Dienstag , 25. September 2018
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Auf dem Gelände des Ölhofes lebt seit Jahren der Bleckeder Henning Bendler. Er hat sich die Erforschung der Geschichte des Geländes zur Aufgabe gemacht, maßgeblich auch zur Aufarbeitung der Schadstoff-Frage beigetragen. Ein Kunstwerk aus Trümmern des ehemaligen Tanklagers steht vor seinem Haus. (Foto: t&w)

Stillstand bei der Schadstoffsuche

Bleckede. Was steckt im Boden des Bleckeder Ölhofes? Geklärt werden sollte diese Frage eigentlich schon 1991, denn seitdem ist aktenkundig, dass das Gelände am Ortsrand von Bleckede verseucht sein könnte. Doch die Behörden ignorierten die mögliche Kontamination des ehemaligen Marine-Tanklagers, mehr als 20 Jahre lang.

Erst als die LZ das Versäumnis im März 2015 öffentlich machte, versprach die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Eigentümerin des Geländes „eine vollständige Gefahrenermittlung“. Ende 2017 sollten Ergebnisse der ersten Bodenproben vorliegen. Das hieß es zumindest im Februar vergangenen Jahres (LZ berichtete). Doch nun stellt sich heraus: Bisher sind noch nicht einmal die Proben selbst veranlasst worden.

Was die BImA seit 2015 abgeschlossen hat, ist die „Historisch genetische Rekonstruktion“. Ein Aktenstudium. 57 nationale und internationale Quellen aus zwölf Instituten seien ausgewertet worden, erklärte die BImA im Februar 2017. Das Ergebnis: Es gibt auf dem Ölhof insgesamt 19 kontaminationsverdächtige Flächen, wo etwa Öl-Tankanlagen, Pipelines oder Verladeeinrichtungen für Kesselwagen standen. Dort sollten Bodenproben genommen und analysiert, parallel eine Kampfmittelsuche durchgeführt werden.

Abstimmung mit dem Umweltamt

Doch passiert ist von all dem bisher nichts. Auf Nachfrage erklärt die Pressestelle der BImA: „Im Januar 2017 haben wir Ihnen mitgeteilt, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Orientierende Untersuchung im selben Monat veranlasst hat.“ Doch im Nachgang habe man das Erkundungskonzept mit dem zuständigen Umweltamt abgestimmt. „Im Zuge dessen wurde festgestellt, dass aus natur- und artenschutzfachlichen Gründen die Aufschlussarbeiten/Bohrarbeiten nicht zwischen dem 1. Oktober und 31. März durchgeführt werden dürfen.“

Historie

Versorgung der Kriegsmarine

Der Ölhof umfasst rund 90 Hektar und hat eine mehr als 100-jährige Nutzungsgeschichte. Mit dem Bau des ehemaligen Bauhofes wurde 1917 begonnen, um die Versorgung der Kriegsmarine mit Treibstoff durch Tanklager im Hinterland zu gewährleisten. Es folgte der Ausbau einer Schienenanbindung nach Lüneburg.

Die erste Öleinlagerung fand 1928 statt. Von 1946 bis 1948 wurde der Ölhof unter Aufsicht der britischen Militärregierung schließlich demontiert. Bis zum Jahr 1968 folgte dann die Enttrümmerung. Seit 1958 werden die Flächen durch die Zollhundeschule und die Bundespolizei vor allem als Übungsgelände genutzt.

Dazu kamen weitere offenbar unerwartete Schwierigkeiten: Ausschreibungsfristen des öffentlichen Vergaberechtes und personelle Engpässe der Bauverwaltung. „Das hat zu unserem großen Bedauern dazu geführt, dass die Leistungen zur Orientierenden Untersuchung erst jetzt ausgeschrieben werden“, erklärt die Pressestelle. Und das bedeutet: „Wir können frühestens für Ende dieses Jahres Ergebnisse erwarten.“

Die BImA versichert allerdings, dass sie „ein hohes Interesse an den Ergebnissen“ habe. „Das zeigt sich schon allein darin, dass die BImA die Orientierende Untersuchung proaktiv und freiwillig auf eigene Kosten veranlasst hat“, heißt es aus der Pressestelle. Offiziell sei für diese Bodenuntersuchung eigentlich „das kommunale Umweltamt“ zuständig. Der Landkreis Lüneburg hingegen bestreitet das. „Die Verantwortlichkeit liegt aus unserer Sicht bei der BImA“, erklärt Isabell Wesselink aus der Pressestelle des Landkreises.

So oder so hat die BImA die Verantwortung nun übernommen – und wird nach eigenen Aussagen im Ernstfall „die nachgewiesenen Altlastenflächen nachhaltig sanieren“. Bevor das feststeht, müssten die Ergebnisse der Bodenproben allerdings zunächst den Kontaminations-Verdacht erhärten und daraufhin weitere Detailuntersuchungen folgen. Das Vorgehen erklärte die Behörde bereits im Februar 2017.

Schon lange Hinweise auf Belastungen

Anzeichen für eine Belastung des Ölhofes, auf dem Stoffe wie Braunkohlenteeröl, Petroleum und Fluorescein lagerten, gab es seit Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder. Zum Beispiel eine Grünfärbung des Trinkwassers. Doch unternommen wurde schon damals lange Zeit nichts. Erst 1990 beauftragte das Land Niedersachsen den TÜV Hannover im Rahmen einer „Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen“ mit der „Erfassung und Erkundung“ des ehemaligen Marine-Tanklagers. Ein Gutachter empfohl daraufhin die Schadstoff­analyse. Die Ergebnisse gingen an Bund, Land und auch an den Landkreis Lüneburg. Doch gehandelt hat bis 2015 allerdings niemand.

Von Anna Sprockhoff