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Die Gartower fordern, dass der Eichenprozessionsspinner aus der der Luft bekämpft wird. Foto: A

Verzweifelter Hilferuf

Gartow. „Die Lage“, sagt Gartows Samtgemeindebürgermeister Christian Järnecke (CDU), „ist ernst. Sehr ernst“. Gartows Verwaltungsoberhaupt spricht über die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners in den Wäldern der Samtgemeinde, in den Baum­alleen, in den Ortschaften. Seit zehn Jahren bereiten die Raupe und die von ihr abgesonderten Gift-Härchen der Verwaltung im Ostkreis Kopfzerbrechen und macht den Menschen, die dort leben, Angst. „Wir werden der Lage nicht Herr, alles, was unternommen wurde, lief ins Leere“, sagt Järnecke.

Die Population breitet sich weiter aus

Probleme, die man so in Lüneburg nicht hat: „Wir haben in den vergangenen Jahren den Eichenprozessionsspinner zusammen mit den Kommunen konsequent bekämpft“, sagt Lüneburgs Kreissprecherin Katrin Holzmann. Das mache sich jetzt bezahlt. Gleichwohl behalte man die Situation im Auge. Meldungen über Eichenprozessionsspinner-Vorkommen werden in einer Karte vermerkt, Ergebnisse werden im Herbst und Winter. „Dann schauen wir, ob und gegebenenfalls wo wir im kommenden Jahr bekämpfen müssen.“

Anders in Gartow im Landkreis Lüchow-Dannenberg: Hunderttausende Euro seien in den vergangenen zehn Jahren von öffentlicher Hand und privaten Grundstückseigentümern in die Bekämpfung des giftigen Schädlings investiert worden – vergeblich. „Die Population breitet sich weiter aus, begünstigt durch den Klimawandel“, meint Järnecke. Jetzt hat sich die Samtgemeinde mit einem Hilferuf an den Landkreis Lüchow-Dannenberg und die zuständigen Landesministerien und -behörden gewandt. Weil man, heißt es in einem Schreiben, Angst um die Sicherheit der Menschen habe. Und Angst davor, dass wegen des Spinnerbefalls die Touristen ausbleiben.

Angst davor, dass Touristen ausbleiben

„Der Gartower Samtgemeindeausschuss fordert den Landkreis als Aufsichtsbehörde sowie das bei der Koordinierung des Vorgehens gegen den Eichenprozessionsspinner federführende Niedersächsische Sozialministerium dazu auf, die flächendeckende Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners durch Besprühen aus der Luft im Frühjahr 2019 zu veranlassen“, heißt es in dem Schreiben. Bislang habe man die befallenen Eichen nur vom Boden aus mit einem Spezial-Insektizid besprühen können, was selbst das Land als unzureichend beschreibt, weil diese Form der Bekämpfung nicht den kompletten Baum erfasse, zudem „leider eine unkontrollierte Abdrift habe“ und auch sehr aufwändig sei – und für die Bekämpfung von Baumreihen abseits der Straßen oder Wäldern ungeeignet. Järnecke: „Es nützt nichts, wenn wir und private Eigentümer für viel Geld einen Teil der Bäume besprühen lassen, die Eichen in der Nachbarschaft jedoch unbehandelt bleiben und sich die Schädlinge von dort wieder ausbreiten können.“ Daher müsse der Landkreis handeln, fordert die Samtgemeinde.

Bekämpfung aus der Luft

„Die Beseitigung akuter Gefahrenquellen für Mensch und Tier steht dabei unbedingt im Vordergrund“, betont die Samtgemeinde. Aber auch „der Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft mit uralten Eichenbeständen im Elbetal, in Natur- und Landschaftsschutzgebieten und entlang der Alleen“ sei bedroht. Und: In den benachbarten Bundesländern habe eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus der Luft bereits stattgefunden. „Dort geht das. Warum nicht in Niedersachsen?“, fragt man sich in Gartow.

Mit dem Schreiben ging ein konkreter Forderungskatalog an den Kreis und die Ministerien in Hannover. Es müssten die „Voraussetzungen für eine flächendeckende Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in der Samtgemeinde Gartow aus der Luft“ geschaffen werden, man müsse sich „mit den Nachbarlandkreisen abstimmen, um eine gezielte Bekämpfung vorzunehmen“, und vor allem müsse der „Gesundheitsschutz der Bevölkerung höher bewertet werden als der Naturschutz“, heißt es in dem Papier aus dem Rathaus.

Von Rouven Groß

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