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Das Entwicklungskonzept sieht unter anderem vor, durch eine stündliche Busverbindung zwischen Vögelsen und Bardowick den Bahnhof besser in den ÖPNV zu integrieren. (Foto: stb)

Wenn Dörfer weiter wachsen

Bardowick. Dem Zufall möchte die Samtgemeinde Bardowick nichts überlassen. Lieber greift sie auf eine bewährte Vorgehensweise zurück. Rat und Verwaltung haben daher ein Konzept aufgelegt, das die Entwicklung der Kommune mit ihren sieben Mitgliedsgemeinden bis 2030 steuern soll. Der Entwurf liegt jetzt vor.

„Bereits 2006 hatten wir auf Basis eines Entwicklungskonzeptes Verträge mit den Gemeinden geschlossen über deren Weiterentwicklung bis 2015. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Arndt Conrad, stellvertretender Verwaltungschef der Samtgemeinde. Die koordinierte Planung hat ihm zufolge gut funktioniert, weil sich die Mitgliedsgemeinden an die Empfehlungen aus dem Entwicklungskonzept gehalten haben.

2660

Personen mehr werden laut Prognosen 2030 in der Samtgemeinde Bardowick leben. Die Einwohnerzahl läge bei 20 255 – ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2016.

„In diesem Geiste wollen wir weitermachen. Die Erkenntnisse aus dem neuen Entwicklungskonzept werden in die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes einfließen“, kündigt er an. Ein zügelloses Wachstum der größten Samtgemeinde im Landkreis Lüneburg wollen Politik und Verwaltung unbedingt vermeiden. „Wir wollen stattdessen einen Leitfaden für die Entwicklung der Infrastruktur erstellen, den die Gemeinden dann in Kooperation und enger Absprache in die Tat umsetzen.“

Wohnraum

Die Wünsche der Gemeinden hat ein Ingenieurbüro für Stadtentwicklung und Mobilität nun unter die Lupe genommen. Dafür wurden die geplanten Neubautätigkeiten in den Kommunen für die kommenden Jahre abgefragt. Die Experten haben das Ergebnis daraus als Grundlage genommen für eine Prognose über die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung. Die Planungen bis zum Jahr 2030 umfassen den Neubau von 908 Wohneinheiten samtgemeindeweit. Ein Großteil dieser geplanten Wohneinheiten (rund 85 Prozent) ist als Eigentumsobjekt in Individualbauweise (Einfamilienhaus oder Doppelhaushälfte) vorgesehen.

Bevölkerung

Die Bevölkerungszahl könnte nach Worten der Experten bis zum Jahr 2030 um rund 2660 Personen auf dann 20 255 Einwohner ansteigen. Das wäre ein Plus von rund 15 Prozent im Vergleich zu 2016. „Beim Vergleich der Bevölkerungszahlen für die Jahre 2016 und 2030 wäre der absolute Zuwachs vor allem im Flecken Bardowick (etwa +820) sowie in Vögelsen (rund +650) deutlich. Relativ gesehen würde vor allem Vögelsen mit +28% hohe Zuwächse verzeichnen, für die anderen Mitgliedsgemeinden können Entwicklungsraten zwischen etwa +10% (Wittorf) und rund +18% (Barum) abgelesen werden“, heißt es in dem Gutachten.

Soziale Infrastruktur

Auf dieser Basis hat das Ingenieurbüro die möglichen Folgen auf Einrichtungen und Angebote der sozialen Infrastruktur ermittelt. Als eines der wichtigen Handlungsfelder nennt das Entwicklungskonzept die Kinderbetreuung. Für die Betreuung der unter drei Jahre alten Kinder in Krippen sowie der Mädchen und Jungen in den Kindergärten sollte demzufolge beachtet werden, dass einzelgemeindliche Ausbauüberlegungen kaum zielführend seien. Unter anderem deswegen, weil damit Kapazitäten geschaffen würden, die auf lange Sicht gar nicht benötigt werden. „Dort, wo sich Möglichkeiten für eine vorübergehende oder dauerhafte Umwidmung nicht benötigter Plätze beziehungsweise die Einrichtung altersgemischter Gruppen ergeben, sollten diese im Sinne einer möglichst optimalen Ausnutzung der bestehenden räumlichen Kapazitäten genutzt werden“, schlagen die Experten vor. Kurzum, vorausschauende, intelligente, flexible Planungen und Lösungen sind gefragt.

Auch müssten die Gemeinden bei allen Ausbauüberlegungen für Kitas über mögliche Nachnutzungen der Gebäude nachdenken, zum Beispiel als Begegnungs- oder Betreuungsangebote für Senioren. Denn auch die ältere Generation dürfe neben der ganz jungen bei der weiteren Planung keinesfalls zu kurz kommen.

Senioren

Die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung in der Samtgemeinde zeigt überdies einen deutlichen Anstieg der Zahl der älteren und alten Menschen, die in den Orten leben werden. Dadurch stellen sich in der Samtgemeinde Bardowick zusätzliche Bedarfe nach Gesundheits- und Pflege-Dienstleistungen sowie spezifischen unterstützenden Angeboten wie etwa „Essen auf Rädern“ ein, so die Gutachter. Sie fordern: „Ein wesentliches Ziel muss in den kommenden Jahren sein, bedarfsgerechte Unterstützungs- und Betreuungsstrukturen für Menschen im Seniorenalter zu gewährleisten.“

Öffentlicher Nahverkehr

Unter die Lupe genommen haben sie darüber hinaus den ÖPNV. Dieser spielt laut Gutachten lediglich im Bahnverkehr in Richtung Lüneburg und Hamburg, im Stadtbusverkehr in Richtung Lüneburg und im Schülertransport eine Rolle. Für Alltagswege innerhalb der Samtgemeinde bestehen entweder keine oder gegenüber den anderen Verkehrsträgern wie dem Auto kaum attraktive Verbindungen. Auch zwischen den größeren Gemeinden Vögelsen und Bardowick mit dem dazwischenliegenden Bahnhof gibt es nur einen Vier-Stunden-Takt an Werktagen. Daher räumen die Fachleute dem Ausbau des ÖPNV, neben flankierenden Maßnahmen für Fußgänger und Radfahrer, eine entscheidende Stellgröße ein, welche die Belastung durch den Kfz-Verkehr senken kann.

Vorschläge für die Optimierung des ÖPNV in der Samtgemeinde sind unter anderem: stündliche Busverbindung zwischen Vögelsen und Bardowick mit Anbindung an den Bahnhof Bardowick, Ergänzung durch ein Busangebot Bardowick-Wittorf-Barum-Bütlingen-Tespe, Einrichtung eines 60-Minuten-Takts Lüneburg-Bardowick-Handorf mit Bedienung des Gewerbegebietes Wittorfer Heide, Einrichtung eines Anruf-Sammel-Mobils (ASM) zwischen Winsen und Handorf mit Anschluss zum Zugverkehr am Bahnhof Winsen, ASM zwischen Radbruch, Rottorf und Handorf. stb

Der Entwurf des Entwicklungskonzeptes liegt noch bis Freitag, 17. August, öffentlich im Rathaus der Samtgemeinde Bardowick, Schulstraße 12 (Zimmer E 23), aus.

Von Stefan Bohlmann

One comment

  1. „Ein wesentliches Ziel muss in den kommenden Jahren sein, bedarfsgerechte Unterstützungs- und Betreuungsstrukturen für Menschen im Seniorenalter zu gewährleisten.“
    warum soll das die aufgabe der kommunen sein und nicht der wirtschaft? herr Bohlmann, wissen Sie das?