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Seit Wochen laufen die Beregnunganlagen auf den Feldern rund um die Uhr. Regen ist auch aktuell nicht in Sicht, sodass Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben weiter künstlich bewässert werden. (Foto: phs)
Seit Wochen laufen die Beregnunganlagen auf den Feldern rund um die Uhr. Regen ist auch aktuell nicht in Sicht, sodass Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben weiter künstlich bewässert werden. (Foto: phs)

Am Limit

Lüneburg. Kaum Regen, dafür Sonne satt und Hitze seit Anfang Mai: Für die Landwirtschaft in der Region ist die anhaltende Trockenheitsperiode dramatisch. Wie dramatisch zeigt der Blick auf drei Zahlen. Erstens: minus 330 Liter pro Quadratmeter. So viel Wasser fehlt aktuell, wenn man von der gefallenen Niederschlagsmenge die Verdunstung abzieht. Zweitens: 70 Liter pro Quadratmeter. So viel Wasser jährlich darf etwa der Dahlenburger Landwirt Jens Uffmann im Schnitt maximal für die Feldberegnung nutzen. Und drittens: 260 Liter pro Quadratmeter. So viel Wasser fehlt rechnerisch auf den Äckern im Landkreis. „Eine Extremsituation, die wir hier so noch nie erlebt haben“, sagt Uffmann.

Die Rechnung ist theoretisch, die Realität deutlich komplexer: Doch der Vergleich der Zahlen zeigt, welche Ausmaße die Dürre in Teilen Nordostniedersachsens inzwischen angenommen hat. Im Landkreis Uelzen, dessen Böden zu den trockensten in ganz Deutschland zählen, schlagen die ersten Bauern bereits Alarm. Ihre Wasserkontingente seien fast erschöpft, klagt ein Landwirt im Interview mit NDR 1 Niedersachsen. Doch ein Ende der Beregnungssaison sei nicht absehbar. Denn auch wenn das Getreide bald abgeerntet ist, brauchen Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben weiterhin Wasser. Und der erhoffte Regen ist noch immer nicht in Sicht.

Im Landkreis Lüneburg blickt auch Jens Uffmann mit Sorge auf seine bisherige Beregnungsbilanz. Seit Anfang Mai laufen seine Maschinen fast unterunterbrochen, die Grenze von 70 Liter pro Quadratmeter hat er längst überschritten. „Wir liegen aktuell bereits bei etwa 150 Litern pro Quadratmeter“, sagt er. Und auch der Dahlenburger muss vorerst weiter beregnen, um den Verlust zu minimieren, wie er sagt. Konsequenzen aus der Kontingent-Überschreitung hat er aktuell allerdings nicht zu befürchten. Denn die 70-Liter-Grenze gilt im Zehn-Jahres-Mittel. „Das heißt, wir dürfen auf zehn Jahre gerechnet durchschnittlich nicht mehr als diese Menge Wasser verbrauchen“, erklärt der Ackerbauer.

Mit dieser Regelung versucht der Landkreis Lüneburg als zuständige Behörde den wetterbedingten Herausforderungen in der Landwirtschaft Rechnung zu tragen. Das Ziel: Jahre wie 2017, in denen aufgrund der hohen Niederschlagsmenge kaum beregnet werden musste, gleichen trockenere Jahre wieder aus. Bisher sei das nie ein Problem gewesen, betont die Beregnungsexpertin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Angela Riedel. Ob es allerdings gelingt, die hohen Beregnungsmengen der letzten Wochen auszugleichen? „Das können wir nur hoffen“, sagt Uffmann, „ansonsten müssen wir wohl mit Beschränkungen rechnen.“

Als Vorsitzender des Dachverbandes Feldberegnung und Vorstandsmitglied im landesweit tätigen Fachverband Feldberegnung liegt Uffmann das Thema besonders am Herzen. Und gemeinsam mit seinen Verbandskollegen versucht er heute schon, Lösungen zu finden, sollte 2019 ebenfalls zu trocken werden. Für die Landwirte, die wie er auf sehr leichten, sandigen Böden wirtschaften, wäre das ein echtes Horrorszenario. Denn eins steht für ihn fest. Ohne Beregnung würde er in einem Extremjahr wie diesem vermutlich gar nichts ernten können. „Da wäre alles vertrocknet.“

Was aber passiert, wenn die Landwirte in der Region ihr Wasserkontingent überschreiten und im Zehn-Jahres-Schnitt mehr als die zugeteilten 70 oder zum Teil auch 80 Liter pro Quadratmeter entnehmen? „Zunächst einmal droht ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro“, sagt Michael Loch vom Fachdienst Umwelt beim Landkreis Lüneburg. „Und dann müsste er eigentlich aufhören zu beregnen.“ Das Land könne in Extremsituationen allerdings Ausnahmegenehmigungen erlassen.

Welche Bedingungen dafür genau erfüllt sein müssen, ob diese Ausnahmegenehmigungen schon mal erteilt wurden, wann und wo, das konnte das zuständige Umweltministerium bis Redaktionsschluss nicht beantworten. Der Bericht dazu folgt.

Genehmigungsfrei

Private Brunnen

Privatpersonen,  die sich zur Gartenbewässerung einen Brunnen bohren lassen, müssen diesen nicht extra genehmigen lassen. „In den Fällen reicht es, die Bohrungen beim Landkreis anzuzeigen“, erklärt Michael Loch vom Fachdienst Umwelt. Einschränkungen oder Verbote gibt es lediglich in Wasserschutzgebieten. Grundsätzlich dürften Privatpersonen aus ihren Brunnen aber ohne Einschränkungen Wasser entnehmen.

Von Anna Sprockhoff

One comment

  1. Andreas Janowitz

    Da diese Grosswetterlage wohl eher der neuen Norm entspricht sollten besser sparsamere Bewässerungssysteme Verwendung finden? Je eher desto besser? Diese Dürre wird keine Ausnahme bleiben?