Mittwoch , 19. September 2018
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Patrick Sedlaczek-Priebe kann nicht nachvollziehen, warum so viele Autofahrer den hilfebedürftigen Mann ignorieren. (Foto: us)
Patrick Sedlaczek-Priebe kann nicht nachvollziehen, warum so viele Autofahrer den hilfebedürftigen Mann ignorieren. (Foto: us)

„Kaum einer hält an“

Lüneburg. Für Patrick Sedlaczek-Priebe war es eine Selbstverständlichkeit. „Natürlich halte ich an, wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt“, sagt der Blecked er. Ob der ältere Herr, den er bei voller Mittagshitze am Straßenrand hocken sah, diese auch tatsächlich brauchte, wusste der 32-Jährige zu dem Zeitpunkt zwar noch nicht. Dass aber außer ihm lange Zeit kein anderer Autofahrer Anstalten machte, anzuhalten, um Hilfe anzubieten, findet er allerdings enttäuschend.

„Er war stark dehydriert, wie lange er dort schon in der Sonne saß, weiß ich nicht“, sagt Patrick Sedlaczek-Priebe. Er war am Montagnachmittag gerade auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, als er den auf dem Bordstein an der Konrad-Adenauer-Straße kauernden Mann in Höhe des Seiteneingangs zum Waldfriedhof auf der anderen Straßenseite bemerkte. Was der 32-Jährige auch feststellte: Keiner der ihm entgegenkommenden Fahrzeuge hielt an.

Er wendete, stieg aus und erkannte, dass der Mann völlig orientierungslos war und keine Kraft mehr hatte, allein auf die Beine zu kommen. Zusammen mit einer anderen Autofahrerin, die dem älteren Herrn in dem Moment ebenfalls helfend zur Seite gesprungen war, brachten sie den 78-Jährigen auf die andere Straßenseite und legten ihn dort in den Schatten. „Erst in dem Moment fragten auch andere Autofahrer, ob wir Hilfe benötigen“, berichtet Patrick Sedlaczek-Priebe. Da hatten sie aber bereits den Notarzt gerufen, zwei Rettungssanitäterinnen nahmen den Mann mit ins Klinikum.

Eigentlich habe er das gar nicht erwähnen wollen, „das klingt nach Eigenlob, das will ich nicht“, sagt er. Doch das Verhalten der vielen Autofahrer, die offensichtlich gleichgültig an dem hilfebedürftigen Herrn vorbeifuhren, habe ihn fassungslos gemacht. „Was ist so schwer daran, einfach mal anzuhalten und wenigstens zu fragen, ob jemand Hilfe benötigt?“ Er hofft, dass künftig mehr Hilfsbereitschaft gezeigt wird.

Von Ulf Stüwe