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Durch die geplante Tarif-Erweiterung sollen in anderthalb Jahren auch HVV-Einzeltickets für den Metronom nach Bienenbüttel gelöst werden können. (Foto: t&w)

Auch Uelzen kommt in den HVV

Hamburg/Uelzen. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) soll im Schienenverkehr zum Jahreswechsel 2019/2020 auf den gesamten niedersächsischen Teil der Metropolregion Hamburg ausgeweitet werden: Und zwar um die Landkreise Uelzen, Heidekreis, Rotenburg (Wümme) und Cuxhaven. Darauf haben sich die Kreise zusammen mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) sowie die Freie und Hansestadt Hamburg im zuständigen Lenkungskreis beim HVV verständigt, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Die HVV-Erweiterung müssen sich die beteiligten Kreise aber insgesamt teuer erkaufen.

Noch stehen aber einige Entscheidungen in politischen Gremien sowie der HVV-Gesellschafter-Versammlung aus. Die Erweiterung gilt zumeist nur für Zeitkartentarife. Rühmliche Ausnahmen sollen aber beispielsweise Bienenbüttel, Munster und Soltau sein, wo künftig auch HVV-Ergänzungs-, Einzel-, Tages- und Gruppenkarten im sogenannten Bartarif gelten sollen. Dafür soll noch der neue Tarif-Ring F geschaffen werden.

Vier Millionen aus vier Landkreisen

Durch die geplante Tarifausweitung auf der Schiene entstehen durch den für Fahrgäste günstigeren HVV-Tarif Einnahmeverluste bei den Eisenbahnunternehmen, die von der öffentlichen Hand ausgeglichen werden sollen. In den vier Landkreisen müssen insgesamt vier Millionen Euro pro Jahr aufgebracht werden, bestätigt HVV-Sprecher Rainer Vohl auf LZ-Nachfrage. Das Land Niedersachsen fördert die Tariferweiterung mit 1,4 Millionen Euro pro Jahr, dynamisch um 1,76 Prozent steigend. Die Hansestadt Hamburg übernimmt Kosten in Höhe von rund 500 000 Euro. Den Rest sollen die vier Kreise zahlen.

Zur Sache

Neue Tarife von Cuxhaven bis Suderburg

Konkret sind folgende Erweiterungen geplant: Im Heidekreis sollen auf den Strecken der Regionalbahn von und bis Munster beziehungsweise Soltau sowohl der Zeitkarten- als auch der Bartarif (Tages-, Einzel- bis Gruppenkarten) gelten. Im Kreis Uelzen soll der Zeitkartentarif gelten von und bis Suderburg, Bad Bodenteich und Schnega sowie der Bartarif von und bis Bienenbüttel. Im Kreis Cuxhaven sollen die Zeitkartentarife ausgeweitet werden für Sellstedt und Cuxhaven, der Bartarif für Hemmoor. Im Kreis Rotenburg (Wümme) sollen Heinschenwalde und Scheeßel in den Bartarif kommen und Sottrum sowie Visselhövede in den Zeitkartentarif.

Zunächst ungeachtet der Kosten sorgte die Nachricht der Tariferweiterung gestern im Uelzener Kreishaus und im Rathaus Bienenbüttel für Feierstimmung, ungetrübt vom Groll, der hier angesichts erheblicher Verzögerungen zuletzt geherrscht hatte. „Neben dem Großprojekt Glasfaser erreichen wir mit dem HVV-Tarifring F ein weiteres großes Ziel binnen kurzer Zeit, welches die Einheitsgemeinde bereits seit zehn Jahren verfolgt“, sagte Bienenbüttels Bürgermeister Dr. Merlin Franke auf LZ-Nachfrage. Anders als im Rest des Landkreises Uelzen wird in Bienenbüttel auch für Einzelfahrscheine der HVV-Tarif gelten. Und das kostet extra: Vorsichtigen Schätzungen zufolge vermutlich 90 000 bis 100 000 Euro pro Jahr – dynamisch steigend.
Was das für den Geldbeutel der Fahrgäste bedeutet, lässt sich laut HVV-Sprecher Vohl noch nicht beziffern: „Die neuen Verbindungen werden für die Fahrgäste auf jeden Fall günstiger. Genauere Berechnungen haben wir bislang nicht durchführen können, auch weil bis 2020 noch zwei Tarifanhebungen stattfinden sollen.“

