Dienstag , 18. September 2018
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Sie warten noch vergeblich auf einen Bus, der das Gewerbegebiet „Wittorfer Heide“ anfährt. Foto: t&w

Wenn kein Bus hält

Bardowick. Es gibt ausreichend Entwicklungsflächen für das Gewerbegebiet „Wittorfer Heide“ bei Bardowick. Auch die Nähe zur Autobahn A 39 und zur B 404 ist ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor für ansiedlungswillige Unternehmen. Ein profanes, jedoch entscheidendes In­frastruktur-Detail aber fehlt: Eine Bushaltestelle! Seit sechs Jahren kämpft Unternehmer Dorian Tackenberg darum, dass das Gewerbegebiet an den ÖPNV angeschlossen wird, damit auch Beschäftigte ohne Führerschein oder eigenes Auto ihren Arbeitsplatz erreichen können. „Das kann doch nicht so schwer sein, den Bus durch das Gewerbegebiet fahren zu lassen“, sagt der Tierfutter-Hersteller – musste sich bislang aber eines besseren belehren lassen.

18 Unternehmen haben sich bereits in dem Gewerbegebiet an der ehemaligen B 404 niedergelassen: die Bandbreite der Firmen reicht vom Tierfutter-Hersteller über Waagenbau, das Hermes-Verteilzentrum Lüneburg bis hin zu einem Strandkorbhersteller und einem Spezialbeschichter. Mehr als 16 Hektar groß ist das Gewerbegebiet, eine Erweiterung wird wohl nicht nicht mehr lange auf sich warten lassen. In der Bardowicker Samtgemeindeverwaltung denkt man bereits über weitere Bauabschnitte nach.

Arbeitstag beginnt morgens um 5.10 Uhr

Das alles findet Dorian Tackenberg auch nicht weiter verwerflich, im Gegenteil. Ihn empört aber, dass es in all den Jahren nicht gelungen ist, eine Bushaltestelle in dem neuen Gewerbegebiet aufzustellen. Und das hat Folgen: Nicht nur Azubis, die noch keinen Führerschein haben, müssen ab Bardowick zu Fuß ins Gewerbegebiet laufen, gleiches gilt auch für gestandene Mitarbeiter.

Alexander Flechtner ist 26 Jahre alt, wohnt in Bleckede und arbeitet als Lager- und Logistik-Fachkraft bei der Firma Tackenberg im Gewerbegebiet Wittorfer Heide. Flechtners Arbeitstag beginnt morgens um 5.10 Uhr. Mit dem Bus geht‘s dann zum Bahnhof in Lüneburg. Dort muss er einmal umsteigen in den Bus nach Bardowick. Von dort geht‘s dann die letzten knapp drei Kilometer zu Fuß entlang der alten B4 zur Arbeitsstelle. Und am Abend das ganze Retour: Flechtners Arbeitstag endet deshalb in der Regel erst um 18.30 Uhr. Würde der tägliche Fußmarsch dank einer Busverbindung in das Gewerbegebiet entfallen, „wäre ich abends schon gegen 17 Uhr zuhause“, rechnet Flechtner vor, der deshalb nicht der einzige ist, der sich die Busverbindung ins Gewerbegebiet wünscht.

Bus müsste nur einen kleinen Schlenker machen

„Bei uns hatte jetzt eine junge Dame ein Vorstellungsgespräch, die ebenfalls auf den ÖPNV angewiesen ist und ebenfalls von Bardowick aus zu Fuß zu uns gekommen ist“, berichtet Tackenberg. Im Sommer mag das vielleicht noch gehen – „im Winter und bei Dunkelheit aber ist das mehr als grenzwertig“, findet der Arbeitgeber.

Mehrfach habe er sich deshalb schon mit Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) in Verbindung gesetzt, sei aber immer nur vertröstet worden. „Dabei“, so Tackenberg, „fährt der Bus aus Bardowick direkt am Gewerbegebiet Wittorfer Heide vorbei. Er müsste nur einen kleinen Schlenker machen.“ Für den Unternehmer keine große Sache, für die Behörden offenbar schon. „Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe,“ sagt Tackenberg philosophisch, aber frustriert. Es ist der Kreis, der als kommunaler Aufgabenträger des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) aktuell die Aufstellung des 4. Nahverkehrsplans für den Zeitraum 2018 bis 2023 plant. Davon hängt beispielsweise ab, wie künftig Gewerbegebiete an den ÖPNV angeschlossen werden.

Gespräche mit dem Landkreis laufen

„Wir haben die Problematik mit dem Landkreis bereits intensiv besprochen“, sagt auf LZ-Anfrage Heiner Luhmanns Vertreter Arndt Conrad. „Wir haben auch eine Bedarfserhebung in allen Betrieben durchgeführt“. Das Ergebnis liege vor: „Insgesamt gebe es derzeit 431 Beschäftigte im Gewerbegebiet Wittorfer Heide, „von denen sich 133 vorstellen könnten, den Bus zu nutzen.“ Wenn er denn das Gewerbegebiet anfahren würde. Trotzdem, so Conrad weiter, sei das Gewerbegebiet Wittorfer Heide noch nicht in den Nahverkehrsplan aufgenommen worden. „Wir befinden uns da noch im Gespräch mit dem Landkreis. Wir werden da auch nicht locker lassen!“ „Die Samtgemeinde sollte jetzt schnell die aktuellen Zahlen der Abfrage dem Kreis übermitteln“, ermuntert Kreissprecherin Katrin Holzmann – möglichst mit Arbeits- und Schichtzeiten und Wohnorten der Beschäftigten, „damit wir eine vernünftige und sinnvolle Linienführung planen können.“ Denn was der Kreis verhindern wolle sei, das für viel Geld Haltestellen eingerichtet werden, die dann von „Geisterbussen“ angefahren werden, weil niemand sie nutze.

Von Klaus Reschke