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Die Holzbrücke im Tiergarten ist 2,30 Meter breit und 3,11 Meter hoch, sie hat eine Spannweite von acht Metern. Sie kann auch pro-blemlos von Radfahrern überquert werden. (Foto: phs)
Die Holzbrücke im Tiergarten ist 2,30 Meter breit und 3,11 Meter hoch, sie hat eine Spannweite von acht Metern. Sie kann auch pro-blemlos von Radfahrern überquert werden. (Foto: phs)

Länger wird keine andere halten

Lüneburg. Es waren nicht die leichtesten Voraussetzungen, unter denen Henning Päper aufgefordert war, den letzten Nagel in die ansehnliche Holzkonstruktion zu schlagen. Denn so sieht es die Tradition vor: Dem Bauherren obliegt es, dies zu tun. Nun war der Oberbürgermeister verhindert, sein Mitarbeiter aus dem Bereich Straßen- und Ingenieurbau sprang ein. Nicht nur waren knapp Hundert Augenpaare auf ihn gerichtet, Tischlermeister Claus Amarell hatte für jeden Schlag mit dem Hammer eine Kiste Bier auf Kosten der Stadt eingefordert. „Eins, zwei, drei, vier, fünf“, zählte die Gesellschaft laut mit, dann saß der Nagel in den Querstreben der neuen Brücke, die jetzt über den Hasenburger Mühlenbach reicht. Es war der Abschluss eines internationalen Projekts, das über 18 Monate hinweg vorbereitet wurde – und bis Donnerstagmittag für reges Treiben in Böhmsholz gesorgt hatte.

Das Handwerkertreffen mit dem Namen „Kesurokai“, das in diesem Jahr Spezialisten aus Deutschland, Estland, Ungarn, Dänemark, Japan, Schweden und den USA zusammengebracht und erstmals in Lüneburg stattgefunden hat (LZ berichtete), dient dazu, sich über traditionelle Techniken auszutauschen und diese zu erhalten – so wurden Arbeitsschritte, die sonst ein Sägewerk übernimmt, etwa per Hand mit einer Klobsäge verrichtet.

Zuletzt hatte sich die 50-köpfige Gemeinschaft 2010 in Japan getroffen. In Böhmsholz galt es, eine neue Holzbrücke samt Dachkonstruktion für den kleinen Fluss in der Nähe der Roten Schleuse anzufertigen. Am Sonntag vor zwei Wochen hatten die Handwerker das alte Schullandheim neben dem Waldgasthof bezogen. Die Stadt kam für den Neubau auf, übernahm auch Kost und Logis, insgesamt knapp 30 000 Euro. Darin sind auch die Kosten für das Umsetzen und Einlagern der alten Brücke enthalten, sie soll im Winter im Lüner Holz über dem Raderbach wieder aufgebaut werden.

Handwerker legen eine Punktlandung hin

Es sei eine Punktlandung gewesen, erzählt Cornelius Litzka. So sei der Lkw am Donnerstagmittag vorgefahren, um das hölzerne Konstrukt aufzuladen. Just in dem Moment hätte man die Arbeit auch für abgeschlossen erklärt. Ganz reibungslos seien die elf Tage jedoch nicht abgelaufen, so grassierte ein Magen-Darm-Virus im Camp. „Zehn Leute waren für drei Tage außer Gefecht.“

Dieser Aspekt fand auch Erwähnung in Claus Amarells Richtspruch. Lachend dankte er einer Ärztin aus der Nachbarschaft. „Sie hat schwache Männer wieder stark gemacht.“ Zur Herkunft des Materials, insgesamt 25 Kubikmeter Holz aus 18 Douglasien und drei Eichen, sagt er: „Douglasie und Eiche sind durch uns verbunden als Gemeinschaft. Der Hasenburger Bach wird diese neue Brücke mit jedem Füllstand erleben.“ Daraufhin ließ er seinen Hammer drei Mal auf einen der Dachträger sausen. „Wir haben gelotet, gewindet, novelliert – und die Exaktheit ging auf.“

Dass die Brücke nun noch gedeckt werden muss, machte Stadtbaurätin Heike Gundermann deutlich. „Dafür werden Ziegel von einer alten Scheune verwendet.“ Zudem soll der aktuelle Arbeitsboden noch dem endgültigen Untergrund weichen, um höhengleich von Ufer zu Ufer zu gelangen. „Das ist die Brücke in Lüneburg, die am längsten leben wird. Sie wird so lange leben, dass ich nicht mehr erleben werden, wie lange sie lebt.“

Von Anna Paarmann

One comment

  1. Ist Untersucht worden woher der Magen-Darm-Virus gekommen ist?
    Von Böhmsholz hat man schon einiges gelesen.