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Achim Havemann, Vorsitzender des Sparklubs „De leddige Geldbüdel“, steckt einen Fünfer in sein Fach. Was am Ende des Jahres an Strafgeldern und an den kaum noch spürbaren Zinsen zusammenkommt, insvestiert der Club in gemeinsame Unternehmungen. (Foto: Behns)

Das Geld ist nur Nebensache

Bardowick. Er war jung, hatte mit 18 Jahren viele Freunde und gründete mit ihnen einen Sparclub. Heute ist Claus Meyer 68 und erinnert sich: „Ich hatte damals nie Geld in der Tasche, darum hatten wir unseren Bardowicker Sparclub ,De leddige Geldbüdel‘ genannt – der leere Geldbeutel.“ Vor 50 Jahren wurde der Club in der Bardowicker Gaststätte Cohrs – Diskothek Zur Ilmenau – gegründet, nun feiert er sein Jubiläum mit einem Grillfest samt Musik und Tanz im Wittorfer Gasthaus Zum Hohensand, seit zehn Jahren sein Domizil.

Sparclubs wirken wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, doch es gibt sie noch. Allein in Hansestadt und Landkreis Lüneburg existieren rund 170 Clubs, die ihr Geld bei der Sparkasse oder Volksbank einzahlen.

Der Begriff Sparclub lässt vermuten, dass es in den Gemeinschaften ums Sparen geht, doch um Geld geht‘s nur am Rande. Schon bei Gründung des „leddigen Geldbüdels“ stand in Paragraf 2 der Satzung zu den Aufgaben: „Der Sparclub ist bemüht, seinen Mitgliedern das gemütliche Beisammensein im Zusammenhang mit dem Sparen zu ermöglichen.“ Und der Spaß steht für die beiden Gründungsmitglieder Claus Meyer und Ernst-Peter Maack und die später eingestiegenen 36 Mitglieder heute noch im Vordergrund.

In jedem Verein gelten strenge Regeln

Bei allem Vergnügen gilt es jedoch immer noch, Regeln einzuhalten. Der Vorsitzende Achim Havemann (67), der ehemalige Berufsschullehrer ist seit 1989 im Verein, nennt Beispiele: „Damals hatten sich die Mitglieder verpflichtet, regelmäßig den Mindestbeitrag von 5 Mark pro Woche zu sparen und zu den ,ordnungsgemäß geladenen‘ Versammlungen drei oder vier Mal pro Jahr zu erschienen. Wer dies ,ohne triftigen Grund‘ versäumte, zahlte eine ,Ordnungsstrafe‘. In schwerwiegenden Fällen drohte sogar der Ausschluss.“ Das hat sich bis heute nicht geändert, allerdings sind es nicht mehr 5 Mark, sondern 5 Euro. Und wer bis Dienstagabend nichts eingesteckt hat, wird mit 2 Euro zur Kasse gebeten. Eine Neuerung allerdings gibt es: „Es dürfen nur Scheine eingeworfen werden, wir wollen kein Münzgeld. So lassen sich die Sparbeträge mittwochs besser am Sparkassen-Automaten einzahlen.“

Die Einzahlungen übernehmen die sogenannten Ausnehmer, die bei der Hauptversammlung zu Beginn jeden Jahres gewählt werden. Dabei spielt das Vertrauen eine große Rolle. Schlechte Erfahrungen haben die vorwiegend aus Bardowick, aber auch aus Adendorf und Lüneburg stammenden Mitglieder noch nicht gemacht. Beispiele dafür gibt es: In einem Club aus dem Landkreis Harburg hatte 2008 ein Kassenwart den Begriff „Ausnehmen“ wohl falsch verstanden: Er hatte in sechs Monaten 10 650,09 Euro eingezahlt, gespart worden waren allerdings 16 908,40 Euro – ein klarer Fall von Veruntreuung.

Die drastisch gesunkenen Zinsen bereiten Probleme

Leider hat sich für die 38 Mitglieder vom „leddigen Geldbüdel“ wie für alle anderen Sparer etwas zum Negativen gewandelt, Achim Havemann: „Die Zinsen sind drastisch gesunken.“ Der Club leistete sich jetzt zum 50-jährigen Bestehen eine Flusskreuzfahrt mit der „MS Swiss Crown“ von Köln nach Amsterdam und über Nijmegen zurück nach Köln – nur der geringste Teil konnte aus der Gemeinschaftskasse finanziert werden.

Solch größere Veranstaltungen standen anfangs noch nicht auf dem Programm, Havemann sagt: „Das langfristige Sparen war zunächst gedacht für gemeinsame Unternehmungen wie Kegeln, Skat und Knobeln sowie das Weihnachtsessen.“ Später kamen andere Aktivitäten wie Städtereisen, Theaterbesuche und das alljährliche Sommerfest hinzu. An eine Tour erinnern sich die Vereinsmitglieder besonders: „Die legendäre Fahrt nach Rüdesheim und Bingen 1983, bei der der Zug der Deutschen Bahn eine Sondergenehmigung für den Halt in Bardowick erhielt.“ Das 25-jährige Bestehen wurde in einem Budapester Hotel gefeiert, das 40-jährige in Wien.

Der Großteil der Mitglieder gehört der Generation 60plus an, von Nachwuchssorgen spricht Achim Havemann nicht: „Wir haben eh nur 40 Sparfächer bei 38 Sparern. Aber wer weiß, wie es in zehn Jahren aussieht?“

Von Rainer Schubert