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2011 war die Berechtigung zum Leistungsbetrieb für das AKW Krümmel erloschen. Seitdem befindet es sich im Nachbetrieb. (Foto: A/tja)
2011 war die Berechtigung zum Leistungsbetrieb für das AKW Krümmel erloschen. Seitdem befindet es sich im Nachbetrieb. (Foto: A/tja)

Auch Bardowick will mitreden

Geesthacht/Lüneburg. Die heiße Phase für die endgültige Stilllegung des ehemals leistungsstärksten Siedewasserreaktors läuft. Bei der Beteiligung der Behörden a m Genehmigungsverfahren in Schleswig-Holstein werden auf niedersächsischer Seite auch die Kreise Lüneburg und Harburg beteiligt. So ist ebenfalls die Samtgemeinde Elbmarsch im Kreis Harburg als direkter Nachbar von Krümmel eng in das Verfahren eingebunden. Jetzt schließt auch die Samtgemeinde Bardowick auf. Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann sagt auf LZ-Nachfrage: „Wir haben Mitteilung bekommen, dass wir zwar nicht zu den Behörden gehören, die eingebunden werden müssen, aber man wird uns jetzt trotzdem beteiligen.“

In einer Resolution hatte sich der Samtgemeinderat Bardowick im Juni dafür ausgesprochen, bei den zuständigen Behörden eine Beteiligung am Genehmigungsverfahren einzufordern (LZ berichtete). Jetzt kam die schriftliche Antwort aus Kiel. So sei der Reaktorsicherheitsbehörde in Kiel „nicht ersichtlich“ gewesen, dass „Zuständigkeitsbereiche der Samtgemeinde Bardowick“ durch das Genehmigungsverfahren rund um den AKW-Rückbau „berührt werden“. Auch der Landkreis Lüneburg habe nach Auskunft des Ministeriums in Kiel trotz Aufforderung im Mai keine weiteren Behörden benannt, die beteiligt werden sollten. Allerdings kommt die Atomaufsicht in Kiel jetzt dem „ausdrücklichen Wunsch“ der Bardowicker „vorläufig“ nach.

Luhmann sieht dem Verfahren mit Spannung entgegen. Gleichwohl sagt er zum geplanten Zwischenlager beim AKW Krümmel: „Ich persönlich habe keine große Sorge. Wir liegen ja seit jeher im Zehn-Kilometer-Radius um Krümmel. Und im bisherigen Standortzwischenlager stehen auch schon Castoren. Von einer neuen Einrichtung verspreche ich mir durch den technischen Fortschritt sogar einen höheren Sicherheitsgrad.“

Wie berichtet, plant die Vattenfall-Betreibergesellschaft zusätzlich den Bau eines zusätzlichen „Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager“ (LasmAaZ). Im bereits vorhandenen Zwischenlager werden die Brennstäbe des Reaktors in Castor-Behältern untergebracht. Bis Ende 2019 sollen 99 Prozent des radioaktiven Materials dort stehen. Das nun beantragte „LasmAaZ“ soll – zusätzlich – künftig die schwach- und mittelradioaktiven Baustoffe aus dem geplanten AKW-Rückbau aufnehmen. Die geplante Halle – 56 Meter lang, 60 breit und 23 Meter hoch – soll so lange als Zwischenlager dienen, bis die geplante Endlagerung im Schacht Konrad bei Salzgitter möglich ist.

Kritisch sieht das neue Zwischenlager Rolf Roth, Bürgermeister der Samtgemeinde Elbmarsch: „Wo immer etwas gelagert wird, besteht immer ein Restrisiko für die Bevölkerung. Schon mit dem Standortzwischenlager für die Castoren waren wir nicht einverstanden.“ Mit Blick auf die heute beginnende Öffentlichkeitsbeteiligung für beide Verfahren sagt Roth: „Wenn übergeordnete Stellen wie Bund und Land die Aufsicht haben, kann ich mir schwer vorstellen, dass wir als Samtgemeinde noch Punkte finden, bei denen wir uns einschalten müssen.“ Es werde zwar schwer, die Unterlagen auszuwerten, „aber wir werden uns mit einer Stellungnahme beteiligen“, in enger Abstimmung mit dem Kreis Harburg. Demnächst steht das nächste öffentliche Info-Forum zum AKW-Rückbau an, organisiert von den Kreisen Lüneburg und Harburg: Geplant ist der Info-Abend am Donnerstag, 9. August, in Marschacht. Zentrales Thema wird die Material-Entsorgung und Lagerung sein.

Zur Sache

Seit 2011 kein Leistungsbetrieb mehr in Krümmel

Das in der Vergangenheit von Pannen geplagte Atomkraftwerk Krümmel am Geesthachter Elbufer war im September 1983 ans Netz gegangen. Die Berechtigung zum Leistungsbetrieb erlosch im August 2011 durch eine Atomgesetzänderung im Anschluss an den Reaktorunfall von Fukushima. Die Betreibergesellschaft stellte den Stilllegungs- und Abbauantrag für das Atomkraftwerk bereits im August 2015. Eigentümer des Atomkraftwerks Krümmel sind zu je 50 Prozent die Konzerne Vattenfall und PreussenElektra.

Von Dennis Thomas