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Das ökologische Gleichgewicht ist in manchen Flüssen der Region, wie hier an der Neetze, durch die Trockenheit bedroht. Foto: t&w

Teurer Wasserklau aus Flüssen

Lüneburg. Wasser wird zur kostbaren Ressource in diesen Tagen und Wochen. Vor allem für Landwirte, deren Ernte auf den Feldern vertrocknet, deren Futterweiden d urch die gnadenlose Sonne verbrennen. Und weil nennenswerter Regen noch immer nicht in Sicht ist, kommt so mancher Landwirt schon mal auf dumme Gedanken. So wie der Mann, den jetzt Wulf-Rüdiger Hahn und seine Kollegen vom Fachdienst Umwelt beim Landkreis Lüneburg aufspürten. Der Mann aus dem Landkreis hatte eine Saugpumpe in einen Fluss gelegt und mit dem Wasser seine angrenzenden Futterwiesen gewässert. „Allerdings illegal“, wie Hahn betont. Aus welchem Fließgewässer sich der Wasserdieb bedient hat, will Hahn nicht verraten – um keine Rückschlüsse auf den betroffenen Landwirt zuzulassen. Allerdings droht dem Mann nun ein Bußgeld in Höhe von bis zu 50.000 Euro“, erklärt der stellvertretende Fachdienstleiter.

„Die illegale Wasserentnahme aus Flüssen und Seen ist kein Kavaliersdelikt“, macht der stellvertretende Fachdienstleiter unmissverständlich deutlich: Aufgrund der niedrigen Wasser-stände sei das ökologische Gleichgewicht schon jetzt empfindlich gestört. Die erhöhte Wassertemperatur, der niedrige Sauerstoffgehalt – alles das sind Stressfaktoren für die in den Bachläufen lebenden Wassertiere“, listet Hahn auf und fügt hinzu: Die illegale Wasserentnahme potenziert solche Probleme noch.“

Keine Reue bei ertappten Dieben

Hahn stellt damit auch klar, worauf es ihm und seinen Kollegen wirklich ankommt. „Uns geht es nicht darum, Landwirte zu bestrafen, sondern darum, unsere Fließgewässer zu schützen“, sagt der Umwelt-Experte.

Erstaunt ist Wulf-Rüdiger Hahn indes über das mangelnde Unrechtsbewusstsein der ertappten Wasserdiebe: Zur Rede gestellt kam als Antwort nur: „Ich wollte meine Weide grün bekommen.“ Dass die Betroffenen aus Unwissenheit handelten, glaubt Hahn nicht: „Die Landwirte wissen genau, dass sie kein Wasser zur Feldberegnung aus den Flüssen pumpen dürfen.“ Er und seine Kollegen sind nun fast täglich auf Kontrolltour im Landkreis unterwegs. Einer ist mit dem Kanu auf den Flüssen unterwegs, der andere kontrolliert vom Ufer aus. So entgeht den Umweltexperten keine illegale Wasserentnahme.

Beregnung des Grünlandes aus Fließgewässern ist verboten

Um die Wasserfrevler zu identifizieren, haben die Kontrolleure mehrere Möglichkeiten: Mitunter stehe nicht weit von der Pumpe entfernt der Traktor. „Dann können wir das Kennzeichen notieren und so den Halter und letztlich den Flächenbesitzer ausfindig machen“, verrät Hahn. Ist weit und breit nur Landschaft zu sehen, tun es auch GPS-Daten, um den genauen Standort, und damit auch den Weidenbesitzer zu identifizieren. Mitunter bekommen die Landkreis-Kontrolleure auch einen Tipp von dritten: Für Hahn ist das kein Denunziantentum, „sondern hier geht es um den Schutz unserer Gewässer!“

Die Beregnung des Grünlandes aus Fließgewässern ist also verboten. Das war allerdings nicht immer so. „In früheren Zeiten gab es durchaus Genehmigungen, Wasser aus Fließgewässern für die Feldberegnung zu pumpen“, erinnert Johannes Heuer, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, und setzt nach: „Aber das ist lange her.“ Heuer weiß sehr wohl um die Notsituation, in der sich seine Berufskollegen aufgrund der langanhaltenden Trockenheit zur Zeit befinden, aber er sagt auch klipp und klar: „Wenn die entsprechende Genehmigung fehlt und Landwirte gegen geltendes Recht verstoßen, ist das natürlich nicht zu unterstützen.“

Ausnahme gilt für Weidepumpen

Ausgenommen vom Verbot sind aber sogenannte Weidepumpen. Die dürfen nach wie vor genutzt werden, um das Vieh mit Wasser zu versorgen. „Die Tiere stoßen mit der Schnauze gegen einen Schalter, die Pumpe springt an und liefert das begehrte Nass“, erläutern Hahn und Heuer die Wirkweise der Tränken. Dagegen gilt das Verbot laut Hahn auch für Hobbygärtner: „Wer mit Gartenschlauch und Pumpe Wasser aus einem Fließgewässer befördert, macht sich ebenso strafbar wie der Landwirt.“ Erlaubt sei nur, Wasser mit Eimer oder Gießkanne zu schöpfen. Aber das ist eine schweißtreibende Angelegenheit.

Von Klaus Reschke