Aktuell
Home | Lokales | Der doppelt gute Zweck
Noch schauen Dr. Harald Grürmann (r.) und Dr. Andreas Heinen vom Kirchenvorstand St. Johannis auf das Gerüst in dem Turmzimmer, in dem künftig die neue Singschule untergebracht werden soll. (Foto: us)
Noch schauen Dr. Harald Grürmann (r.) und Dr. Andreas Heinen vom Kirchenvorstand St. Johannis auf das Gerüst in dem Turmzimmer, in dem künftig die neue Singschule untergebracht werden soll. (Foto: us)

Der doppelt gute Zweck

Lüneburg. Lange schon war klar, die Elisabeth-Kapelle in St. Johannis ist auf Dauer nicht der passende Ort für die Proben der Kinder- und Jugendchöre der Kirchengemeinde. Zu sehr setzt die Feuchtigkeit dem wertvollen Altar und den historischen Holzschränken zu. Ein weiteres Prob­lem ist die schlechte Akustik. Nun steht ein Umzug in das renovierungsbedürftige Turmzimmer der Kirche an. Dass es klappt, ist unter anderem der Förderung durch die Klosterkammer Hannover zu verdanken. Und noch ein weiteres Projekt in Lüneburg erhält großzügige Unterstützung.

Vier hohe Fenster schmücken den gut sechs Meter hohen, nahezu quadratischen Raum an der Westseite des Kirchturms von St. Johannis. Wo sich bislang die Solisten für die Oratorien vor ihrem Auftritt einsangen und umkleideten, soll künftig der neue Probenraum für den Sängernachwuchs entstehen. Noch aber gleicht das Turmzimmer einer Baustelle, ein riesiges Gerüst ragt bis fast an die Decke. Die frühere, nachträglich eingebaute Empore wurde entfernt, Stümpfe der abgesägten Eisenträger ragen aus den Wänden. Zur besseren Isolierung sollen Doppelfenster eingebaut, Fußboden und Decke erneuert werden.

Rund 160 000 Euro nimmt die Kirchengemeinde für den Umbau in die Hand. „Die 20 000 Euro, die wir jetzt von der Klosterkammer bekommen haben, helfen uns dabei sehr“, sagt Dr. Harald Grürmann, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Weitere Mittel stammen vom Kirchenkreis, der Lüneburgischen Landschaft, Stiftung Hof Schlüter sowie von hauseigenen Fördervereinen und Stiftungen, ebenso aus Kollekten und Spenden.

Singschule für den Nachwuchs

Dass die Klosterkammer das Vorhaben unterstützt, liegt laut Grürmann an einer gelungenen Kombination aus Renovierung und dem künftigen Zweck des Raums. Denn dort soll die neue Singschule untergebracht werden für die rund 120 Kinder und Jugendlichen, die sich in den Chören engagieren.

Über einen stattlichen Betrag von 51 000 Euro aus den Fördermitteln der Klosterkammer kann sich auch der Trägerverein der Euthanasie-Gedenkstätte freuen. Wie berichtet, will der Verein im ehemaligen Gärtnerhaus auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik Lüneburg ein Bildungszentrum für Menschenrechte, Sozialpsychiatrie und Begegnung einrichten. Darin sollen Räume für Seminare, eine Fach-Bibliothek, ein Archiv sowie Arbeitsräume zur Verfügung stehen. Weil eine wichtige Zielgruppe für die auch durch ehrenamtliches Engagement getragenen Bildungsangebote Jugendliche sind, hat die Klosterkammer sich für die Förderung des Projekts entschlossen.

Dr. Sebastian Stierl vom Trägerverein erhofft sich von der Unterstützung durch die Klosterkammer „eine Art Türöffner-Funktion“. Denn noch bestehe eine „erhebliche Lücke“ bei dem knapp 730 000 Euro teuren Vorhaben. Von denen erst 400 000 Euro durch Spenden und Fördermittel gesichert seien. Umso mehr freut sich Stierl, dass jetzt weitere 50 000 Euro von der Bingo-Umweltstiftung sowie 20 000 Euro gemeinsam von der Sparkassenstiftung Niedersachsen und der Sparkassenstiftung Lüneburg zugesagt wurden.

Bildungszentrum im alten Gärtnerhaus

Im Frühjahr soll die Umgestaltung des Gärtnerhauses beginnen. Bis dahin hofft Stierl, auch den Landkreis als Unterstützer an Bord zu haben: „Die Gedenkstättenarbeit und das Interesse am Thema hat eine Dynamik bekommen, die uns selbst überrascht. Wir brauchen dieses Bildungszentrum dringend.“

Weitere Mittel der Klosterkammer gingen ans Literaturbüro für sein Jugendprogramm (8000 Euro) und an den Herbergsverein für Gemeinschaftsreisen mit seelisch behinderten Menschen (5760 Euro). 435 Euro erhielt der Kindergartenverein „Die Rübe“ für den Bau einer Terrasse für den neuen Bauwagen.

Hintergrund

Vermögensverwaltung

Die Klosterkammer ist eine öffentliche Einrichtung, die das Vermögen von vier öffentlich-rechtlichen Stiftungen verwaltet. Diese sind aus ehemals kirchlichem Vermögen entstanden. Aus den Erträgen unterhält die Klosterkammer mehr als 800 Gebäude. Viele davon sind Baudenkmale, sowie rund 12 000 Kunstobjekte. Weitere Mittel aus den Erträgen in Höhe von rund drei Millionen Euro stellt sie pro Jahr für mehr als 200 kirchliche, soziale und bildungsbezogene Maßnahmen in ihrem Fördergebiet zur Verfügung.

Von Ulf Stüwe