Dienstag , 25. September 2018
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Der Umbau des Rathauses in Dahlenburg erweist sich als ungeahnt schwierig. Foto: t&w

Rathaus-Umbau mit vielen Fragezeichen

Dahlenburg. Mit vollem Herzen standen die Fraktionen im Samtgemeinderat Dahlenburg ohnehin nie hinter dem geplanten Umbau des Rathauses in Dahlenburg. Da mag ihnen die Absage aus dem Kreishaus gerade recht kommen. „Es hatte einen Bauantrag aus Dahlenburg gegeben, in dessen Zuge noch Pläne nachgereicht werden sollten“, berichtet Kreissprecherin Katrin Holzmann. Das sei jedoch nicht geschehen. Ergo sei das Verfahren aus Sicht des Kreises beendet. Wenn die Samtgemeinde ihre Umbau-Pläne trotzdem weiter verfolgen will, „muss sie jetzt einen neuen Bauantrag stellen.“

Kosten von 1,2 Millionen Euro

Die Samtgemeinde hätte gegen die Ablehnung des Bauantrages zwar Widerspruch einlegen können, darauf aber aus verschiedenen Gründen verzichtet.

„Die Entwürfe waren toll, für uns als Samtgemeinde aber zu teuer“, sagt SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp. Rund 800 000 Euro waren ursprünglich für den Um- und Ausbau des Gebäudes kalkuliert, inzwischen liegen die Kosten bei 1,2 Millionen Euro. „Das ist nicht mehr machbar“, zieht der Ratsvorsitzende und stellvertretende Bürgermeister Uwe Meyer (CDU) die Reißleine. Den Kostensprung erklärt Architektin Ute-Kerkering-Horn mit Schwierigkeiten, die bei den Vorplanungen offenbar wurden: In den 1970er Jahren habe die Samtgemeinde das nebenstehende Grundstück an die Sparkasse verkauft. Was damals nach Kerkering-Horns Worten niemandem auffiel – auch dem Landkreis als Bauaufsichtsbehörde nicht – war, dass die Sparkasse ihr Gebäude aus Sicht des Brandschutzes zu dicht am Rathaus errichtet hatte. Denn dadurch ist nun die Außenwand des Rathauses zur Brandwand geworden.

„Die Entwürfe waren toll, für uns als Samtgemeinde aber zu teuer.“ – Franz-Josef Kamp, SPD-Fraktionschef

Jetzt müssten zum Beispiel alle vorhandenen Fenster zugemauert werden oder die alten Fenster durch neue Spezialfenster, die 90 Minuten dem Feuer standhalten, sowie einer entsprechenden Brandmeldeanlage ausgetauscht werden. Das kostet Geld. Auf 400 000 Euro taxiert Kerkering-Horn die Kosten nur für brandschutztechnische Bestandsertüchtigung.

Jetzt überlegt man im Rathaus und in den Fraktionen, wie es weitergehen soll: „Wir werden uns mit dem Landkreis zusammensetzen“, sagt Uwe Meyer, „und schauen, was geht und was nicht geht.“

Grüne wollen Pläne begraben

Die Pläne endgültig begraben würden am liebsten die Grünen: „Jeder Bedienstete hat sein Büro und solange die Notwendigkeit nicht nachgewiesen ist, brauchen wir den Um- und Ausbau nicht“, sagt Grünen-Fraktionschef Jens-Peter Finck. Er bezweifelt auch, dass die kompletten 800 000 Euro, die im Haushalt stehen, überhaupt noch vorhanden sind. „Architektenhonorar, Gutachten, die Anträge zur Baugenehmigung, alles das hat schon Geld gekostet“, mahnt Finck, dessen Fraktion deshalb einen entsprechenden Antrag gestellt habe: „Wir wollen wissen, was das alles gekostet hat und woran es liegt, dass der Bauantrag abgelehnt wurde.“

„Ein undankbares Thema“, findet Uwe Meyer, der dem geplanten Rathausumbau ebenfalls nicht die allerhöchste Priorität einräumt: „Andere Projekte in der Samtgemeinde sind vielleicht wichtiger“, gibt er zu bedenken – Schulbau etwa, oder Investitionen in die Feuerwehr“, listet er beispielhaft auf.

„Das ist nicht mehr machbar.“ – Uwe Meyer, CDU, stv. Bürgermeister

Wie geht‘s nun weiter? Ein barrierefreies Rathaus ist Franz-Josef Kamp nach wie vor wichtig. Er möchte die Sparkassenräume in die Umbaupläne mit einbezogen wissen, den großen Sitzungssaal mit umbauen. „Dann muss man entgegen der ursprünglichen Planungen auch nicht im hinteren Bereich des Rathauses anbauen“, sagt der SPD-Fraktionschef. Wie es nun weitergehen soll mit dem Rathaus, entscheidet sich Ende August: Dann lädt die Verwaltung die Fraktionschefs zum Gespräch. Dann werden wohl auch wieder Vorschläge wie „Neubau“ oder „Anmieten“ auf den Tisch kommen.

von Klaus Reschke