Busse nicht bei der HVV-Erweiterung dabei

Zurück zu den Erweiterungskosten: Allein der Kreis Uelzen mit seinen Kommunen muss insgesamt rund 400 000 Euro pro Jahr stemmen, sagte Landrat Heiko Blume. Zum Vergleich: Der Heidekreis soll nach eigenen Angaben rund 500 000 Euro jährlich zahlen. Laut Blume berge das eine gewisse Ungerechtigkeit, wenn man Richtung Harburg, Lüneburg und Stade blicke: „Die drei Landkreise zahlen keinerlei Verluste, die auf den Schienenstrecken durch den HVV-Tarif entstehen.“ Blume fordert eine Gleichstellung des Kreises Uelzen mit den Nachbarn im Norden. Eigentlich gelte stets: „Was auf den Schienen stattfindet, tragen die Länder.“ Niedersachsen springe hier aber nur teilweise ein.

„Die neuen Verbindungen werden für die Fahrgäste auf jeden Fall günstiger.“
Rainer Vohl, HVV-Sprecher

Aus dem Umfeld der Verhandlungsrunde heißt es, dass das Land offenbar nicht alle Kosten habe übernehmen wollen, um keine weiteren Begehrlichkeiten aus anderen Landkreisen zu wecken. Zumal die Erweiterung wohl eher dem politischen Wunsch aus den Kreishäusern entspreche. Gleichwohl äußert sich Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann hoch erfreut: „Mit dem erzielten Kompromiss gewinnt der Nahverkehr im nördlichen Niedersachsen und in Hamburg weiter an Attraktivität.“

Ausdrücklich nicht Gegenstand der HVV-Erweiterung sind die Busverkehre. Da sind die Kreise alleinige Träger des ÖPNV und müssten Mindereinnahmen wohl komplett selbst tragen. Außerdem sei das jetzt „nicht Gegenstand der Verhandlung gewesen“, sagte auch Heidekreis-Sprecher Andreas Pütz, „da der Heidekreis dann Gesellschafter der HVV GmbH hätte werden müssen. „Die Frage stellt sich auch gar nicht“, sagte Uelzens Landrat Blume. Aus seiner Sicht gelte es nun, an dem Ziel weiterzuarbeiten, die kompletten HVV-Tarife für alle Schienenstrecken im Kreis Uelzen einzuführen.

Von Anna Petersen und Dennis Thomas

3 Kommentare

  1. Grundsätzlich die die Ausweitung zu begrüßen. Jedoch: die Aussage: “Die neuen Verbindungen werden für die Fahrgäste auf jeden Fall günstiger.“ stimmt nicht für Bahncard-Kunden. Wer eine Bahncard 25 oder 50 hat, wird dort, wo künftig HVV-Einzelkarten gelten, auf jeden Fall mehr bezahlen. Beispiel Lüneburg – Bienenbüttel: heute mit BC 50 für 1,90 €, beim HVV zwei Ringe für 3,30 €. Beispiel Winsen – Bienenbüttel: heute mit BC 50 für 3,85 €, beim HVV drei Ringe für 5,30 €.

  2. Warum werd HVV nicht bis Travemünde-Strandbahnhof ausgeweitet nur auf der anderen seite ?
    Ina Schrader

    • Hedemann Frank

      Weil leider die Landesregierung von Schleswig-Holstein nicht mitspielt. Die will lieber ihre überteuerten Schleswig-Holstein-Tarif-Tickets verkaufen.