Dienstag , 18. September 2018
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Kanu-Verleiher Matthias Schrenk (l.) und Mitarbeiter Tom Patzelt in ihrem Element auf dem Heidefluss Luhe. (Foto: t&w)
Kanu-Verleiher Matthias Schrenk (l.) und Mitarbeiter Tom Patzelt in ihrem Element auf dem Heidefluss Luhe. (Foto: t&w)

Gemeinsames Kanu-Konzept

Amelinghausen/Salzhausen. Das naturnahe Kanuwandern an der Luhe soll stärker gefördert und die Infrastruktur entlang des Flusses zwischen Lüneburger Heide und Winsener Elbmarsch besser gepflegt werden. Das ist das Ziel einer gemeinsamen Initiative der Samtgemeinden Salzhausen und Amelinghausen sowie der Stadt Winsen/Luhe. Die drei Luhe-Anrainer haben jetzt eine Studie mit dem Titel „Nachhaltiger Kanusport auf der Luhe“ vorgelegt. Darin sind unter anderem 72 Einzelmaßnahmen beschrieben, um das Kanufahren einerseits attraktiver und andererseits naturverträglicher zu gestalten. Dazu gehört sowohl eine Herrichtung der Anlegestellen als auch der Vorschlag, die Nutzerzahlen insgesamt zu begrenzen.

Fahrverbote an Feiertagen allein reichen nicht

Unter Federführung der Samtgemeinde Salzhausen wurde der Flussabschnitt zwischen Oldendorf/Luhe in der Samtgemeinde Amelinghausen und der Stadt Winsen/Luhe einer kritischen Prüfung unterzogen. Salzhausens Verwaltungschef Wolfgang Krause sagt: „Wir haben das Thema aufgegriffen, weil wir immer wieder Probleme und Ärger hatten mit Kanufahrern.“ Deshalb sind bereits in den vergangenen Jahren Verbote verhängt worden, die Luhe an Himmelfahrtstagen und zu Pfingsten zu befahren, da die Touren entweder zu Saufgelagen auf dem Wasser auszuarten drohten, Müll an den Ufern zurückgelassen oder Böschungen beschädigt wurden. Krause: „Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Entweder wir lassen Kanufahren auf der Luhe komplett verbieten – das wäre schade. Oder wir versuchen, das naturnahe Kanuwandern zu fördern.“ Das ist nun auch das Ziel der Studie, die in den vergangenen fünf Monaten vom Beratungsunternehmen „Kontor 21“ zusammen mit Kommunen, Kanuverleihern, Angelsportverbänden, Naturschutzorganisationen sowie Wasser- und Naturschutzbehörden erarbeitet wurde.

Bootszahlen beschränken, Kennzeichen einführen

Zu den 72 Maßnahmenvorschlägen gehört unter anderem eine Überarbeitung der Beschilderung, wasserfeste Luhekarten mit einer Übersicht der Ein- und Ausstiege, die Verlängerung von einzelnen Stegstufen für Kajakfahrer, eine Kennzeichnungspflicht für alle Boote bis hin zu einer Selbstverpflichtung der fünf Kanuverleiher, die auch an der Luhe tätig sind, ihren Bootsbestand, derzeit 193 Canadier und 26 Kajaks, nicht weiter auszubauen. Zu den größeren Anbietern gehört „Heide-Kanu“ mit Sitz in Oldendorf/Luhe. Kanu-Verleiher Matthias Schrenk sagt: „Wir begrüßen es sehr, dass es ein gemeindeübergreifendes Konzept gibt. Bisher fühlte sich keiner richtig zuständig.“ Die Selbstbeschränkung unterstütze er: „Schließlich haben wir auch ein Interesse daran, dass der Naturraum Luhe erhalten bleibt.“ So wie der Mitbewerber Kanu-Fertig-Los ist auch Heide-Kanu beim Bundesverband Kanu als Qualitätsanbieter zertifiziert. Zu dem Siegel gehört auch der Aspekt „naturverträgliches Arbeiten“. Schrenk: „Und wir machen unseren Kunden deutlich, dass sie mit Schnaps oder einer Kiste Bier in unseren Booten nichts zu suchen haben.“ Dennoch wünscht sich auch Schrenk, dass die Kommunen die Befahrensregeln anpassen, Alkoholverbote offiziell aussprechen und auch Kontrollen durchführen. Dazu Bürgermeister Krause: „Wir werden über entsprechende Kontrollinstrumente sprechen und Stichproben durchführen.“

Nachdem nun die Studie vorliegt, soll es im Herbst laut Krause erneut zu einem runden Tisch der verschiedenen Akteure kommen. Dabei soll ein gemeinsames Kommunikationskonzept umgesetzt werden, um die vorgeschlagenen Maßnahmen koordiniert umzusetzen. Wie bei der Erstellung der Studie setzen die Kommunen dabei erneut auf Unterstützung der Leader-Förderregionen Naturpark Lüneburger Heide und Achtern Elbe Diek.

Unabhängig von dem neuen Konzept soll der Luhe-Mittellauf bis Ende 2018 als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Gleichwohl empfehlen die Gutachter von „Kontor 21“ vor diesem Hintergrund, den Großteil der vorgeschlagenen Maßnahmen bis zum Beginn der Paddelsaison im Mai 2019 beziehungsweise bis spätestens Ende 2019 umzusetzen.

Zur Sache

157 Boote in sechseinhalb Stunden

Eine repräsentative Erhebung zur kanusportlichen Nutzung der Luhe liegt laut der Studie „Nachhaltiger Kanusport auf der Luhe nicht vor, aber Mitglieder des Sportfischervereins Elbe führten an einem Juli- und einem August-Tag im vergangenen Jahr eine Stichprobe durch, zählten vom Vormittag bis zum Nachmittag 88 beziehungsweise 157 Boote auf der Luhe innerhalb von bis zu sechseinhalb Stunden. Der Spitzenwert hing mit dem Festival „A Summer‘s Tale“ zusammen, bei dem Besucher der Veranstaltung in der Westergellerser Heide auch Kanus leihen konnten. In der Zeit seien aber einige Kanus wegen der kurzen Fahrtstrecken doppelt gezählt worden, sagt ein Verleiher.

Von Dennis Thomas