Dienstag , 25. September 2018
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Die ABAE-Fraktion wollte sich an dem Lastenrad-Projekt beteiligen, fand für ihren Vorstoß jedoch keine Mehrheit im Ausschuss. (Foto: DLR)
Die ABAE-Fraktion wollte sich an dem Lastenrad-Projekt beteiligen, fand für ihren Vorstoß jedoch keine Mehrheit im Ausschuss. (Foto: DLR)

Die Last mit dem Lastenrad

Adendorf. „Das ist eine prima Sache“, findet Hans-Dieter Wilhus, und überhaupt: „Umweltschutz beginnt vor Ort!“ Der Fraktionschef der Aktiven Bürger Adendorf Erbstorf (ABAE) kann deshalb auch nicht nachvollziehen, warum der Antrag seiner Fraktion jüngst im Adendorfer Umweltausschuss abgelehnt worden war. „Ausgerechnet von der rot-grünen Ratsmehrheit“, wundert sich der Fraktionschef noch immer.

Wilhus‘ Fraktion hatte vorgeschlagen, dass sich die Gemeinde Adendorf an einem bundesweiten Lastenrad-Projekt beteiligen soll. Gefördert und begleitet wird das vom Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Ziel des Projektes ist es, das Lastenrad als clevere Transportalternative in der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

„Eine gute Sache gerade auch für Adendorf“, findet der ABAE-Fraktionschef. Schließlich denke man zurzeit im Rathaus intensiv darüber nach, einen alten Pritschenwagen für den Bauhof durch ein neueres Fahrzeug zu ersetzen. „Auch wenn man ein Messe-Fahrzeug erwerben möchte, ist das immer noch deutlich teurer, als ein Lastenrad mit elektrischer Tretunterstützung“, sagt Wilhus. Und umweltfreundlicher sei das Lastenrad allemal.

Rat lehnt Test ab

Für einen Euro pro Tag hätte nach Wilhus‘ Worten die Gemeinde Adendorf ein Lastenrad drei Monate lang ausgiebig testen können. „Das wollte die Ratsmehrheit aber nicht. Mit der Begründung, dass man dafür keinen Bedarf sehe“, ärgert sich Wilhus, der auf andere Kommunen verweist, etwa die Stadt Sarstedt: „Dort wird das Projekt gut angenommen“, hat sich Wilhus kundig gemacht. Die Sarstedter nutzen seinen Informationen zufolge das E-Mobil für kurze Dienstfahrten im Stadtgebiet. Ein elektrisches Lastenrad, das bis zu 50 Kilogramm Fracht in einer Kiste zwischen den beiden Vorderrädern transportieren kann. Die Sarstedter Stadtverwaltung setze das Lastenrad zurzeit für Straßen- und Baumkontrollen ein. „Mit großem Erfolg“, betont Wilhus.

„Auch in Adendorf könnte man das Lastenrad sinnvoll einsetzen“, ist der ABAE-Fraktionschef überzeugt – „so ein Fahrzeug wäre eine wunderbare Ergänzung für den Fuhrpark!“ Mit dem Lastenrad kämen die Bauhof-Mitarbeiter überall dort hin, wo es mit dem Pritschenwagen schwierig werde. „Die Pflege von Grünflächen oder auch das Leeren von Mülleimern“ nennt der Lokalpolitiker als Beispiele: Und last, but not least, könnten mit dem ungewöhnlichen Gefährt auch die Ratspost und Briefe der Gemeinde umweltfreundlich verteilt werden.

Studie zu aufwendig?

Der ABAE-Fraktionschef ist begeistert, Bürgermeister Thomas Maack (SPD) weniger: Der Rathauschef war zwar im Urlaub, als der Umweltausschuss tagte, weiß aber um die Bedenken, die letztlich zur Ablehnung des Antrags führten. Das hätte einen Riesenaufwand nach sich gezogen“, erklärt Maack. Um Daten für die Begleitforschung zu erheben, hätten die Mitarbeiter jedesmal eine entsprechende App aufladen und detailliert beschreiben müssen, wann sie das Rad wo und für welche Zwecke genutzt haben. „Wenn unsere Mitarbeiter so ein Gefährt wirklich für sinnvoll erachten würden, dann würden wir auch eins beschaffen“, sagt Maack. Auch ohne, dass man sich zuvor an so einer aufwendigen Studie beteiligt. Im übrigen verfüge die Verwaltung bereits über ein Dienstfahrrad. „Und das wird, wo es passt, auch fleißig genutzt“, versichert der Rathauschef.

Ohne Benutzung keinen Nutzen

Und auch Bärbel Sasse (Grüne) erläutert, warum ihre Fraktion gegen den ABAE-Antrag stimmte: „Ein Lastenrad ist zweifellos eine gute Sache. Aber wenn im Vorfeld bereits klar ist, dass es bei uns nicht genutzt wird, würden wir nur andere Kommunen blockieren, die an der Erprobung wirklich teilnehmen und das Rad nutzen wollen.“

Wilhus lässt sich dennoch nicht entmutigen: „Unsere Fraktion wird für den Haushalt 2019 einen weiteren Antrag auf Beschaffung eines Lastenrades mit Elektromotor stellen, da es weitere und neue Fördermöglichkeiten durch den Bund gibt“, kündigt er bereits an.

Von Klaus Reschke