Aktuell
Home | Lokales | Ein Lächeln als Belohnung
Wird in der Salzstraße zu schnell gefahren, wie es Anwohner beklagen? Darüber sollen die Messungen in diesen Tagen Aufschluss bringen. (Foto: be)

Ein Lächeln als Belohnung

Lüneburg. Es soll ja Autofahrer geben, die gelegentlich ein wenig schneller unterwegs sind, als sie dürften. Und unter diesen Temposündern sollen Exemplare sein, die das gar nicht mutwillig und auch nicht regelmäßig machen, sondern eher, weil sie mal einen Moment nicht aufgepasst haben oder kurz abgelenkt sind. Jene Autofahrer brauchen meist nur eine kleine Erinnerung, dass sie doch lieber mal den Fuß etwas vom Gas nehmen sollten. Und weil ein Polizist mit mahnendem Zeigefinger und ernstem Blick nicht ständig verfügbar ist, setzt die Stadtverwaltung für solche Fälle auf die Technik: Durch die am Straßenrand angezeigte Geschwindigkeit und die grafische Darstellung eines Gesichtsausdrucks erhält ein Autofahrer eine prompte Rückmeldung, ob er gerade zu schnell unterwegs ist– dann erscheint ein trauriger Smiley – oder ob er vorschriftsmäßig fährt – und ein lächelnder Smiley erscheint.

Acht solcher Tempomessgeräte hat die Stadt Lüneburg, vier davon mit festem Standort: Zwei stehen am Ochtmisser Kirchsteig, eines an der Dahlenburger Landstraße in Höhe der Igelschule, eines Vor dem Neuen Tore in Höhe der Hermann-Löns-Schule. Die anderen vier Exemplare, jedes kostet gut 2000 Euro, „wandern“ quasi durch das Stadtgebiet.

Beschwerden von Anwohnern

Eines steht aktuell an der Salzstraße, die für den regulären Verkehr tagsüber tabu ist, ab 19 Uhr aber durchaus passiert werden darf. Anwohner hätten sich beschwert, dort werde zu schnell gefahren, das verursache Lärm und Erschütterungen, heißt es als Begründung aus der Verwaltung. Doch es geht nicht nur um die reine Geschwindigkeit, die Geräte messen mehr. Ann-Cathrin Behnck aus der Pressestelle der Stadt verdeutlicht: „Wir können dort die tatsächlichen Verkehrszahlen feststellen und so gezielter nach einer Lösung für alle Parteien suchen.“ Heißt im Klartext: Deckt sich der Eindruck der Anwohner mit den in diesen Tagen gemessenen Realitäten, könnte die Verwaltung prüfen, wie sie den Zustand ändern kann.

Behnck verdeutlicht: „Zum einen werden aus den Ergebnissen die Verkehrsbelastungen zum Beispiel für den Sanierungsbedarf von Straßen gezogen, zum anderen werden die Geschwindigkeitsdaten an den Landkreis und die Polizei für sanktionierende Messungen im eigenen Zuständigkeitsbereich weitergegeben.“ Beispiele aus der Vergangenheit: „Oberbürgermeister Ulrich Mädge hatte für den Ochtmisser Kirchsteig in der Bürgerversammlung im vergangenen Jahr die Zusage gegeben, die Straße zu begutachten und die Geschwindigkeit dort auf Tempo 20 zu senken, um Senkungsschäden durch Erschütterungen zu minimieren. Und an der Theodor-Heuss-Straße im Bereich des Johanneums haben die Messungen zu der Entscheidung geführt, dort ein Tempo-30-Streckengebot anzuordnen.“

Tempomesser zum Schulanfang in Schulnähe aufgebaut

Neben nörgelnden Anwohnern, Anregungen von Bürgern und Appellen von Ortsvorstehern oder Ortsbürgermeistern könnten auch „verwaltungseigene Beobachtungen“ ein Grund sein, die Messgeräte an kritischen Punkten oder Strecken im Stadtgebiet aufzustellen.

Wenn im Fall der Fälle über Lösungen für die Salzstraße gebrütet wird, ist das Messgerät derweil schon wieder im nächsten Einsatz, denn im Regelfall bleibt jedes der vier „Wander-­Exemplare“ nur sieben bis zehn Tage „zum Sammeln von Orientierungswerten“ an einem Standort. Spätestens zum Schuljahresbeginn werden sie dann wieder in der Nähe von Schulen aufgestellt, um die Autofahrer freundlich daran zu erinnern, für die Kinder den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

Von Alexander Hempelmann

One comment

  1. Sollten die Dinger mal in der ganzen innen Stadt hin hängen das Gesicht würde nie wieder grinsen .