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Auch Lenn und Tjark gefällt der Wunschstandort für die demokratische Schule im alten Schullandheim in Böhmsholz. Es ist eine Idylle mitten im Wald. Foto: t&w

Böhmsholz bleibt die erste Wahl

Lüneburg. Es klingt wie ein Traum, weil das Konzept mit nahezu allen gängigen Regeln bricht. Anstelle eines Lehrplans entscheiden die Schüler selbst, was, wie und mit wem sie lernen möchten. Sie teilen sich ihre Zeit frei ein, haben jederzeit die Möglichkeit, auch mal eine Pause einzulegen. Diese Vorstellung einer freien, demokratischen Lernumgebung sollte in Lüneburg eigentlich schon nächste Woche zum Schuljahresbeginn Wirklichkeit werden. Auch einen Standort hatten sich die Initiatoren mit dem alten Schullandheim in Böhmsholz ausgeguckt (LZ berichtete). Doch die Suche nach Investoren gestaltet sich schwieriger als gedacht. Der Start wird deshalb verschoben – auf den 1. Februar 2019.

Die Idee, eine solche Schule in Lüneburg zu gründen, ist vor etwas mehr als zwei Jahren geboren. Zuletzt schien alles auf dem besten Weg zu sein, der Trägerverein „Selbstbestimmt Lernen in Lüneburg“ hatte mit Eckhard Schmidt, dem Eigentümer der Idylle in Böhmsholz, jemanden gefunden, der sich für das Konzept begeistern ließ. Er hatte ohnehin überlegt, zumindest Teile seines Erbes, nämlich den Waldhof und das benachbarte Schullandheim, zu verkaufen. Die Theorie sah vor, einen Käufer zu finden, der das eine Gebäude an die Betreiber der neuen Schule verpachtet und in dem anderen eine Gaststätte betreibt.

Immobilienmarkt bietet wenig Alternativen

Doch die Praxis brachte Ernüchterung: „Wir finden niemanden, der da so groß investieren möchte“, sagt Franziska Nitzsche. Die Mutter von zwei Töchtern wirkt seit der ersten Minute an der Gründung mit. Zwischenzeitlich hatte sich die Gruppe nach neuen Gebäuden umgesehen, auch mit der Stadt Gespräche geführt. „Leider gibt der Markt in Lüneburg nicht viel her.“ Zudem hegen alle Beteiligten, auch Eckhard Schmidt, nach wie vor den Wunsch, das Projekt in Böhmsholz zu realisieren. „Es ist dem Besitzer sehr wichtig, dass dort junge Menschen hinkommen.“

Allein jedoch könne der Verein die Kosten nicht stemmen, so viel stehe fest, sagt die 33-Jährige. Würde jemand das komplette Areal in Böhmsholz kaufen und für die Renovierungsarbeiten der neuen Schule aufkommen, müsste sicher eine Summe von rund einer Million Euro aufgebracht werden. Nun soll sowohl eine Fundraising- als auch eine Crowdfunding-Aktion nochmal für Aufmerksamkeit sorgen.

Mit dem Gebäude steht und fällt der Finanzierungsplan, den die Landesschulbehörde benötigt. Das endgültige Okay stehe von dort deshalb noch aus. Gleichwohl heißt es vom Verein: „Die Behörde unterstützt uns nach wie vor, wir arbeiten zusammen, nicht gegeneinander.“

Wechsel mitten im Schuljahr als nächste Hürde

Dass sich der Eröffnungstermin verschiebt, hatten die Beteiligten Mitte Juni per Elternbrief mitgeteilt. Mehr als 100 Voranmeldungen gibt es für die demokratische Schule schon, allein 50 für das nahende Schuljahr. Nun muss das Team, sollte es mit dem neuen Starttermin klappen, eine weitere Hürde meistern: Kinder, die die neue Schule besuchen sollen, müssten zum Halbjahr wechseln, also mitten im laufenden Schulbetrieb. Damit interessierte Mütter und Väter ihre Kinder nicht für ein halbes Jahr in eine staatliche Schule geben müssen, befinde man sich zurzeit in Gesprächen mit anderen freien Schulen, um sie vorerst dort unterzubringen. „Wir möchten sie nicht zwei komplett verschiedenen Systemen aussetzen.“

von Anna Paarmann