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Den Posten können sich Eltern bei der Auflistung der eigenen Haushaltsführung künftig sparen: Die Kita-Betreuung ist für sie jetzt kostenfrei. (Foto: drubig-photo)

Kita-Eltern können entspannen

Lüneburg. Klappt der Einstieg in die beitragsfreie Kita? Lange haben Politik und Kommunen in Niedersachsen miteinander gerungen, strittig war, wer welchen Anteil an der millionenschweren Entlastung der Kita-Eltern tragen soll. Im April schließlich einigte man sich auf ein gemeinsames Finanzierungskonzept, im Juni folgte das Gesetz – so spät, dass wegen der geringen Vorbereitungszeit von einigen selbst ein Fehlstart am 1. August nicht ausgeschlossen wurde. Dazu wird es zumindest in Lüneburg wohl nicht kommen.

Eltern, die ihre Kinder beitragsfrei betreuen lassen, können ihre Zahlungen ab August einstellen. Das bestätigte die Stadt auf LZ-Nachfrage. Man sei zuversichtlich, dass entsprechende Absprachen mit dem Land auch eingehalten werden, schließlich gebe es eine schriftliche Zusage. „Wir gehen davon aus, dass das Land seiner Verpflichtung pünktlich nachkommen wird“, teilt Pressesprecherin Ann-Cathrin Behnck mit. Das bekräftigt auch das zuständige Kultusministerium in Hannover. Es sei sichergestellt, dass die erhöhten Abschläge mit Beginn des neuen Kindergartenjahres über die Niedersächsische Landesschulbehörde an die Träger ausgezahlt werden. „Die Einrichtungen müssen keine Zahlungsengpässe befürchten“, betont Minister Grant Hendrik Tonne. Eine gesonderte Antragstellung der Träger der Einrichtungen sei nicht erforderlich, die Abschlagszahlungen erfolgten automatisch.

Horte und „Ümis“ gehen leer aus

Wie sehen die Regelungen in Lüneburg nun genau aus? Bis zu acht Stunden werden Kinder beitragsfrei betreut, „in welches Zeitfenster der Kitabetreuungszeit diese Stunden fallen, ist dabei unerheblich“, erklärt Behnck. Ob von 7 bis 15 Uhr oder von 9 bis 17 Uhr, jede Variante ist möglich, sofern die Einrichtungen diese Zeiten anbieten. Die individuellen Betreuungszeiten würden mit den Eltern zuvor vereinbart. Wer sein Kind über diese Regelzeit hinaus betreuen lassen möchte, muss dafür allerdings weiter bezahlen, die Stadt geht aber von annähernd gleichen Sätzen wie bisher aus. Diese extra zu zahlenden Randzeiten sollen einmal im Monat zusammen mit dem Essensgeld abgerechnet werden.

Profitieren von der neuen Beitragsfreiheit werden alle Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung, sofern sie eine Kindergartengruppe oder Krippengruppe besuchen. Einrichtungen wie Horte und Übermittagsbetreuungen (Ümis) gehen leer aus, in der Regel auch Kinderspielkreise und Betriebskindergärten, sofern sie nicht ein Drittel ihrer Plätze öffentlich anbieten.

Kosten nur bei mehr als acht Stunden Betreuung

Unklar war lange, ob auch Eltern, die ihre Kinder von einer Tagesmutter betreuen lassen, ebenfalls entlastet werden. Weil diese Betreuung aber zum Bereich Tagespflege gehört, der nicht unter die Beitragsfreiheit falle, ist diese Betreuung weiter kostenpflichtig, erklärt Ann-Cathrin Behnck.

Eine dieser Tagesmütter ist Kerstin Voss. Die Ebensbergerin fühlt sich nicht gut informiert. Aktuell betreue sie fünf Kinder, wie es ab August weitergeht, wisse sie nicht. „Ich habe mich bei mehreren Stellen erkundigt, aber entweder fühlte man sich nicht zuständig oder man wusste es selbst noch nicht.“

Die Stadt erklärt, es habe regelmäßig engen Gesprächskontakt mit dem Kita-Stadtelternrat gegeben. Die freien Träger selbst seien am 20. Juni durch Sozialdezernentin Pia Steinrücke informiert worden. „Alle aktuellen Informationen hat die Hansestadt zudem über einen Mailverteiler an die freien Träger weitergegeben“, sagt Pressesprecherin Behnck.

„Kein Problem“ mit der Umstellung sieht Astrid Lüneburg, Leiterin der Awo-Kita in der Julius-Wolff-Straße. Sie fühle sich von der Stadt gut informiert, ihre Empfehlung: „Ruhe bewahren, wenn etwas nicht gleich perfekt läuft.“

Entspannt zeigt sich auch Marita Schwarzer. Die betriebswirtschaftliche Geschäftsführerin des ev.-lutherischen Kindertagesstättenverbands Lüneburg rechnet nicht mit Einnahmeausfällen: „Das Land will die Abschlagszahlungen erhöhen, zur Not springen die Kommunen ein.“ Die Bescheide an die Eltern für das ab 1. August beginnende neue Kindergartenjahr gingen wegen der Umstellung allerdings etwas später als gewohnt he­raus. „Da wird dann in der Regel null Euro draufstehen.“

Von Ulf Stüwe