Dienstag , 25. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Das Netz wird immer dichter
Bekommt der Blitzer an der Ostumgehung Verstärkung? Der Kreistag müsste über Neuanschaffungen entscheiden. (Foto: A/t&w)
Bekommt der Blitzer an der Ostumgehung Verstärkung? Der Kreistag müsste über Neuanschaffungen entscheiden. (Foto: A/t&w)

Das Netz wird immer dichter

Lüneburg/Uelzen. Lüneburg wirkt wie die letzte Oase für Autofahrer, die gern mal ein wenig schneller unterwegs sind. Gerade mal sechs stationäre Blitzer an vier Standorten gibt es im gesamten Kreisgebiet. Dagegen haben die Nachbarkreise längst mächtig aufgerüstet. 13 feste Blitzer stehen im Kreis Harburg, vor allem aber in Lüchow-Dannenberg mit 25 Blitzern und Uelzen mit 23 haben Raser ganz schlechte Karten. Und Uelzen legt im Kampf gegen die Temposünder jetzt noch einmal nach. Der Landkreis hat eine mobile Anlage gekauft – einen Blitzer auf einem Anhänger.

Es sei Wunsch einzelner Gemeinden gewesen, dass der Landkreis verstärkt auch in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden den Rasern den Kampf ansagt. Und der scheint erfolgversprechender, wenn nicht an einer festen, dann schnell bekannten Stelle gemessen wird, sondern immer mal wieder woanders, wie es die Polizei auch macht. „Der Blitzer-Anhänger versetzt den Landkreis nun in die Lage, entsprechenden Hinweisen aus den Gemeinden nachzukommen und seine Verkehrsüberwachung auszuweiten – ohne den Einsatz von zusätzlichem Personal, da lediglich beim Auf- und Abbau ein Mitarbeiter benötigt wird“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ein Vorbild für Lüneburg? Kreispressesprecherin Urte Modlich sagt: „Es wird derzeit geprüft, inwieweit die Anschaffung eines solchen Blitzer-Anhängers die Verkehrsüberwachung sinnvoll ergänzen könnte. Im Zuge der Haushaltsberatungen für 2019 muss auch diese Investition diskutiert werden. Die Entscheidung darüber trifft der Kreistag mit dem Haushalt.“

Für Messungen ist kein Personal erforderlich

Die Messungen mit dem neuen Gerät selbst erfolgten ohne Personal. Der Blitzer könne bis zu sieben Tagen autark mittels eines Akkus betrieben werden. Schon heute setze die Uelzener Kreisverwaltung darüber hinaus zwei mobile Messsysteme ein – einen Radarwagen und eine mobile Messstation.

Eine weitere lukrative Einnahmequelle, schon im vergangenen Jahr spülten die zu schnellen Fahrer mit 48 500 Geschwindigkeitsverstößen 1,545 Millionen Euro in die Kreiskasse. 1,465 Millionen Euro brachten die stationären Anlagen. Zum Vergleich: Im Kreis Lüneburg waren es 720 000 Euro.

Als Grund für die Neuanschaffung nennt der Nachbarkreis allerdings auch die aktuelle Bilanz der Verkehrsunfälle mit einem Toten, 32 Verletzten, darunter sieben Schwerverletzte, zwischen dem 1. Oktober 2017 und dem 31. März 2018 im Kreisgebiet. In der Tat zählt überhöhte oder eine der jeweiligen Verkehrssituation nicht angepasste Geschwindigkeit zu den häufigsten Unfallursachen auch im Kreis Lüneburg, bestätigt Polizeisprecher Kai Richter – „nach zu dichtem Auffahren und Vorfahrtsmissachtung“.

In Lüneburg hat der Landkreis mit seinen Anlagen im vorigen Jahr 20 206 Geschwindigkeitsverstöße gemessen. 13 400 mit den stationären Anlagen in Brietlingen an der B 209, zwischen Amelinghausen und Rehrhof an der B 209, an der Ostumgehung auf Höhe der Abfahrt Erbstorf und bei Lüneburg Nord, 6800 mit mobilen Geräten, für die aber Personal erforderlich ist. Aus der Pressesstelle hieß es zuletzt dazu aber auch: „Gewinn erzielt der Landkreis Lüneburg dadurch ohnehin kaum, weil die Unterhaltung und Abarbeitung der Fälle kostenintensiv sind.“ Zumindest beim Personaleinsatz wäre der Anhänger-Blitzer aber ein echtes Sparmodell.

Die Stadt darf nicht blitzen

Die Stadt Lüneburg dagegen winkt ab. Sie darf nicht blitzen, dies obliege allein dem Kreis. „Nach einer Vereinbarung mit dem Landkreis Lüneburg beschafft der Kreis die Geräte und erhält auch 100 Prozent der Einnahmen. So wurde es in der Gebietsreform von 1974 vereinbart. Daher kommt auch eine Kostenbeteiligung der Stadt zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage“, begründet Ann-Cathrin Behnck aus dem Pressereferat im Lüneburger Rathaus.

Der Blitzer-Anhänger

Hightech auf Rädern

Der Leiter des Straßenverkehrsamtes Uelzen, Matthias Schild, mit der neuen Messanlage auf einem Anhänger. (Foto: privat)
Der Leiter des Straßenverkehrsamtes Uelzen, Matthias Schild, mit der neuen Messanlage auf einem Anhänger. (Foto: privat)

Der Blitzer-Anhänger verfügt über zwei separate Laser-Messsysteme zur gleichzeitigen Überwachung beider Fahrtrichtungen. Das Gerät ist durch eine einklappbare Deichsel, ein absenkbares Fahrwerk, eine schlagfeste Außenhülle, eine Schaumlöschanlage, automatische Schlag- und GPS-Bewegungsmelder sowie darüber hinaus durch ein Mobilfunkmodem gegen Diebstahl und Vandalismus gesichert.

Der Kreis Uelzen hat das Gerät vom Hersteller zunächst für zwölf Monate gemietet und wird es in dieser Zeit an verschiedenen Standorten erproben – unter anderem vor Schulen und Kindergärten.

Von Anna Sprockhoff und Alexander Hempelmann