Aktuell
Home | Lokales | Ilmenau | Nur ein Vorgeschmack?
Am Bahngleis bei Deutsch Evern werden eine Woche lang Schwellen erneuert und das Schotterbett verfestigt. (Foto: be)
Am Bahngleis bei Deutsch Evern werden eine Woche lang Schwellen erneuert und das Schotterbett verfestigt. (Foto: be)

Nur ein Vorgeschmack?

Deutsch Evern. An der Bahnstrecke in Deutsch Evern wird seit Donnerstag Nacht gearbeitet: Schwellen und Schienen müssen erneuert, das Gleisbett mit dem Schotterrüttler verfestigt werden. Eine Woche sollen die Arbeiten laut Bahn voraussichtlich in Anspruch nehmen. Gearbeitet wird vor allem in der Nacht, weil dann weniger Züge fahren. Jetzt fürchten viele Anwohner, dass die Arbeiten aber nur einen Vorgeschmack auf das geben, was sie erwarten würde, sollte das dritte Gleis tatsächlich gebaut werden. Entsprechend alarmiert sind daher Michael Hansen, Vorsitzender des Vereins „Anwohner gegen Ausbau DE 21“ (Agade) und seine Mitstreiter. Um zu verdeutlichen, was der „Gleisbau unter dem rollenden Rad“ bedeutet, hatte Hansen bereits Anfang Juli schriftlich die Mitglieder des Projektbeirates zu einem Ortstermin in der Zeit der Bauarbeiten nach Deutsch Evern eingeladen. Doch statt der erhofften Zusage gab‘s eine Absage.

„Einen Ortstermin in dem vorgeschlagenen Zeitraum können wir urlaubsbedingt nicht wahrnehmen“, teilte Sarah Schulz aus der Geschäftsstelle des Projektbeirats Michael Hansen per E-Mail mit. Man sei aber gerne bereit, einen Termin im August/September wahrzunehmen. Also dann, wenn die Reparaturarbeiten am Gleis längst abgeschlossen sind.

Für Hansen kommt diese Absage nicht wirklich überraschend. Süffisant stellt er fest: „Dass sich alle 16 Mitglieder und deren Stellvertreter des Projektbeirates zeitgleich im Urlaub befinden, ist schon erstaunlich.“ Hansen weiter: „Wie will der Projektbeirat die Interessen von Anrainern vertreten, wenn sich nicht ein Mitglied die Situation vor Ort ansieht?“ Ohnehin kritisiert der Agade21-Vorsitzende, dass der Beirat seit seiner Gründung nicht eine einzige Informationsveranstaltung in der am stärksten betroffenen Region – nämlich in den Kommunen entlang der Bahnstrecke Lüneburg/Uelzen durchgeführt habe. „Aber wir haben den sogenannten Projektbeirat in seiner Besetzung ohnehin schon immer kritisch gesehen und werden in unserer Haltung jetzt wieder einmal bestätigt“, sagt Hansen.

Beim Dialogforum nicht zugelassen

Zur Erinnerung: Der Projektbeirat hatte sich Anfang 2016 nach Abschluss des Dialogforums Schiene-Nord in Celle gegründet, in dem Perspektiven für die Schaffung weiterer Bahnstrecken südlich von Hamburg diskutiert worden waren. In der abschließenden Sitzung hatte sich das Forum für den Bau der so genannten „Alpha-Variante E“ – und damit für den Bau des dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen – ausgesprochen. 94 Teilnehmer hatten sich an der Entscheidungsfindung beteiligt, darunter Vertreter von Kommunen und Landkreisen, von 29 Bürgerinitiativen, aus Umwelt- und Verkehrsverbänden sowie Wirtschaftsvertreter.

Die Gemeinde Deutsch Evern gehörte nicht dazu. Die Kommune war als Teilnehmer des Dialogforums trotz mehrfacher Anfragen explizit nicht zugelassen worden – und gehört heute auch nicht dem Projektbeirat an, „der als ‚Wächter‘ über die Einhaltung der im Abschluss-Dokument formulierten Bedingungen wachen soll“, fasst Hansen zusammen. Dazu zähle maximaler Lärmschutz ebenso, wie Schutz vor Erschütterungen und Elektro-Smog, aber eben auch der Schutz vor Lärm während der Bauphase.

Hansen stellt klar: „Das an der bestehenden Bahnstrecke Reparaturen durchgeführt werden müssen, ist uns allen bewusst! Dagegen habe auch niemand etwas einzuwenden. Der Bau des dritten Gleises dagegen sei eine vollkommen neue Situation. Statt Baulärm an wenigen Tagen und Nächten, gebe es dann Lärm über Jahre. „Und das werden wir nicht akzeptieren!“

Zur Sache

Lärm soll dokumentiert werden

Zurzeit wird wieder an der Hauptstrecke Hamburg-Hannover gebaut: Der Vorstand des Vereins „Anwohner gegen Ausbau DE 21“ ruft daher Anrainer in Deutsch Evern dazu auf, die Lärmbelästigungen mit Hilfe von Video- oder Digitalkameras, sowie Smartphones zu dokumentieren. Näheres sollte bei einem Treffen am Sonntag besprochen werden.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. „Dazu zähle maximaler Lärmschutz ebenso, wie […] Elektro-Smog“

    uuuund danke. Damit hätte der Artikel anfangen sollen, dann können LeserInnen die zumindest ein paar Mal im Physikunterricht aufgepasst haben gleich zum nächsten Artikel weitergehen.

    Leute die von so etwas reden, glauben auch an Chem-Trails. Vermutlich laufen die Zuhause auch mit Aluhut rum.