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Die Feuerwehrflieger aus Lüneburg sind mit ihrer Cessna 206 H wieder gefordert. (Foto: phs)
Die Feuerwehrflieger aus Lüneburg sind mit ihrer Cessna 206 H wieder gefordert. (Foto: phs)

Feuerwehrflieger startet wieder

Lüneburg. Wegen der extremen Waldbrandgefahr ist der Feuerwehrflugdienst in Lüneburg und Hildesheim wieder in den Einsatz gestartet: Eine entsprechende Anordnung für Lüneburg hat die Polizeidirektion erlassen, nachdem der Deutsche Wetter Dienst (DWD) für Bereiche Nordost-Niedersachsens die Waldbrandgefahr auf die höchste Warnstufe fünf heraufgesetzt hat. Betroffen von der höchsten Warnstufe ist auch der Landkreis Lüneburg vor allem in seinen östlichen Gebieten. Zuletzt war der Feuerwehrflieger aus Lüneburg Ende Mai, Anfang Juni für sechs Tage im Einsatz. Der Feuerwehrflugdienst ergänzt die Arbeit der Waldbrandzentrale in Lüneburg. Und die ist erneut gefordert.

„Wir achten schon gar nicht mehr auf die Waldbrandstufen“, sagte Schichtleiter Ulrich Drewes bei der Waldbrandzentrale Lüneburg. „Wir sind unabhängig von den Waldbrandstufen immer gleich aufmerksam. Und angesichts der langanhaltenden Trockenheit könnte man die höchste Warnstufe auch einfach durchlaufen lassen.“ Tatsächlich ermittelt sich der Warn-Index neben der Temperatur auch noch aus der Luftfeuchtigkeit, Bodenbeschaffenheit und anderen Parametern. Wie berichtet, hatte die Waldbrandzentrale bis Montag bereits 345 Feuer gemeldet, ein weiteres kam im Landkreis Heidekreis hinzu, wo wieder eine landwirtschaftliche Maschine in Brand geraten war.

In der Waldbrandzentrale Lüneburg laufen alle Bilder und Informationen von 20 an Türmen installierten Waldbrandüberwachungskameras an 17 Standorten zusammen. Ein Gebiet von rund 1000 000 Hektar wird überwacht, davon rund 400 000 Hektar Wald, sagt Drewes. Die Waldbrandzentrale mit Sitz im Lüneburger Behördenzentrum ist im Dreischicht-Betrieb besetzt mit erfahrenen Forstwirten der Niedersächsischen Landesforsten sowie der Bundesforst. Sie beurteilen anhand der eingehenden Bilder, ob es sich bei einer Auffälligkeit etwa um aufgewirbelten Staub eines Mähdreschers, eine Feldberegnungsanlage oder eben ein Feuer handelt. Sobald die Waldbrandzentrale, die dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium untersteht, zwischen Elbe und Braunschweig sowie zwischen Rotenburg und Gorleben ein Feuer entdeckt, wird die jeweils zuständige Einsatzleitstelle informiert und im Einsatz gegebenfalls auch der Lüneburger Feuerwehrflieger.

Sieben Piloten

Das fliegende Auge der Brandschützer soll bestehende Überwachungssysteme ergänzen. „Unsere Aufgabe ist es, dass insbesondere die Bereiche überwacht werden, die nicht von den Kameras abgedeckt werden“, sagt Mirko Dannenfeld, stellvertretender Leiter des Stützpunkts Lüneburg des Niedersächsischen Feuerwehrflugdienstes, der vom Landesfeuerwehrverband getragen wird und im Einsatzfall dem Innenministerium untersteht. „Außerdem gehört es zu unseren Aufgaben, bei Sichtung eines Brandes die Feuerwehreinsatzkräfte am Boden mit taktischen Informationen aus der Luft zu versorgen, um den Brand möglichst schnell einzudämmen.“ Am Dienstag wurden die ehrenamtlichen Einsatzkräfte angeschrieben, sich für die Flugdienste zu melden. Zu einem Flugteam gehört jeweils ein Pilot sowie jeweils ein Vertreter der Feuerwehr sowie ein Mitarbeiter der Forst. Dannenfeld: „Trotz der Urlaubszeit kriegen wir das Personal zusammen. Wir sind ein relativ großes Team mit sieben Piloten, 26 Beobachtern der Feuerwehr und neun Forstfachleuten.“

Fünf Landkreise

Zum Überwachungsgebiet der Lüneburger Feuerwehrflieger gehören die Landkreise Harburg, Lüneburg, Uelzen, Heidekreis und Lüchow-Dannenberg. Dannenfeld: „Die Einsätze fangen mittags an und dann werden drei Runden geflogen. Da können schon um die sechs Flugstunden am Tag zusammenkommen.“ Als Pilot machte Hartmut Dittmer aus Kirchgellersen den Auftakt. Dabei hat der Landwirt gerade eigentlich alle Hände voll zu tun. „Wir sind gerade am Ernten und die Beregnung hält uns auch Tag und Nacht auf Trab. Aber die Zeit für den Flugdienst nehme ich mir noch raus.“ Dittmer ist schließlich auch in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert. „Wenn die Sirene geht, fahre ich ja auch los!“

Neben der erhöhten Waldbrandgefahr ist auch der Gefahrenindex für Grasland weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Deshalb rät Dannenfeld beispielsweise Landwirten beim Mähen und Dreschen ihrer Felder einen Tankwagen oder Fässer mit Wasser bereitzustellen, sollte es bei der Arbeit zu einer Funkenentwicklung kommen und das Feld Feuer fangen. Dannenfeld weiter: „Es wäre auch hilfreich, wenn die Landwirte beispielsweise mit einem Grubber eine Schneise rund um das gemähte Feld ziehen würden, damit im Brandfall das Feuer nicht in den nächsten Wald einwandern kann.“

Zur Sache

Tipps zur Waldbrandverhütung

Wegen der erhöhten Waldbrandgefahr verzichten nun auch die Schützen in Neuhaus am Freitag, 27. Juli, auf ihr geplantes Feuerwerk, stattdessen ist ab 22.30 Uhr eine Laser-Show geplant, das teilt die Tourist-Info in Neuhaus mit. Auch andere sollten sich angesichts der Lage in Selbstbeschränkung und Vorsicht üben. Regelmäßig bitten die Landesforsten die Bevölkerung in solchen Tagen um Mithilfe bei der Waldbrandverhütung. Hier sind insbesondere folgende Punkte zu beachten:

  • Kein offenes Feuer im Wald oder Waldnähe.
  • Grillen nur auf freigegebenen Grillplätzen, dazu das örtliche Forstamt fragen.
  • Im Wald gilt bis zum 31. Oktober ein allgemeines Rauchverbot.
  • Autos mit Katalysatoren nicht über trockenem Gras abstellen, keine Zigarettenkippen aus dem Auto werfen.
  • Jeden Waldbrand sofort unter der Notrufnummer 112 melden!

Von Dennis Thomas