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Etlichen Motorradfahrern hat die Polizei jetzt bei einer Kontrolle den Spaß verdorben. (Foto: A/be)
Etlichen Motorradfahrern hat die Polizei jetzt bei einer Kontrolle den Spaß verdorben. (Foto: A/be)

Viel lauter als erlaubt

Scharnebeck. Ein erschreckendes Ergebnis: Bei einer Kontrolle hat die Polizei an fast allen Motorrädern Mängel festgestellt. 37 Maschinen haben die Polizei und Mitarbeiter des Landkreises Lüneburg am Samstagnachmittag auf der Kreisstraße 53 zwischen Echem und Scharnebeck angehalten. Und an nur zwei Fahrzeugen gab es nichts zu beanstanden.

Besonders häufig, berichtet die Polizei, waren die sogenannten „dB-Eater“ ausgebaut oder verändert worden – was für ordentlich Motorenlärm sorgt und zum Erlöschen
der Betriebserlaubnis führt. Die sogenannten „dB-Eater“ oder „dB-Killer“ sind Teile der Schalldämpfer in der Auspuffanlage. Viele Fahrer hatten auch die vorgeschriebenen Papiere für nachträglich angebaute Fahrzeugteile nicht dabei. Zudem waren die Kennzeichen häufig fehlerhaft montiert beziehungsweise verbogen.

50 Euro Bußgeld

Bei den Fahrern der kontrollierten Zweiräder handelte es sich der Polizei zufolge sowohl um junge Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren als auch Männer im Alter von „50plus“ sowie drei Frauen.

Gegen die betroffenen 35 Fahrer und Fahrerinnen, bei denen aufgrund der Bauartveränderungen an den Motorrädern die Betriebserlaubnis erloschen war, wurde gleich vor Ort ein Bußgeld von 50 Euro verhängt. Gegen zwei Fahrer wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Einige der Kontrollierten durften die Fahrt erst nach dem Rückbau der Veränderungen fortsetzen. Die Polizei kündigte weitere Kontrollen an. lz

2 Kommentare

  1. Viel zu laut – trotz ABE

    Jeder einzelne dieser wesentlich zu lauten Zubehörauspuffe hat eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE). Allesamt haben sie diese ABE aber nicht in Deutschland erworben, sondern in Luxemburg, in Italien oder Spanien. Nachvollziehen kann man das anhand einer E-Nummer, die im Auspuff eingeprägt ist. Mehr lässt sich nicht nachvollziehen; eine Recherche des italienischen, luxemburgischen oder spanischen Prüfingenieurs, der hinter der Zulassung steckt, führt auch für die Polizei ins Nichts. Das Auspuff-Kartell ist perfekt organisiert: In Deutschland kommt der Auspuff mit einer Zulassung auf den Markt, die in der Praxis nicht oder nur ganz schwer angefochten werden kann. Das wissen die gut informierten Leser von „Das Motorrad“, das wissen informierte Kreise bei der Polizei, das wissen mittlerweile auch Politik, Umweltbundsamt und Behörden, die regelmäßig und seit Jahren von Albert Lechner mit einer Dokumentation über die Tests versorgt werden.
    Jeder zweite Harley-Käufer kauft einen lauten Auspuff dazu

  2. All diese Auspuff-Anlagen können durch Polizeibeamte nicht beanstandet werden, da sie ein Genehmigungszeichen besitzen und somit „legal“ sind. Die zwischenzeitlich umgesetzten Sanktionsverschärfungen wirken damit nicht. Stattdessen bemühen sich offizielle Stellen in Verlautbarungen gegenüber den Medien darum, das Problem mit demselben Kunstgriff kleinzureden, wie ihn die Zubehörindustrie anwendet. Wenn die Zubehör-Auspuffe „legal“ sind, geht es nur noch um die anderen Manipulationen, also „um eine Minderheit, um ein paar schwarze Schafe, um maximal drei Prozent“. Gemeint sind hier die Krachschläger, denen man habhaft werden kann, weil sie mit herausgeschraubtem Enddämpfer (also ohne den sogenannten dB-Eater) erwischt werden. Alle Testkandidaten im 2010er-Motorrad-Heft boten diese Schrauber-Möglichkeit, die Lautstärke nochmals anzuheben – bis zum infernalischen Gebrüll.