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Die Lüneburgerin Judy Bamberger liebt den Stint. (Foto: be)
Die Lüneburgerin Judy Bamberger liebt den Stint. (Foto: be)

Das Model, das Pizza liebt

Lüneburg. „Ordentlich shoppen“ war Judy Bamberger, entschied sich dabei für ein Abendkleid in Mint, ein legeres Outfit und Bademoden. Dabei achtete Mutter Monika darauf, dass die Kleidung auch zum Typ und zur Figur der 18-Jährigen passt. In den Sachen tritt die hübsche Lüneburgerin am Sonntag, 29. Juli, bei den drei Durchgängen der Wahl zur „Miss World Tourist Germany 2018“ in Berlin gegen 15 Konkurrentinnen an. Siegt sie, beschert ihr das eine 14-tägige Reise nach Malaysia und die Teilnahme am dortigen Miss-World-Tourist-Wettbewerb.

„Die Mager-Models in Heidi Klums Show ,Germanys Next Topmodel‘ sind hübsch. Aber ein Kleid sieht an einer Frau schöner aus, wenn es ausgefüllt ist“, sagt Judy Bamberger selbstbewusst, die weder die in der Branche übliche Größe von 1,76 Meter und mehr erreicht, auch nicht die „Traummaße“ 90-60-90 vorweist. Die Lüneburgerin mit den dunkelbraunen Augen und dunkelbraunen Haaren bringt es auf 1,71 Meter und 93-79-97, wiegt knapp 60 Kilo. Sie steht zu ihren – wie sie selbst sagt – „Rundungen“: „Ich esse sehr gerne, am liebsten Pizza mit Brokkoli. Sonst fühle ich mich nicht wohl. Dafür treibe ich aber auch Sport, gehe täglich ins Fitnessstudio.“ Auch einige ihrer Konkurrentinnen, die in Berlin dabei sein werden, hätten hübsche Rundungen.

Mit 13 oder 14 Jahren allerdings wertete sie noch anders: „Ich dachte, ich müsste abnehmen. Doch das war zu ungesund, und Mama passte auf mich auf, sagte: ,Du musst Dich nehmen wie Du bist‘.“ Das beherzigt sie bis heute. Das war damals auch die Zeit, in der sie sich dem Model-Business näherte: „Ich hatte das Interesse dafür und meldete mich bei der TFP-Gruppe an, eine Börse mit bundesweit arbeitenden Fotografen.“ Es wurden Fotos für ihre Sedcard gemacht, die wichtigste Bewerbungsunterlage für ein Model. Sie hatte erste Shootings im Kosmetikbereich und lernte die junge Hamburger Fotografin und Designerin Rebecca Lau kennen: „Mit ihr gab es ein wunderbares Shooting mit mir im Abendkleid in der Elbphilharmonie – auch für meine Sedcard.“

Unterwäsche-Fotos kommen nicht infrage

Hatte sie bis dahin nur mit weiblichen Fotografen gearbeitet, fühlte sie sich unsicher, als sie vor der Linse des bekannten Modefotografen Klaus Bergmann agierte: „Ich habe mich irgendwie geschämt. Vor der Kulisse der Hamburger Speicherstadt gab ich mit einem männlichen Model ein Liebespaar – allerdings auf Distanz. Ich trug ein langes, schwarzes Abendkleid mit Rückenausschnitt. Die Fotos sind herrlich geworden.“ Bei den Motiven zeigt sich das Model übrigens wählerisch, sagt klar: „In Unterwäsche kommt nicht infrage.“ Und dass sie an keine „windigen“ Fotografen gerät, da hat Mama Monika schon ein Auge drauf.

Nach der Speicherstadt-Session legte Judy Bamberger eine Fotopause ein: „Ich musste die Schule pushen“, die wolle sie keineswegs vernachlässigen. Doch bald war sie wieder im Geschäft, ließ Fotos für eine asiatische Designerin für die Hochzeitsmesse in Winsen schießen: „Dort werde ich im Januar auch erstmals über einen Laufsteg gehen.“

Guenter Weig, Chef der Modelagentur „Glamourfaces“ und Veranstalter der Miss-Word-Tourist-Wahl, wurde über Facebook auf Bilder der Lüneburgerin aufmerksam, die 18-Jährige sagt: „Er hatte sich über Facebook bei mir gemeldet, noch mehr Fotos gefordert – und mich dann zu dem Wettbewerb eingeladen.“

Ihr Berufsziel lautet Außenhandelskauffrau

Selbst wenn sie in Berlin gewinnen sollte, ist für die attraktive Lüneburgerin eines klar – jedenfalls zurzeit: „Hauptberuflich werde ich das niemals machen, nur nebenbei, weil es mir Spaß macht.“ Sie hat ein anderes Ziel, sieht aber Parallelen zum Modeln: „Ich will Außenhandelskauffrau werden, mache in einem Jahr mein Fachabitur an den Berufsbildenden Schulen I im Bereich Wirtschaft und Verwaltung. Ich habe gerne mit Menschen und ihren unterschiedlichen Kulturen, mit Reisen und Mode zu tun – da­rum geht‘s im Außenhandel ebenso wie beim Modeln.“

In ihrer Freizeit macht sie das, was junge Frauen in ihrem Alter eben mögen: „Ich gehe gern mit Freundinnen und Freunden aus, chille, bin in Discos oder sitze abends gern am Stint und blicke aufs Wasser. Langeweile kenne ich nicht.“ Auch deshalb, weil sie aktuell in den Ferien einen Job in Anna‘s Café hat, wo sie auch während der Schulzeit nach dem Unterricht hin und wieder ein wenig Geld verdient.

Was junge Männer aufhorchen lassen könnte: „Ich habe keinen festen Freund“, verrät Judy Bamberger. Sie ergänzt allerdings: „Das strebe ich im Moment auch nicht an.“

Von Rainer Schubert