltige Stadtentwicklung in den Fokus.“

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